Nr. 5
Samstag, den 6. Dezember 1924.
Mische Morgenzeitung
Beiblatt.
Verlag: Fulda, Kanalstraße 44.
zwischen Minute und Ewigkeit.
Geschwindigkeit als Lebensprinzip.
Von Rudolf Reimer.
(Aachdruck verboten.)
Wir Minutenmensche». Der Traum von der guten alten Zeit. Napoleons Lilkalesche. Ngthmen des Mittelalters.
Leben wir richtig-'
„Wenn ich um 7.45 morgens aufstehe" jagt der moderne Mitteleuropäer, „mich in 12 einhalb Minuten anziehe und rasiere, beim Frühstück zwischen Seleebrötchen und Kaffeetasse in S dreiviertel Minuten die Morgenzeitung und die Privatkorrespondenz duru-fliege, so kann ich die Linie 3, die um 8.06 mit der üblichen Verspätung von zwei Minuten an der Ecke Schil- lerstraße hält, noch beim Wiederanfahren besteigen und um einhalb 9 Herrn Schule, der um 9.12 «eine Werbereise nach Schlesien antritt, die nötige Vollmacht und die letzten geschäftlichen Instruktionen erteilen, um selber um 9.58 den Berlin Müncyener Expreßzug zu der beabsichtigten ^intertour nach Garmisch-Partenkirchen zu erreichen."
Tempo! Tempo! lautet die Parole im Zeitalter des Aulobus, des Verkehrsflugzeugs, des Radios und des drahtlosen Funkspruchs. Minuten sind Ewigkeiten, Sekunden Jahrhunderte für den Geschäftsmann wie für den Privatmenschen. Zeit ist Geld. Das englische Sprichwort hat heute seinen besonderen tiefen Sinn, wo wir ebensowenig Zeit wie Geld haben. Die geringste Störung unseres Tagesprogramms, der unerwartete Verlust einiger Minuten durch eine Straßenbahnstockung, durch einen geplatzten Pneumatik oder eine falsche Telephonverbindung stürzt das ganze Kartenhaus eines genau präzisierten Arbeitsplanes über den Haufen. Wir find nicht mehr Herr unserer Zeit, wie wir uns kühn brüsten, sondern ihre Sklaven. Mit einem Male steht ganz unerwartet, ganz gegen alle Berechnung, Gevatter Tod mit seinem etwas veralteten Stundenglas vor uns. Unser Prazisionschronometer, der die Stoppuhr unserer Lebensrekorde darstellt, nützt uns nichts. Unsere Stunde ist abgelaufen ... um 3.34 und eine halbe Minute.
Hast und Hetze drücken allen Erscheinungen unseres Daseins der Zivilisation und dem öffentlichen Leven ihren Stempel auf und prägen unsere Epoche zu der der Geschwindigkeit. Unter dem Gesichtspunkte des Ngthmus könnte man die verschiedenen Zeitalter der Menschheit neuartig und doch kennzeichnend voneinander scheiden und sie einzeln mit den Tempozeichen der musikalischen Technik überschreiben.
Wir leiden unter dem Rgthmus unserer Zeit und müssen ihn doch mitmachen. Wer nicht mehr mitkann, bleibt zurück, veraltet und kommt unter die Räoer des großen Kraftwagens der fortschreitenden Entwicklung. Da entringt sich manchmal ein Seufzer der gehetzten Brust: „Lebten wir doch noch in dem gemütlichen Tempo der Großväter-Zeit". Die Erinnerung an die Tage der Postkutsche läßt vor der Phantasie ein vuß friedlicher Muße aufsteigen. Die Zollschranke schließt sich am Stadttor gemächlich, der Schlagbaumwärter schürft in Schlafrock und Pantoffeln aus seinem Häuschen auf die Landstraße und kassiert sein Wegegeld, nachdem er mit dem frisch-fröhli- rhen Postillon ein Gläschen im benachbarten Wirtshause geleert hat. Inzwischen vertreten sich Großvater- und Großmutter, die noch jung, in Krinoline und Schwalbenschwanz, die große Hochzeitsreise von Königsberg nach Berlin unternehm, die steifgewordenen Beine draußen vor dem Tore, wo der Zlie- derbusch blüht und die Amsel schlägt.
