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Die zwei Wahlurnen.

[ Von Berthold von Deimling, General b. Inf-

Jahrhunderte lang hat das deutsche Volk politisch stramm gestanden nnt den Händen an der Hosennaht und hat sich wenigstens i.. seiner großen Waffe überhaupt nicht u m Politik gekümmert, zu- Mal nicht um Außenpolitik. Dazu waren die Hohen da .die würden es schon mache»*. Auch hatte man ja «ar keinen Einfluß auf diese. Die Außenpolitik lag ausschließlich in der Hand von drei Männern: Außen­minister. Reichskanzler, Kaiser. Ueber Krieg und Frie­den hatte allein der Kaiser zu entscheiden. DaS deutsche VÄk hatte nicht mitzureden, sondern stramm zu stehen.

Da kam nach dem Zusammenbruch dieses System- die Weimarer Verfassung und setzte im Artikel 1 fest: »Das Deutsche Reich ist eine Republik, die Staats­gewalt geht vom Volk aus.*

Welch'gewaltigen Unterschied gegen früher dieser lapidare Satz bedeutet, ist vielen Teutschen noch gar nicht zum Bewußtsein gekonrmen. Jetzt heißt es nicht mehr .siillgestandenl", sondern jetzt heißt es: .Rührt Euch!* Jetzt sind wir nicht mehr Untertanen, sondern wir sind Staatsbürger- Vorbei ist die Zeit, in der die Waffen der .Untertanen* glaubten, sie brauchten sich nicht um das Wohl deS Staates zu kümmern, taju seien diejenigen da, denen ihre Geburt das Vorrecht zum Herrschen gegeben habe. Jetzt muß sich jeder Bürger mitverantwortlich fühlen für das StaatSwohl, und dieses Verantwortlichkeitsbewußtsetn muß gerade jetzt bei den bevorstehenden Wahlen zum Ausdruck komnren. Mit Stolz muß er jeden erfüllen baß ex miisttmmen darf für die Zukunftsgestaltung des Vaterlandes. Wer sich der Wabl enthält, muß sich schämen vor seinen Mitbürgern denn er erfüllt seine Bürgerpflicht nicht. Rüttelt in Euren Bekanntenkreisen die Lauen und Gleichgültigen aus. kämpft an gegen die Wablflaubeit. Sie kann nicht scharf genug geèrandmarkt werden.

Denn es geht diesmal ums Ganze; es geht um Eure Zukunft und um die Eurer Kinder und KindeS- kinder.

Um ganz deutlich zu zeigen, um was eS geht, laßt mich ein Bild gebrauchen: Zwei Wahlurnen werden am 7. Dezember vor dem deutschen Volke stehen. Di r eine Wahlurne ist schwarzweißrot und trägt die Aufschrift:

Monarchie und Krieg".

Di e and e r e Wa h l ur n e ist schwarzrotgold uni trägt die Aufschrift:

Republik und Friedt.

Wer lieber wieder stramm steht mit den Händen an der Hosennaht, wer will. daß die Zeli^n PoincarSS und bet Ruhrbesetzung und der Inflation wieder heraufbeschworen werden und daß Deutschland in einen neuen Krieg bineingetrieben wird, dessen Schauplatz unser Vaterland sein wird. der tue seinen Stirm»»- zettes in di« schwarzweißrot« Urne.

Wer aber lieber .nährt* statt still-ustehen. teer will M unser Vaterland in friedlicher Arbeit im Zusammenwirken mit den anderen Völkern wieder auf. gebaut wird, wer will, daß Reich und Rhein wieder frei werden der lege seinen Stimm­zettel in

die schwarzrotgÄdene Urne.

28ir alle aber wollen uns in der entscheidenden Stunde bewußt sein, daß es jetzt nicht auf egoistisch«, -nahen-, Standes- und Parieiinteressen ankommen darf, sondern allein auf dar Wohl und die Zukunft unseres Vaterlandes.

Ueber alles das Vatevlandl

te vachdeMche Stunde.

Herr Haagemann blickte heute so besonders ver­gnügt drein, und während die Wintersonne durch die kleinen Fenster seiner Sch uchmacherwerkstatt hereinsah, sang er eir munteres Liedchen vor sich hin Er war gestern in einer demokratischenWahl- versa mm l u n g gewesen, und er war das erste Mal duß es ihm wirklich gefallen hatte. Es war mal nicht geschimpft und gespottet worden, sondern man hatte klar gesagt, was man wollte, und das konnte der ge- wissenhaste Herr Haagemann wirklich aller unter- schreiben.

