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Nr. 3

Frankfurt a. M

3. Dezember 1924

an alle

Männer, Stauen und deutsche Jugend!

rw" Tut Eure Pflichl am 7. Dezember! Bleibet nicht daheim, wenn DeuljchlandS 3lot Euch zur Wahlurne tust Aber leget auch nicht ohne ernstes Nachdenken Euren Stimmzettel in die Wahlurne. Denn es ist wirklich nicht bloß eine PhrafederWahl- ä g i t a t i o n, wenn vor jedem Wahlrag Euch zuge­rufen wird:Diesmal geht es um Deutschlands Schicksal! Diesmal geht es um die Entscheidung darüber, was aus unserem deutschen Volke werden soll: endgültige Vernichtung, Aussaugung, Fremdherrschaft oder Wiederaufstieg und Befreiung!"

Es geht wirklich um Volk und Vaterland.

Es ist so, daß uns das Kaiserliche Regiment mit der KriegSnie-erlage und seinem Zusammenbruch in einen Abgrund hineingestürzt hat, aus dem wir müh­sam herauSklettern, und daß dabei jeder Schritt, jeder Sprung oder Klimmzug von einem Fels­block zum ander« entweder Wsturz und Tod oder einen Schritt näher zur Rettung und Freiheit bringen kann.

Es ist so, daß deshaL gerade in unserer Lage jeder Wahltag eine schicksalöschivere Entscheidung bedeutet. Haben uns nicht tausend Erfahrungender letzte « Ia hredie Wahrheit dieses Satzes gelehrt?

Und haben diese oft so bitter schmerzhaften Er­fahrungen nicht jedem Einzelnen von uns den zweiten Satz fest eingehämmert, der da lautet:

Deutschlands Not ist Deine eigene Not!

' Was wolltet Ihr von einem Geschäftsmann denken, der gleichgültig fernbliebe, uw es um das Schicksal seines eigenen Geschäftes geht? Ihr würdet ihn für verrückt ober für gewissenlos halten. Aber wie viele von uns sind bei den Entscheidungen der letzten Jahre fern geblieben! Wie viele haben nur unter dem Rausch großernationaler" Deklamationen sich an die Urne treiben lassen! Durchaus edle und tapfere Ge­fühle waren es, von denen sie sich dabei beseelen ließen. Aber nun wirds Zeit, sich klarzumachen, daß Ge­fühle allein, wo nicht Verstand und Ueberleaung ihnen zur Seite wandern, blinde und gefähr­lich e G e s e l l § n sind.

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r Noch lagert in allen Schichten unseres Volkes viel graues Elend. Mannhafte und selbstlose Hilfe tut not.» Aber s o tief, s o hoffnungslos ist die Ver­zweiflung doch nicht mehr, wie sie vor einem Jahre noch, als Ergebnis des unseligen Ruhr- !ÜrmpfeS, unser aller Herzen et füllte.

Wir ringen noch ferner, aber wir beginnen heute doch, freierzuatmen,und

wir sehen Aussicht aus Rettung.

DaS ist es, was die Deutsche Republik ae- ischaffen hat, was sie mühsam, und vorerst, wie sie selbst weiß, mangelhaft genug, herausschaffen musste aus dem Trümmerfeld, das uns ein wahnsinniges kaiserliches Regiment zurückgelüffeu hat.

Sollen wir uns dieser erste Fundament des Wiederaufbaues von den deutschnationaltu Feinden der Republik und der bis­herigen Verständigungsarbeit wieder zu- sammcnwcrfen lassen? Sollen wir dulden, daß diese erste Nettungèauèsicht wieder verschüttet werde von einem Rechtsblock, der im Innern allen Klassen« haß neu aufwühlr, der bei der Lastenverteilung ixe hinter ihm siebenden Sonderinteressen der Groß- I industrie, des Großkapitals und Großgrundbesitzes be­sonders schont und draußen die Gewaltpolitik Poincorck» wieder ans Ruder bringen I und alle begonnene Verständigung und Sicherung für Deutschland wieder zerschlagen wird?

Das sind die Fragen, um die es am 7. Dezember geht.

Unb nun: was hak sich geändert seit dem Ruhrkampf der Regierung Cuno-Helfferich?

Gebessert hat sich die außenpolitische Lage:

In Frankreich kam die Demokratie an die Herrschaft. Deutschland verhandelt in London wieder als gleich, berechtigte Macht.

Die Reparationsfrage wird nicht mehr auf dem Wege der Gewalt, sondern durch wirtschaftliche Vernunft geregelt.