Sa, das war eine goldene Zeit, als der Großvater dis Großmutter nahm und man noch Zeit hatte. Ganz so gemütlich und behaglich, wie phantasievolle Romantik sie heute erscheinen läßt, war sie aber wohl doch nicht. Gewiß, man legte nicht in der Stunde 60 und 80 Kilometer zurück. Aber die Eil- diligenze galt dazumal als ein blitzartig dahinjagendes Fuhrwerk, dessen Schnelligkeit durch nichts zu übertreffen war. Wurden doch auf jeder Station die Pferde gewechselt, gings doch Tag und Nacht die Landstraße entlang. Napoleon, der einen großen Teil seines Lebens unter dem Kutschendach zubrachte, galt als eine Art Belzebub wegen der Geschwindigkeit mit der er sich auf seinen Kriegszügen durch die Länder Europas bewegte. Mit der Erfindung der Eisenbahn, deren erste Lokomotiven im Verhältnis zu den heutigen noch recht bescheidene Geschwindigkeiten entwickelten, war die Postkutschenzeit für immer dahin. Welche furchtbaren Prophezeiungen hat man nicht den ersten vampfröffern auf den Weg gegeben. Nicht nur Laien, nicht nur Journale und intelligenzblätter, sondern auch medizinische Autoritäten verhießen den kühnen Passagieren der ersten Eisenbahn Krankheit und Tod infolge des frevelhaften Tempos der Vorwärtsbewegung.
Es ist seltsam, wie jede neue Kulturepoche mit schaudern- ber Bewunderung für die in ihr erreichte Geschwindigkeit der Lebensweise erfüllt ist. Die Postkutschenzeit glaubte gegenüber dem Rokoko eine nicht mehr zu schlagende Gangart er- reicht zu haben. Damals malten sich die Leute aus, wie gra- jios und stilvoll sich doch einst das Leben in den Sänften und unter den Puderperrücken abgespielt ehätt. in der Tat war Grazie der Ausdruck jenes französischen Zeitalters, dessen Höhepunkt das Leben am Hofe des Sonnenkönigs darstellt. 2n Mrlichen Verbeugungen nahten sicy die Rokokokavaliere über spiegelglattes Parkett der Prunksäle oder über die wohlgepflegten Rasenflächen des Parkes ihren Damen, die die männliche Welt vielleicht an graziöser Beweglichkeit noch übertrafen.
Man schrieb mit dem Gänsekiel, der geschäftig über das "Papier dahinjagte, ahnte noch nichts von der lauten Nervo- Jität der amerikanischen Schreibmaschine und sah auf jene Handschriftmalerei mittelalterlicher Mv..^.c.oster mit einem Ttnflug von mitleidiger RUyrung zurück. Die Kirche als Kulturträger in der mittelalterlichen Welt bestimmte durch Gemes- lenheit und würdige Ruhe ihrer Vertreter das Lebenstempo "rer oM. Aus der weltfernen Stille der Klöster wehte ein
Hauch ewigkeitsbewußter Gelassenheit y.naus in die laute Welt, deren Unrast hier keinen Einfluß fand. Draußen aber zogen in ununterbrochener Bewegung die plündernden und brennenden Söldnerheere durch die Lande und trieben die flüch tenden Bauern und Bürger der Städte vor pch her. Friedlos war jene ^eit und unruhig. Einen Vergle.^ mit der Wildheit und der Intensität moderner Kriege halten aber jene Kämpfe des Mittelalters und der Neuzeit nicht aus. Während ein modernes Maschinengewehr in der Minute mehr als einhundertundzwanzig Geschosse ,-t^oert, brauten die kaiserlichen Truppen des dreißigjährigen Krieges immerhin ihre 15 Minuten bis sie aus ihren Vorderladern die Bleikugeln entsenden konnten. Es erscheint heute grotesk, daß ihnen die schwedischen Soldaten Gustav Adolfs überlegen waren, weil sie bereits in 12 Minuten aufs neue aus ihren Büchsen Feuer geben konnten. Das muß ein gemütlicher Krieg gewesen sein, zumal wenn es zu regnen begann und das mühsam auf die Pfanne gebrachte Pulver naß wurde.