Herr Haagemann war nämlich immer ein gewissen­hafter und nachdenklicher Mensch gewesen schon in der Schule hatte der Lehrer zu ihm gesagt: .Du bist e.r- fixer Kerl, aus Dir kann mal noch was werden', nun war zwar nur ein einfacher Schuhmachermeister aus ihm geworden, aber einer, der sein« Sache bis aufs letzte verstand, vor dem die ganze Stadt den Hut zog.

Um die liebe Politik hatte sich Herr Haagemann bis jetzt nicht gekümmert, er hatte es mit dem Altmeister

Greth« gehalten: Politisch Liess, ein garstig Lieb, unss hatte in ihr immer die Wurzel alles Zankes und ©tret« tes gesehen. Aber an einem der letzten Sonntage hatt« der H e r r P a st o r von der Kanzel doch seinen Grundsatz erschüt^rt, indem er gesagt hatte, jeder gute Bürger müsse sich um di« Vorgänge in seinem Vater­lande selbst bekümmern, man dürfe nicht schimpfen über Parlament und Regierung, sondern müsse eben ver- suchen, selbst mitzuarbeiten und die Sache besser zu machen, und diese Arbeit beginn« damtt, daß man wähle und sich vorher sehr überlege, wenn man wähle. Dar hatte Herrn Haagemann durchaus eingeleuchtet, und er hatte beschlossen, in die Wahlversammlungen zu gehen und sich die Sache anzuhören.

Aber die Geschichte hatte ihm zuerst gar nicht be- hagt, er hatte meistens nur Schimpfereien gehört, ein­mal waren die Juden an allem schuld, ein andermal die Reichen, die Unternehmer und schließlich die Bürger der Stadt, man sprach von Krieg und Kanonen das alles hatte Herrn Haagemann gar nicht gefallen. Aus seiner Meistererfahrung wußte er doch nur zu gut, daß Gesellen und Lehrling« immer einen fanden, der an allem dran schuld war, und wenn er der Sache nachge­gangen war, dann hatten gewöhnlich diejenigen, die auf dem kleinen Lehrling am meisten herumgehackt hatten, die meiste Schuld. Nein, nein, das glaubte Herr Haagemann nicht mehr, dazu war er zu pfiffig. Und bei diesen Gedanken lacht« er leise in sich hinein und klopft« ein Pflöckchen ganz besonders sorgfältig in einen Schuh.

Aber das, was gestern abend gesagt worden war, das war das Richtige für einen Bürger- und Handwerkerstand, nicht rechts oder links, son- bern d t« M i 1 te, da ist unsere Stelle, die müssen wir wählen, da liegt der goldene Boden für unser Hand- werk!

Und nach der Feierstunde sehen wir Herrn Haage» mann höchst befriedigt aus dem Laden seines Freunde» deS Buchhändlers, kommen, und unter dem Arm trägt er vergnügt eine Schrift von Friedrich Naumann und dir Wahlzeitung der Demokratischen Partei. M. B.

Univerfitäts-profeffor Dr. Walker Schücking, der Spitzenkandidat der demokratischen Wahlliste, ist seit vielen Jahren VötterrechtSlehrer, früher an bet Universität Marburg, jetzt in Berlin. Groß ist die Reihe der wissen­schaftlichen Arbeiten, di« er auf dem Gebiete des internatio­nalen Rech» versaßt hat; der Völkerbund-gedanke hat in ihm seinen wissenschaftlichen Vertreter an den deutschen Universitäten gefunden. In der politischen Bewegung steht Walter Schücking schon seit langem. Er ha» in früheren Jahren manche Verfolgung erdulden müssen wegen seiner freiheitlichen politischen Ueberzeugung. Die demokratische Bewegung hat in ihm einen ihrer tatkräftigsten Männer. Schücking ist in Münster in Westfalen am 6. Januar 1875 geboren, also beinahe 50 Jahre alt.

WâhU am 7. Dezember die 7. Liste des Stimmzettels r ANZ? IkMsM VE

Ar toitfHtW» SanMaker sät tzessea-vassa«.

L Für den Reichstag.

