WahlgedankenLK
Am morgigen Sonntag schreiten alle Wahlberechtigten im gesamten deutschen Vaterlande, Männer wie Stauen, in Stadt und Land zur Wahlurne, um die Abgeordneten für einen neuen Reichstag und in Preußen auch zugleich diejenigen für einen neuen Landtag zu wählen. Millionen von Deutschen an einem Tage auf die gleiche Handlung eingestellt, das ist schon ein fast überwältigender Gedanke! Ob sich alle aber auch der Tatsache bewußt sind, daß das Wahl recht die Wahl p f H cb t bedingt, daß unter Umständen ein ganz schiefes Bild vom Willen des Volkes entsteht, wenn Tausende ihrer politischen Ueberzeugung an diesem Tage keinen Ausdruck geben und dadurch anderen, rührigeren Parteien zu einem Vorsprung verhelfen? Auch der Parteilose muß einen Entschluß fassen und nach gewissenhafter Prüfung einer der Kandidatenlisten seine Stimme geben. Leider ist gerade in die sogen, bürgerlichen Kreije vielfach wieder eine Gleichgültigkeit und Lässigkeit der Wahl gegenüber eingezogen. Sür ein solches Verhalten sind die Seiten zu ernst, steht zu viel auf dem Spiel. Gs müssen sich am heutigen Tage alle Haushaltungen darauf einrichten, daß alle ihre wahlberechtigten Mitglieder ihrer Wahlpflicht genügen können. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, eine Elementarfache der politischen Erziehung.
ön dem Wahlrecht steckt aber auch eine große B e r - a n t w o r t u n g. Ob daran wohl alle denken? Es ist nicht einerlei, wie si^ ^er kommende Reichstag zusammensetzt, welche Parteien darin die Oberhand und damit die Führung und Regierung erhalten; denn es handelt sich dabei oft um grundverschiedene außen- uno innerpolitische Siele, oft um völlig entgegengesetzte Weltanschauungen. Wir sind leider noch nicht soweit, daß die einzelnen Parteien nur verschiedene Wege sind zum gleichen Siel: zum Wohle des Vaterlandes und zur Beglückung der Volks gestamtheit. Schon daraus erhellt, daß es mch-m) ist, wenn sich eine Partei auf einen ganz bestimm ten religiösen Sonderstandpunkt festlegt oder nur einem einzigen Stande, einer einzigen önteressengruppe im Volke dienen und deren Vorteile durchdrücken will. Wir können heute nur eine wirkliche Volk spartei gebrauchen, d. h. eine politische Arbeit welche in gerechter Gesinnung und Würdigung allen Ständen und Berufen gegenübersteht und wt einen einseitig auf Kosten der andern fördern oder zur alleinigen Machlausübung bringen will. Landwirtschaft, Arbeiterstand, Handwerk, Kaufleute, Industrielle, Beamte, Gelehrte müssen in gleicher Weise Gegenstand fürsorglicher Beachtung sein und zwar ohne Ansehen der Konfession. Tin so tief darniederlie- gendes Volk wie das deutsche kann heute keinen konfessionellen Hader, keine Gehässigkeit der Volksgenossen untereinander gebrauchen, auch nicht die viele Vergeudung an Seit, Geld, Kraft und Stimmen für die kleinen Parteien, die doch nichts erreichen können. Hinweg mit der kleinlich enSonderpolitikundFersplitterung, schließt euch nur einer großen Partei an!
Bei dem Anschluß an eine Partei kommt es heute nicht auf die Konfession an oder auf den Stand, sondern auf die Frage: Welche Partei hilft uns mit ihren Fielen und Grundsätzen am sicher st en aus unserer Rot und Verelendung heraus und zwar uns Deutschen allen? Das kann nur eine Partei vollbringen, die rein deutsch fühlt, die dabei aber keine unerreichbare jllussionspolitik und schwächliche Rachgiebigkeits- oder überideale Wellverbrüderungspolitik treibt, sondern eine gesunde Realpolitik, die in geschickter und kluger Anpassung an die
nun einmal vorhandenen außenpolitischen Bedrückungen UNS besser stellen und aufwärts führen will, wie es z. B. mit dem Dawes-Gutachten gelungen ist. Der Abschluß geschickter Kompromisse ist keine verächtliche Schaukelpolitik, sondern eine hohe Kunst, die freilich nicht jedem gegeben ist. Vergessen wir ja nicht, daß alles auf die Außenpolitik ankommt, daß non ihren Erfolgen überhaupt die Möglichkeit abhängt, innerpolitische wirtschaftliche, finanzielle oder soziale Fiele verwirklichen zu können. Auch alle innerpolitischen Maßnahmen müssen auf dem vorhandenen Rechtsboden ruhig und besonnen überlegt und getroffen werden.