Still, geruhsam lebte in friedlichen Zeiten der Bürger in der mittelalterlichen Stadt. Hast galt als unziemlich. Alles vollzog sich in ruhigem Gleichmaß. Wer da polterte, wer mit der Tür ins Haus fiel, der beleidigte den Gastgeber und die Gesellschaft. Niemand hat den behäbigen Nhgthmus des Zunft- und Ständelebens feiner nachfühlen und nachschöpfen können als eben ein Musiker, als Richard Wagner in den deutschen „Meistersinger".
Die Sille in der Enge und die Bewegung in der Weite sind auch die beiden Erscheinungsformen der Lebensweise in griechisch-römischem Kulturkreise. Langsam, erdhaft und beständig spielte sich das Dasein in Stadt und Land ab. Unruhig, ewig bewegt durchzog das Kriegsvolk die damals bekannte Welt um das Mittelmeer. Die Apostel als die ersten passionierten Reisenden legten ihre Wege in jahrelanger Wanderschaft zu Fuß zurück und ließen sich durch nichts beirren. Der Läufer von Marathon war als erster Depeschenbote eine außergewöhnliche Erscheinung und wurde mit der gleichen Anteilnahme besprochen, wie heut ein neues Wunder der Nachrichtenübermittelung. Aus den klassischen Kunstwerken spricht etwas von jener olympischen und homerischen Ruhe, mit der ein Odgsseus auf jahrelanger irrfahrt die Meere durchstreifte und mit der feine Gattin seiner Rückkehr harrte Welcher Freier ließe sich wie iakob von seinem Schwiegervater auf zweimal sieben iahre vertrösten, bis er die Angebete seines Herzens heimführen darf. Heute werden Ehen per Kabel- telegramm geschloffen. Nach Holländis-, tte wird sogar in Abwesenheit des Bräutigams die Braut mir Ring und Handschuh des Mannes getraut.
Wie Legenden klingen dagegen die Erzählungen von der Geruhsamkeit früherer Kulturepochen, als Legenden werden aber auch unseren Nachkommen die gemütlichen Zeiten, in denen wir mit 60 und 80 Kilometer in der Stunde durch die Welt sausten, erscheinen, ihnen wie uns wird und muß es genügen, wenn uns immer noch ein Stündchen bleibt, um nach des Tages Hast am häuslichen Herde dahinzuträumen und einmal Zeit und Umwelt zu vergessen.
Wwelen, um die man kämpft.
Von Karl E. Schwaninger.
(Nachdruck verboten).
Um den Zamilieufchmuck der Bleichröder. Auch Edelsteine haben ihre Geschichte. Das Halsband der Gräfin Lamothe.
Vielnmstrittene Kronjuweleu. Märchen und Legenden. „Perlen und Tränen."
Neuerdings haben die Öffentlichkeit mehrere Prozesse beschäftigt, in deren Mittelpunkt Kozware Geschmeide altererb- ten Familienbesitzes standen. So hat der Gatte Maria Ors- Kas, der Berliner Bankier Bleichröder, wegen Herausgabe eines wertvollen Zamilienschmucks das Gericht angerufen. Und nunmehr kommt die Nachricht, von einem neuen großen Prozeß, den die frühere Kaiserin Zita von Oesterreich in Madrid gegen einen Varon Steiner um die Zurückerstattung ihres Schmuckes führt. Unter den von ihr vermißten Kostbarkeiten befindet sich das berühmte „Rosenhalsband", das im Sabre 1765 zur Hochzeit Maria Theresias zusammengestellt wurde und einen Wert von nahezu 9 000 000 Mark besitzt, als zweites ein großes Perlenhalsband, das eine Gabe des letzten russischen Zaren darstellt, ferner die sogenannte „Frankfurter Krone", die von Kaiser Franz 1. bei seiner Krönung in Frankfurt getragen wurde, und das „heilige Diadem" Maria Theresias, in dem ein einziger Solitär einen Wert von 2 000 000 Mark repräsentiert.