Die deutsche Währung soll durch Reparationszahlungen nicht mehr zerstört werden; die alliierten Länder werde« an ihrer Erhaltung interessiert.

Deutschland bekommt ein zweijähriges Moratorium,

Deutschland bekommt 800 Millionen Reparation», anleihe; der Weg zu privatem AuSlandS« kredit ist eröffnet.

DaS Ruhrgebiet wird längstens in einem Jahr geräumt Die Räumung hat begonnen.

Im Rheinland werden die Kampfmaßnahme« abge. baut: Eilenbahnrrgie, Zollgrenze, Ver. kehrShemmnisse.

Schiedsgerichte treten an Stelle der bisherigen Gewalt. Diktate.

Gebessert hat sich die Lage im Innern.

Di« Inflation, mit ihren, furchtbaren Absturz, den wir zum guten Teil Helfferich und StinneS zu danken hatten, ist überwunden.

Feste Währung, die mit starker Hand der demokratische ReickBbankpräst^cnt Schacht erzwang, er« möglich den Ausbau der Wirtschaft.

Die Reichsfinanzen wurden rücksrcktslns in Ordnung gebracht, im ein'clncn oft ohne ans- reichende Unterscheidung und gegen demo­kratischen Rat. Das ist jetzt zu bessern.

Die Möglichkeit einer Aufwertung in verständigen Grenzen. Sie ergibt sich erst und einzig aus dieser Ordnung der Reichsfinanzen und der Währung «ns der Sicherung einer Verständigungspolitik _,

Die Gefahr des Bolschewismus kann in Deutschlaük als übcr vunoen gelten.

Hitler nnd Ludendorff sind mit ihrem Putsch gescheitert? die ganze völliskt-r Bewegung befindet such im Zustand der Zersetzung.

Preußen, unter einer Regierung der Großen Koalition, genießt seit Jahren Ruhe und Ordnung im Gegensatz zu Ländern, die unter kommun nistisckrcm Einfluß standen lSachsen, Thü­ringen), oder an deren Regierung Oie Tcutschnati analen beteiligt sind, wie Bauern, Mecklenburg und das heutig» Thüringen.

So stehen wir heute auf festerem Boden als noch im vergangenen Herbst. Den Weg,der uns so­weit geführt hat, wollen wir weites gehen.

Die Demokratische Partei hak e» abg« lehnt, aus Geheiß der Deutschnationalen und der Deutschen Volkspartei ohne fachlichen S rnnü

die Rctchsregierung zu stürze«, bk wenigstens solchen Anfang der Besserung gerbest geführt hat.

Die Demokratische Partei lehnt es ab, mit den Deutschnationalen heute in einer Regierung z» sitzen, weil sie die begonnene Verständigung mH der Außenwelt nicht leichtfertig gefährde» niH.

Die Demokratische Pa r tei hält dk« Deutschnationalen heute nicht für regierungsfähig, weil sie dasLondonerAb kommen immer bekämpft und n a ch der ReichstagSauflöfung erklärt habe«, e» weiter bekämpfen zu wollen.

Die DemokratischePartei verweigert jeb« Teilnahme an dem unfaub eren Handelsge­schäft, in welchem die deutschnationalt! F r a k t i o n am 29. August die Hälfte ihrer Stimmen verkauft hat, teils aus Angst vor dem VolkSgelichs bei Neuwahlen, teils aus Gier nach Ministersesseln.

Die Demokratische Partei verwirft die Klüngelwtrtschoft der Deutschnatio­nalen und Deutschen Volkspartei, die proklamiert haben, daß Reichskanzler und Reichsministes in wechselseitigem Schachergescbäst von den Frak­tionen des Reichstags zu bestimmen seien. Sie vev« wirft diesen UeberparlamentarismuS Hit- ter verschlossenen Türen, der unvereinbar ist mit des klaren Demokratie unserer Reichsverfassung.

Die Demokratische Partei verurteilt auf» schärfste die dauernde Störung aller sachlichen Ar­beit von Reichstag und Regierung durch die fortgesetzt«

Krisenmacherei der deutschen Volkspartei.

Die Demokratische Partei verwirft dcq sogen.Bürgerblock", der eine reaktionäre Koalition unter vorherrschendem Einfluß der Deutschnationaleq sein würde, ein .Klassenregiment der Junker mit den Kohlenmagnaten und Großkapitaliste«, bi4 hinter LtkejLMüL« Ketzer