Unser Vertrauen kann auch nur eine Partei haben, welche die überlieferten geist igenundsittlichen Werte, die unser Volk groß gemacht haben, hochschLtzt, welche an der christlichen Weltanschauung festhält und Kirch eundSchu- l e in ihrer Bedeutung als Kulturträger für die Volksgesamt- Heit würdigt. Weiter muß eine Partei sozial sein, d. h. sie muß sich in erster Linie der Volksgenossen annehmen, deren Lage gegenwärtig besonders belastet und elend ist, und ihnen aufhelfen. Deren Reihe ist nun freilich in unseren Tagen lang. Es melden sich mit Recht die Kriegsbeschädigten, Kleinrentner, viele Arbeiter und Bauern, die unteren Beamtengruppen, Handwerker usw., im großen und ganzen ist unser Mittelstand heute am meisten bedroht, dem Deutschland in der Vergangenheit seine beste geistige und moralische Kraft verdankt. Eine Partei, die uns helfen soll, darf ihn nicht vergessen.
Und endlich möchte ich allen Wählern noch einen Gedanken recht nachdenklich ans Herz legen. Ehe ihr eure Stimmen für eine Partei abgebt, schaut euch ihre Programme auf ihre Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit an, prüft, ob alles das, was sie inbezug auf unsere Außenpolitik und unser Verhältnis zu andern Völkern und was sie an Vorteilen, Besserungen und Wohltaten im innern versprechen, wirklich zu erreichen ist. Uebermäßige Versprechungen sollten Mißtrauen erwecken, denn wo soll ein wehrloses und verarmtes Volk die Macht und Mittel zur Erfüllung hernehmen? Es gibt Parteiprogramme und Wahlaufrufe, die tragen für jeden Aachdenkenden den Stempel der Unmöglichkeit offensichtlich zur Schau. Ein bescheidenes, ehrliches Programm sollte das Lok- kendste sein.
Gebt am heutigen Gage eure Stimme einer Partei, die deutsch, christlich, versöhnlich, sozial und ehrlich ist, die das Vertrauen des Auslandes genießt und allen Berufen und Sn-ichten unseres Volkes als wirkliche Volkspartei mit gleicher Gerechtigkeit und Hingabe dienen will!
Dr. S ch w a r z I o s e.
Der Haarmann-Prozetz vor den Geschworenen.
D.B. Hannover, 4. Dez. (Sig. Meidg.) Vor dem Hannoveraner ocywurgericht hat heute vormittag der Monstre- prozeß gegen den Massenmörder Fritz ^aarmann begonnen, der des Mordes in 27 Fällen angeklagt ist. Elf Morde hat er bereits eingestanden. Gegen seinen Mitangeklagten Hans Grans lautet die Anklage außer auf gewerbsmäßige Hehlerei u. a. auf Anstiftung zum Morde in zwei Fällen und zwar zur Ermordung Adolf Hannappels aus D^.-.'-orf und Fritz Wit- ings aus Lasse!. Die Anklage beruht hier auf Aussagen, Haarmanns, der sonst seinen Freund immer zu schützen versuchte. — Haarmanns Verhalten während des ersten Verhandlungstages gibt ein ziemlich interessantes Bild des ganzen
Menschen. Er springt immerzu auf, kann nicht ruhig jt^. Seine Stimme fällt aus einem ruhigen Gon in einen hohen $ stelton und er kicyert und lacht an den unmöglichsten Stelle Er verrät ein aufgeregtes und ängstliches xvesen. Als einmt die neben ihm sitzenden Schutzpolizisten abgelöst werden m zwei andere den Saal betreten, springt er ganz Lngstlm) Qll und betrachtet sie zitternd, bis der Vorju-e»^ ihm verficht daß es nur Ablösung sei. Der Vorsi....