Die öuwelen sind dem Baron Steiner vom verstorbenen Kaiser Karl mit dem Auftrag übergeben worden, sie in San Sebastian auf zwei iahre zu versetzen. Baron Steiner aber verkaufte sie 1919 in Zürich, und der Erlös wurde für den Staatsputsch in Ungarn ausgegeben. Kaiserin Zita verlangt nun ihren Schmuck oder den vollen Wert der iuwelen von Baron Steiner zurück. Es wird beb Baron schwer fallen, diesen Wunsch zu erfüllen, denn die iuwelen find sicherlich längst zur neuen Welt hinübergewandert, und schmücken dort den Hals und das Haupt amerikanischer Multimillionärinnen.
Diese Prozesse rufen die Erinnerung an einen anderen herauf, der in der Geschichte eine große Rolle spielte iahrzehn- te lang dauerte und zuletzt erfolglos verlief. An die in der Geschichte Frankreichs berühmt gewordene Halsbandaffäre der Gräfin Lamothe. Diese Abenteuerin aus königlichem Geblüt, wollte den damals in Paris bekannten Eardinal Prinzen Rohan durch gefälschte Briefe und Billets, die angeblich von der Königin Marie Antoinette herrührten, veranlassen, ein kostbares Halsband von den iuwelieren Bölmer und Passenge zu kaufen. Prinz Rohan, der die verlorene Gunst Marie Antoinettes zurückgewinnen wollte, merkte nichts von dem gefährlichen Spiele der Lamothe und fiel glatt auf den unerhörten Betrug herein. Er kaufte 1785 die Diamanten für den ungeheuren Preis von über 1 000 00 Franks, um sie durch die
Hand der Lamothe der Königin ausliefern zu lassen. Statt dessen brach die Lamothe die meisten Diamanten aus dem Halsband heraus und verkaufte sie nach England. Als die Juweliere die erste Abzahlung nicht erhielten, wandten sie sich an den Hof, wodurch der Betrug ans L-cyr kam. Die Schuldigen wurden verhaftet und in die Bastille gebracht. Der Prozeß, der neun Monate bauerte, gab der damaligen feindlichen Stimmung der Pariser gegen den Hof neue Nahrung. Marie Antoinette, die ohnehin unbeliebt und unpopulär war, wurde noch mehr verleumdet. Prinz Rohan dagegen, der frei gesprochen wurde, zalte den Juwelieren bis zur Revolution jährlich eine bestimmte Summe aus den ihm zupeyenden Einkünften eines Klosters. Noch der Revu.—on aber wurden die Ansprüche der Juweliere und ihrer Erben abgewiesen. Auch weitere Klagen blieben erfolglos.
So gibt es noch mehr Edelsteine, die ihre Geschichte haben und über die gelehrte Abhandlungen, ja dicke Bücher geschrieben worden sind. Der berühmte Diamant der englischen Krone, der Kohinor, schmückte einstmals das Haupt des indischen Radjas von Malwa, ging dann in den Besitz des Surften von Lahore über um 1850 von den englischen Truppen erbeutet zu werden. Nachdem er in Amsterdams Diamantschleifereien seine jetzige Gestalt bekommen hatte, wurde er der Königin von England übergeben. Trotzdem der Kohinor, der aus der englischen Krone herausgenommen werden kann, gewöhnlich in einem stark gesicherten Tresor aufbewohrt wird, ist es doch wiederholt erfinderischen und tollkühnen Dieben gelungen, ihn zu stehlen. Sie haben sich aber niemals lange seines Besitzes erfreuen können; dazu war —c ^ohinor zu bekannt.
Der berühmte Florentiner oder Toscaner tauchte in der Geschichte noch früher auf als der Kohinor. Sm Sabre 1476 verlor ihn Karl der Stolze in der Schlacht bei Grasson. Der Zinder verkaufte ihn an einen n. ^u Suben, der ihn nach Mitteleuropa brachte. Nach vielen Srr ten gelangte er endlich in die Kaiserliche Scpuvnammer zu Wien, wo er seinen Ruheplatz gefunden hat.
Der „Pitt" oder „Regent von Indien" war im achtzehnten Fohrhundert im Besitz der französischen Könige. Als die Sturmflut der Revolution über Fronn . dahinbrauste, und die Tuillerien 1792 gestürmt und geplündert wurden, wurde auch er geraubt und im Ehamps Elgsee vergraben. Bold darauf fand man ihn dort und hat ihn dann wieder dem französischen Nationalbesitz einverleibt. Er zierte den Degenknopf Napoleons.