1. Unsvrrsitätsproseffor Walther Schücking,

2. Wilhelm Kniest, OberinnungSmeifter, Caffel,

3. Dr. Albert Hahn, Bankdirektdr, Frankfurt 6. M*

4. Pfarrer Gottfned Rade, Geschäftsführer bei Reichs­banners Schwarzrotgold, Caffel,

5° Frl. Clara Boelzing, Telegraphenoberaffistenti«» - Caffel,

6. Dr. Ernst Leitz, Fabrikbesitzer, Wetzlar,

7. Karl Faßnacht, Fabrikant, Oberursel, -

8. Johann Heinrich Na«, Landwirt, Beltershausen^ ,

9. Ernst Rocholl, Fabrikant, Cassel-Bettenhausen,

10. Fritz Glas, Eijenbahningenieur, Frankfurt,

11. Rektor Karl Helwig, Wiesbaden,

12. LouiS Oppenheim, Fabrikant, Caffel,

13. Heinrich Knauf, Landesinspektor, Caffel,

14. Jacob Guice, Schulrat t. R., Corbach i. Waldech N

15. Karl Fuchs, Kaufmann, Diez,

16. Frau Else Epstein. Haussrau, Frankfurt a. M^ 4

17. Karl Mauk, Schlossermeister, Frankfurt a. M, Z

18. Dr. Rudolf Büttner, Rechtsanwalt, Fulda,

19. Hermann Meyer, L andesobrrwegemeister, Usmgnch

20. Rektor Wilhelm Seibert, Niederzwehren, 2L Dr. Albert Helff, Rechtsanwalt, Frankfurt a. M,

TL Für den Landtag.

1. Gastwirt Emil Goll, Frankfurt a. M.,

2. Werner Wickel, Lehrer, Heftrich i. T. sbef. Gebiet),

3. Frau Dr. Rosa Kempf, Frankfurt a. M.,

4. Bürgermeister Grun, Kirchhain,

5. Universiläisprosesior Dr.Max Deutschbein, Marburg,

6. Schulrat Paul Ufer, Dillenburg,

7. Adolf Steinmetz, Landesbankvorstand, Weilburg,

8. Frau Dora Rade, geb. Naumann, Stadtverordnete, Marburg,

9. August Steinre, Maschinenschreiner, Frankfurts. M^ Süd.

10. Dr. Vhilipp Ernst Malkomesius, Chemiker, Winkel sRhcingau),

11. Heinrich Stüber, Stadtobersckretär, Gaffel,

12 Seminaroberlehrer Küchler, Ufingen i. T.,

13 Dr. Karl Goering, AmtsgerickMrat, HosgeiSmar,

14. Spengleroberinnungsmeister Max Wurm, Frank­furt a M,

15. Fritz WakWriEèMnÄ L N , Schlüchtern,

16. Jacob Ludwig Reiser, Redaktionsfekretär, Frank­furt a M,

17. Ludwig Milbe, Lehrer, Marburg,

18. Frl. Elfe Occhlcr, Mittelschullrhrerin, Franks, a. M.

Auf beiden Stimmzetteln sowohl für den Reichs» tag wie für den Landtag siebt die List« bei

Deutschen Demokratischen Partei an 7. Stelle.

Wd.

Dur den folgenden Buchstaben sind Worte zu bUben beten Anfangsbuchstaben von oben nach unten und bereu Endbuchstaben von unten nach oben gelesen ben beherzigens­werten Satz ergeben:

Wer rettet de» Staat

Der Demokrat.

»»»»»abccddddeeeeeeee

eeehhhiklllllmmmmnnne neoorrrrrrsettttttenuw

Die Bedeutung bet Worte ist:

1. eine H'.mmelsrichtung

2. ein Mädchenname

3 deutscher Fluß

4. ein Kleidungsstück

5. ein spanischer Fluß

6. ein Teil der Kirch«

7. Teil der Scheune

8. ein Knabenname

9. ein HauSgerät

10. ein weibliches Wesen

11. Bezeichnung für Ins«!

12. Tageszeit

13 eine frühere deutsche Kolonie

14. ein Mädchenname.

Mr Deutschen haben bisher weder wahres Staats^ aefühl noch wahren Patriotismus gekannt.

Walther Rathenau.

Unser Staatsgeffchl war bestenfalls di« Freud« an einer gewissen Dstachtentfaltung, an äußeren Er­scheinungen der technischen Organisation unb Zivilisation. Watther Rathenau.

Äcraniwortlich: G. Anhäuser. Druck und Verlag bet Fraukfurter Societä-s-DrEnt^^^^H^Fränksürt^