^e erklärt, er we^ sämtliche Feugen im Vorraum auf Waffen untersuchen lassy da ihm bekannt geworden sei, daß verschiedene Feugen Attentat auf den Angeklagten beabsichtigten. Dann bittet W Vorsitzende wegen zahlreicher 5^... .en aus FrauenverD neu usw. auch die Presse möglichst sachlich über den Prozess» berichten. Einen Ausschluß der Oeffentlichkeit plant das richt von sich aus nicht. Der Staatsanwalt wünscht Aussch der Oeffentlichkeit nur bei Behandlung der sexuellen VorgL ge. — Die Vernehmung Haarmanns ergibt, daß er 15 ^ 3 vorbestraft ist und zwar durchweg wegen Eigentumsdelikte! " Dann werden die Vorstrafen von Grans verlesen, der dreinic vorbestraft ist. Dann folgt die schier endlos scheinende Lisi, " der von Haarmann Ermordeten. Die Vernehmung Haar- 6 manns ergibt, daß er seinen Vater furchtbar gehaßt habe: _ muß. Er verflucht ihn noch im Grabe und beschuldigt ihn im- 1 mer von neuem aller möglichen Missetaten. Bei Verhandlung der Vorstrafen erklärt er immer wieder, alles sei Unfinr und Schwindel. Unvermittelt ruft dann Haarmann bei Fortsetzung der Vernehmung aus: jch will geköpft werden. Mach, doch rasch. Und ein Weilchen später trinkt er ein Glas Wass« und meint, so, machen wir rasch weiter, damit alles schnell vorbeigeht. Später kommt die Rede darauf, ob Grans von den Mordtaten Haarmann gewußt hat und dabei gibt Haarmann < ?u, daß Grans in einem Falle einen Wandschrank aufmachte, in dem ein Toter lag. Auf die Frage, ob er auf der Tötung , der Leute bestanden habe, erwidert Haarmann mit ja. Wenn ; er einen laufen gelassen habe, habe er geschimpft. „Du bist , ein jdiot" und wenn Grans kam, suchte er immer im Fimmer. Auf die Frage war er suche, habe er ihm geantwortet, „öch suche Leichen".
Die Ueberführung Angersteins nach Gießen.
D.B. Gießen, 4. Dez. (Sig. Meldg.) Angerstein, der des Mordes überführt und in jeder Hinsicht geständig ist, wurde ins der vergangenen Rächt einhalb 1 Uhr in das Krankenhaus Gießen überführt. Die Ueberführung erfolgte unter polizeilichem Schutz, die von der Staatsanwaltschaft deshalb angeordnet wurde, weil Familienangehörige der in Haiger Hingemetzelten die Absicht geäußert hatten, Angerstein aus dem . Krankenhaus zu holen und ihn zu erschlagen. Die Einleitung eines Verfahrens soll erst erfolgen, wenir Angerstein ausgeheilt - ist. Allerdings kann das bei der Verwundung und noch mehrL bei einer anscheinend weit fortgeschrittenen und vielleicht über- Haupt unheilbaren Krankheit eine Weile dauern. Auch du neueren Aussagen Angerstein bestätigen, daß er seine Untat mit größtem Raffinement durchfUhrte.
Der morgigen Anmmer liegt die Sllustrierte Zeitschrift „Hessische Morgenzeitung im Bilde" bei. D. A.
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Liede kleine Limskoa
Fred Andersens Höllenfahrt Roman v. Otfried von Hanstein.
(4. Fortsetzung.)
„Herrgott Doktor, was geht das Sie an? Sie werden ordentlich erregt.“
„Das Mädcyen ist mir völlig gleichgültig, aber ich kannte zufällig den jungen Mann."
„Den Sohn des Generals Andersen?"
„Ganz recht, ich habe ihn in Bonn kennengelernt und hielt ihn für einen strebsamen und tiefer veranlagten Menschen."
Der Spanier lachte.
„Und nun stört es Sie, daß er einmal flirtet?"
„Er war mir zu schade dazu."
