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AUS DEM REICHE DER MODE

Saisonneuheiten,

»Ich habe nichts anzuzieyën!" diese stereotype Klage der Fran wiederholt sich bei jeder neuen Saison. Die Hüte sind zu klein oder zu groß, die Kleider zu kurz oder zu lang, der Mantel vom vorigen Jahr sieht aus wie ein ver­lassener Freund- Man braucht Neues, Neues! Und die Frauen träumen von weichen Samten und warmer Wolle, von feinen köstlichen Pelzen, in die man sich mollig einkuschelt. Die Wünsche wachsen . . wachsen. . und der Ver­sucher naht sich in den verschiedensten

Fig- 1 und verführerischstenGestalten den armen,

schwachen Frauen! Denn von allen Seiten kommen Angebote in den schönen Katalogen, in denen sich neue Toiletten um schlanke, lange Damen winden, Damen, die niemandem ähnlich sehen, die aber doch die Mode, die ganz junge, geistreiche, charmante, Mode darstellen, die im nächsten Jahre vor der dann neuen Mode dumm und lächerlich erscheinen. Aber warum an das nächste Jahr denken, wenn wir jetzt an der Schwelle des Winters stehen?!

Ob das Portemonnaie auch gut gefüllt ist? Ach, die Frauen haben gar­nicht die Absicht viel zu kaufen, aber ihre Stammutter Eva hatte auch nicht die Absicht, von dem Apfel zu essen, und sie doch I Es gibt zu viele ver­botene Früchte in den Modehäusern! Verbotene Früchte? Ja, wie den Mantel »der das Kleid, die eigentlich nur zu, Hälfte gefallen und die doch gekauft werden, weil. . . sie Mode sind! Ob die Käuferin auch sicher ist, daß diese etwas voreilige Mode nicht allzu schnell ordinär wirkt, und daß sie in einem Monat das Kleidungsstück nicht haßt, daß ihr überall, auf Schritt und Tritt begegnet?

Und noch eine andere verbotene Frucht: der Gelägenheitskauf! Man brauchte den neuen Gegenstand garnicht, aber plötzlich sah man da einen neuen Regenschirm mit ganz neuartiger Krücke, eine kleine Handtasche oder eine dicke Halskette. Und man kauft, weil es so billig ist! Gleich darauf stößt die arme schwache Eva aber aufRest," Du lieber Himmel, im Augenblick kann man den rosa Taft und die Goldspitze wohl kaum gebrauchen, aber welch wunder­baren Lamper°chi4m oder welch herr­

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liches Kissen die eines Tages mal abge­ben! Und nach vielem Hin- und Her­drehen wird der verführerische rosa Taft gekauft, in irgend eine Schublade ge­worfen und später der kleinen Tochter für ein Puppenkleid geschenkt.... Auf diese Weise wurden Geld, Zeit und Wille verschwendet! Deshalb sollten Frauen wirklich nur das kaufen, was sie brauchen!

Ach, wie sich die Damen drängen und um die Handschuhe, Schals und Reste" reißen! Die meisten von ihnen

kaufen garnichts und kehren mit leeren Fig 5

Kopf, müde und etwas traurig heim, weil sie den Luxus gestreift haben, den sie nicht mitmachen können, weil sie verbittert und eifersüchtig sind und ihre Seele noch die Spuren all der kleinen, niedrigen Leidenschaften trägt. Andere machen wieder viele Einkäufe. Und da kann man wiederum nur die Hoffnung aussprechen, daß die vielen Pakete etwas Schönheit, WohlbehaWn"sitWMMtv ins Heim bringen mögen! Denn wenn das alles in dem ungesunden Fieber großer Verkaufstage fürGelegenheiten" erstanden wurde, enthalten die Pakete meistens wahrscheinlich nur. . . Enttäuschungen!

Um das Gleichgewicht im Budget, um den Frieden im Hause nnd um inneres Glück zu erhalten, ist es vielleicht gut, auf manche verführerischen Modegenüsse zu verzichten, nicht wahr? Natürlich, eine Frau soll anmutig und reizvoll sein, aber sie soll dieSaisonneuheiten" ohne Hast, ohne den un- gesnnden Hang nach Luxus, der ihr nicht gut ansteht, begutachten und dann eventuell erstehen. Es ist nicht gut, allen Wünschen nachzugeben. Regenschirm, Handtasche und Halskette können ruhig noch etwas warten. Der rosa Taft und die Goldspitze werden gekauft, wenn man Lampenschirm und Kissen wirklich braucht. Und erst der persönliche Ge­schmack soll den Ausschlag geben, ob der Mantel-, den alle tragen, auch für einen selber paßt. Und die Frau, die allen Versuchungen gegenüber standhaft geblieben ist, die Frau kehrt vielleicht mit einem leichten, ganz leichten Paket- chen nach Hause zurück, aber auch mit einer leichten, ach, wie leichten Seele! Denn sie hat ihren Willen nicht für ein Stückchen Stofs. . . verkauft!

Fig. 2

Die abgebilöeten No-etle.

..... \ ^"*s Kostüm aus grünem Kascha. Lange, mit schwarzer Seide ge* futterte Jacke, schwarz? Kröpfe.

_ ^/P^^agen, der mit einer marineblauen, durch eine Agraffe gezogene« Samtschlerfe geschloffen wird.

3. Hübsches Kvftü n aus schwarzem Sami mit weihen Seidentreffen, weihen Kuopfen und weihem Fuchs.

4. Origineller rosa WoNkrageu mit rosa Jabot und Knopsschmuck.

5. Klassischer, herrenartig geschnittener Mantel aus dnnkelrotem Tuch mit schwarzen Knöpfen.

6. Halskette aus dicken, dunkelgrünen Holzperlen. Paffende Ohrringe.

7. Die breiten Aermelausschläge aus Biberette bilden zugleich den Muff.

8. Hut aus dunkelblauem Samt mit einem Phautafiegesteck von gleich« farbenen Hahnenfedern.

9. Reizende Toque auS schwarzem Filz mit schwarze« Panneflügel«.

10. Gürtel und Handtasche ans braunem Leder mit braunen, viereckige« Steckten,