Der russische Krondiamant Orloff befand sich ursprünglich im Hause eines einfachen Kaufmanns in Amsterdam als Katharina 2. von Rußland ihn 1775 entdeckte. Die Kaiserin kaufte ihn für eine Leibrente von 200 Rubel, einen Adelsbrief und eine einmalige Abfindung von 450 000 Rubel. Er prangte später auf der Spitze des russischen Zepters.
Es ist nicht wunderbar, daß um einzelne Edelsteinarten sich Sagen und Legenden bilbeten. So gilt der Opal als Unglücks- stein. Die Kaiserin Eugenie von Frankreich verstand sich erst nach langem Bitten Napoleons 3. zum Tragen eines mit einem Edelopal geschmückten Ringes. Zum ersten Male erstrahlte dieser Ring in seiner Schönheit an ihrer Hand, als sie im Sabre 1870 in St. Eloud ein Gartenfest gab. Es war aber auch das letzte Mal, daß sie sich als Kaiserin einer illustren Hofgesellschaft zeigen durfte.
An der Statue der Schutzheiligen von Madrid, der Jungfrau von Aimudena, hängt ein kleines Kreuz, an dem ein wunderbarer Opal befestigt jjt. Er stammt von einem Ring, den die Königin Ehristine von Spanien nach dem Tode ihres Gemahls, des Königs Alfons 12. dort anbrachte, nachdem angeblich der Opalring ihrer Familie mehrere Todesfälle gebracht hatte.
Als Kaiser Alexander 3. von Rußland starb, fand man einen Opalring von wunderbarer Schönheit in einem Briefumschlag. Auf diesen hatte der Kaiser die Bemerkung geschrieben, daß er den Ring von der Hand seines durch ein Bombenattentot ermordeten Vaters gezogen habe. Die Witwe Alexanders 3. nahm den Ring nach Kopenhagen mit zu ihrer Mutter, die jedoch bald darauf starb. Der Ring wurde wieder nach Rußland gebracht, und die Kaiserin-Witwe schenkte ihn nun ihrem zweiten Sohne Georg, der ebenfalls frühzeitig verstarb. Aach seinem Tode verschwand der Ring spurlos und ist bis jetzt nicht wieder aufgetaucht.
Sn der spanischen wie in der russischen Legende ist eine ge- wisse Gleichheit vorhanden. Dort wird der Ring, um Unheil abzuwenden, an den Hals einer Heiligen gehängt, hier verschwindet er auf ungeklärte Weise, damit sein Fluch erlischt.
Buntglänzende, seltene Steine haben ,chon in der Urzeit einen unwiderstehlichen Reiz auf die Menschen ausgeübt. Es gab unter ihnen Mord und Totschlag, um sich in ihren Besitz zu setzen.
Schon die alten Götter scheinen ganz versessen darauf gewesen zu sein! Kein Geringerer als Goicvater Odin in eigner Person trug dem erfindungs- und listenreichen Loki auf, der schmuckfrohen Sreya ihr Halsband zu rauben, das aus purem Vvyeingolb geschmiedet war. Aber erst nachdem er sich zunächst in eine Fliege, dann — o pfui — in einen Floh verwandelt hatte, gelang es Loki, der Göttin den sorgsam gehüteten Schatz zu entwenden. Freilich währte seine Freude darüber nur kurze Zeit. Denn schon erschien ein neuer Bewerber um den kostbaren Schmuck in Gestalt Heimdals, der ihn Loki im Streite abgewann, dann aber entsagungsvoll genug war, Sreya wie- derzugeben.
Uebrigens bringt der Schmuck nach den alten Sagen all seinen Besitzern nichts als Unglück, eine Empfindung, die ihren Ausdruck noch in dem Sprichwort fand: „Perlen bedeuten Tränen".
Bekannt ist die Sage vom unheilbringenden Halsband der Harmonia und die Sagie vom Brisinga-Allen, an dem sich König Agni schließlich erhängte. Der Schatz der Nibelungen mußte dem Rheine zurückgegeben werden, um das Unheil zu enden, daß er über ganze Geschienter gebra.,. hatte.