„Was wollen Sie? Es war sicher eine Millionärstochler und wird vielleicht seine Braut. Wenn Fhr Deutschen nur nicht immer alle Menschen und ihre Empfindungen nach Eurer Art beurteilen wolltet. Hier ist eben der Flirt erlaubt, wenn er nur die eine letzte Grenze nicht übersteigt; und der zarte Keuschheitsstaub mit dem Sie ihre deutschen Mädchen so gern überhauchen, besteht nicht und wird nicht verlangt. Darum sind die Amerikanerinnen nicht schlechter; nur bessere Haus frauen sind die Deutschen. Und zu Hause ist die Amerikanerin eine unbeschränkte und dabei sehr „kostbare" Königin. Aber zu unserem Werk."
„Sch reije morgen nach El Kaso ab, werde zunächst Shre Bergwerke in Mexiko genau inspizieren und dann die Pläne ausarbeiten“, erroiberte Büttner.
„Wie lange werden Sie dazu brauchen."
„Sch kehre inzwischen nach Spanien zurück. Geben Sie mir Rachricht, wenn Sie vollkommen fertig sind und lassen Sie sich Feit. Auch ich habe etwa zwei Sahre in der Heimat zu tun und werde dann nach der Habana kommen. Dort können wir uns treffen und über die weitere Ausbeutung der Minen, wie ich bestimmt glaube, unter Shrer Leitung konferieren".
Die beiden Herren gingen dem Golden Gate Park zu, um, die Trambahn vermeidend, in der schönen Mondnacht zu Fuß nach Frisko zurückzukehren.
Auch Fred Andersen war schon daheim. Sein Auto hatte ihn schnell durch die nächtlichen Straßen von Frisko gebracht. Diese Straßen, in denen sich auch jetzt noch die Spuren des furchtbaren Erdbebens zeigten, das im Sahre 1906 die ganze Stadt in einen wirren Haufen brennender Trümmer verwandelt hatte. Vorbei an dem hohen Surrn der Oaklandfähre, der trotz seiner Höhe von fünfundsiebzig Metern damals wie ein gewaltiger Uhrpendel geschwankt hatte, ohne zu stürzen, vorbei an der Ehinesenstadt, mit ihren Opiumhöhlen und Ver- krecherspeiuken, führte, vorbei am Robhill mit den Billen der
Dollarmüllardäre, in deren einer jetzt auch Maud Allen wohl den Schlaf suchte und vielleicht seiner gedachte.
Der Diener in seiner vornehmen Sunggesellenwohnung war noch munter und höflichst verwundert, als ihm der Herr befahl, unverzüglich den Koffer mit allem zu versehen, was ein Vergtourist braucht.
„Sch reife morgen früh."
„All right, Master."
„Sch werde einige Monate fortbleiben, und Sie werden die Wohnung hüten."
„All right."
Fred ging im Fimmer auf und nieder. Setzt war ein Gefühl des Unbehagens in ihm. Wie ein Kind hatte er gehandelt, sich kopfüber in ein wildes Abenteuer gestürzt. Die Ta- nons des Tolorado! Teufel! Vor Maud Allen hatte er sich keine Blöße geben wollen, aber nun er allein war, mußte er sich gestehen, daß er durchaus nicht orientiert war, daß er das Buch jenes Professor Powell gar nicht kannte, daß jener von Maud erwähnte Touristenausflug von Fort William aus das einzige war, was er wußte.
Er griff zu einem geographischen Lehrbuch:
„Sanons nennt man außerordentlich tief eingewachsene Tä- ler einiger großer Ströme, die durch weiche Gesteinsmassen sich ein außergewöhnlich tiefes Bett gruben. Die berühmtesten jinb die etwa zwei Kilometer tiefen Sanons des Tolorado. Sie bilden einen ganz schmalen vierhundertachtzig Kilometer langen und zwei Kilometer tiefen Spalt, der in seiner großartigen Wildheit einzig dasteht.
Der Eoloradofluß fließt durch die amerikanischen Bundesstaaten Utah und Arizona, durchströmt später das Gebiet der furchtbaren SilahwUste und mündet im Golf von Kalifornien.
Außer dem Professor Powell hat noch kein Reisender die ganzes Länge der Sanons durchfahren."
Fred schlug das Buch zu und sah auf eine Karte.
Durch die wilden Bergformen der Bad Lands, durch das sagenhafte Gebiet des „Gartens der Götter" der alten Sndios führte der Weg nach dem Städtchen Green River Sity, das der Ausgangspunkt feiner Reise werden sollte. Abenteuerlust hatte ihn gepackt. Er war entschlossen, das Wagestück zu vollbringen, zu reisen, obgleich er selbst fast nichts wußte von den Sanons des Tolorado.
Sr setzte sich nieder und schrieb einen Brief an seinen Va- ter, der zurzeit in Rewgork weilte. Warum sollte er nicht in die „Bad Lands" gehen? Von seinen weiteren Plänen schrieb er nichts, und am anderen Morgen um zehn Uhr ließ er sich nach Ookland übersetzen, eine halbe Stunder später trug ihn der Schnellzug der Stadt Green River in Wgomming entgegen. Kurz vor der Abreise hatte er noch ein Briefchen empfangen, das ihn noch froher stimmte.
„Glückliche Reise, my Darling! Vergiß nicht, mir hübsche Kolibris und paar Paradiesvögel zu schießen. Deine Maud."
Er lachte! Mit den Paradiesvögeln würde es nichts werden, die lebten in der Südsee und nicht in den Sanons des Eo- lorado! Aber Tolibris? Das mochte sein! jedenfalls stimm-W te der Gruß ihn froh, und als der Fug den Bergen entgegen- dampfte, ahnte Fred Andersen nicht, daß er Frisko und Maud und auch seinen Vater nie wiedersehen sollte, ahnte nicht, was in den Todestälern des Tolorado seiner wartete und welch gewichtige Rolle der blonde Dr. Ewald Büttner, der ihii.an-Aie- 1 sem Abend beobachtete, ohne daß er es gewahr wurde, in . seinem ferneren Leben zu spielen bestimmt war.
Fred Andersen war jung, er war Amerikaner und von Kind auf in allen Sportarten gestählt, er hatte seinen Aufenthalt in Europa zu großen Alpentouren gebraucht, er war ein treff- ■ lieber Schwimmer und mancher Boxmatch hatte seine Muskeln ’-- gestählt. Dabei war er voll Wagemut und Energie. Er «saß im bequemen Pullmancar und fuhr durch das wilde Land des < Westens, ohne es zu beachten, ön seinem Herzen war eine" warnende Stimme: Hatte er nicht voreilig gehandett? War es nicht eine Torheit, daß gestern der Liebesrausch ihn versprechen j ließ, sogleich aufzubrechen? Hätte er nicht das Werk? des Forschers studieren müssen? Mit sachkundigen Männern beraten und Vorbereitungen treffen sollen?
Er schüttelte den Kopf. Wohl hatte er mit der damals^, noch kindlichen Maud und ihren Eltern einen Blick in den è großen Tanon des Tolerado getan. Gewiß war er wild und»- gewaltig, aber überall hatte er jndianerpfade gesehen und den s breiten Strom. Er überlegte: Drei oder vier Monate hatte ■ der Professor gebraucht, das Tal zu durchfahren, dessen Länge nur vierhundertachzig Kilometer beträgt. _..,c natürlich. Der “ Raturforscher hatte Studien getrieben, er wollte nur Sport | üben. Vierhunoertachtzig Kilometer? Bequem legt ein ge- fe übter Fußgänger am Tage achtundvierzig Kilometer zurück^ Ein gutes Boot also spielend mehr. Also würden zehn Tage s genügen. Dazu uie Schwierigkeiten, die Umgehung einiger | Stromschnellen — ein Monat genügte sicher. Gut, daß sein treffliches Sanu aus festem Hartholz und mit wasserdichten | önnenräumen im Gepäckwagen stand. Er hatte es in Alaska x erprobt und war damit über die Stromschnellen des Aukon hinuntergefahren. Dabei war es so leicht, daß er allein es zu | tragen vermocyce. Auch ein paar krujiige Lederlassos waren darin, diè er von Gauchos in Mexiko gekauft hatte. Galt es; also noch Lebensmittel zu kaufen. Seine doppelte Sportausrüstung, gute, wollene Decken und Schals und Wollwäsch^ , hatte der Diener verpackt. — Dumm war es doch, daß er das Buch nicht besaß, aber — ein Professor ist im allgemeine» kein körperlicher Held — was der konnte!
(Fortsetzung folgt).