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Aus Stadt und Land.

DerHessischen Morgenreitung" als Geleitwort von einem Interessenten mitgegeben.

Mit Freuden werden es Viele mit mir begrüßen, daß die rührige Sirma Akzidenzdruckerei Rudolf Bamberger es übernommen hat, ein 6 mal wöchentlich erscheinendes Blatt herauszugeben. _

Mit der in einem Zirkular bekannt gegebenen Tendenz wird sich jeder vernünftig denkende Mensch einverstanden erklären können.

Vieles, soll gebracht werden: keine einseitige Berichterstat­tung, die,auf irgend eine Partei zugeschnitten ist, wird den .Lesern vorgesetzt, sondern nur die reine nackte Tatsache auf je­dem Gebiet des. politischen Lebens. Das ist der Punkt, auf den die meistem Einwohner Fuldas ihr Augenmerk richten.

Der Zeitungen in unserer Heimat sind es schon viele gewe­sen: Seit der ältesten Zeitung, dem ehemaligen "Fuldaer ^freis- blatt" über denBeobachter", derGeneralanzeiger" das .Tageblatt" kam letzten Gedenkens dieFuldaer Nachrichten" und schließlich die Wiedergeburt desKreisblattes". So man­cher Zeitungsfreund hat seine Enttäuschungen erlebt, weil alle inhaltlich' nicht auf der Höhe waren.

Wir hoffen aber nun, daß wir in derHessischen Morgen- zeitung" ein Blatt bekommen, daß jedem etwas bringt, dannn bringt es wirklich viel.

Und nun zum Schluß noch eins: Möge die Firma Bamber­ger ihr Augenmerk besonders auf das äußere Gewand richten; denn von diesem hängt auch der Erfolg ab. Fulda, in dem großes Verlangen nach einer in Anhalt und Aussehen guten Zeitung herrscht, wird es ihr durch tatkräftige Unterstützung lohnen. Darum:Frisch auf zur Tat".

Wir brachten im Vorstehenden die Aeußerung eines Man­nes, der uns fern steht, der aber Fnteresse daran hat, daß un­seren Lesern etwas Gutes geboten wird. Und das soll ge­boten werden, weil die Notwendigkeit klar auf der Hand liegt. Reichhaltig im Fnhalt, streng neutral in innerer Politik, deutsch in äußeren Angelegenheiten, vornehm in der Bericht- crstauung, interessant im Feuilleton, reich an Anregungen für die Dame des Hauses, unterhaltend für unsere Fugend, lehr­reich für den sich fortbildenden Volksgenossen, launig in der Lektüre für Gebildete und Laien. So soll dieHessische Morgenzeitung" sein, und so ist sie auch.--

Und nun ihr weißen Bogen, den Anker auf und die Flagg' empor. Fahrt hinaus mit eurer Fracht und löscht sie bei de­nen, die danach Verlangen tragen. Wenn ihr auch in der er­sten Zeit noch kleine Mängel aufweist, laßt's euch nicht ver­drießen; denn ihr seid ja auf Probefahrt, und Wind und Wel­len werden die Ecken noch obschleifen.

Fhr braucht euch nicht zu schämen, wenn auch der Wind einmal etwas ungünstig wird. Dann kreuzt nur mutig an; aber fallt um Himmels Willen nicht ab. Ähr liegt auf dem rechten Kurse, der wird durchgehalten damit auch Andere ausweichen müssen!--

Voll voraus! Glückauf zur Fungsernsahrt!

Der Verlag.

Das Los brr Polizei.

DasBerliner Tageblatt" veröffentlicht in seiner Ar. 566 Ausführungen des Leiters der Polizeiabteilung im Preußi­schen Ministerium des Fnnern, Ministerialdirektors Abegg, die wir ihrer ernsten und verantwortungsbewußten Tendenz wegen für beachtenswert genug halten, um sie auch an dieser Stelle wiederzugeben:

Ein Schutzpolizeibeamter erschossen!" So meldeten dieser Tage wieder einmal die Blätter. Mehr oder minder ausführliche Schilderung des Hergangs mit dem Schluß y, Ein Schutzpolizeibeamter erschossen!" Ohne weitere Betrach­tungen ohne Aenderung, als ob etwas außerordentliches ge­schehen sei-. Nur mit der sachlichen Gewissenhaftigkeit des Chronisten wird der Vollständigkeit halber verzeichnet, daß der gefallene Oberwachtmeister verheiratet und Familienvater war. Die Zeitung hat ihre Berichtspflicht erfüllt. Die Men­ge des Stoffes duldet kein längeres Verweilen bei einer Epi­sode gerade der Millionenstadt! Eine Episode! Warum auch viel Aufhebens davon machen sind doch in den letzten fünf Fahren Hunderte von Polizeibeamten der Schutzpolizei, der Kriminalpolizei und der Landjägerei in Ausübung ihres Be­rufes ums Leben gekommen. Und immer wieder kommt diesel­be MeldungEin Schutzpolizeibeamter" gefallen!" Fast zu auf­dringlich klingt es, wie die unbequeme Mahnung an eine Schuld Halb bedauernd, halb unwillig zuckt der Leser mit den Schul­tern:Nun ja, der Mann hat seine Pflicht getan, Berufsge- führen, Betriebsunfall dafür wird der Beamte bezahlt!"

Wie ist die Wirklichkeit? Ein namenlos schwerer Beruf, schwer durch all die unzähligen Vorschriften, Be­stimmungen und Lehren, die beherrscht werden müssen schwer durch körperliche Anstrengungen und Leistungen bei Tag und Nacht, bei Wind u. Wetter schwer durch die stets drücken­de, nie nachlassende Verantwortung schwer durch die stete Gefahr für Leib und Leben. Fst damit der Leidenskelch der Polizeibeamten erschöpft? Rein, eines überwiegt all die an­deren Lasten zusammen, so unerträglich sie oft dünken; der mangelnde Dank, die mangelnde Anerkennung derer, denen der Polizeibeamte durch steten Einsatz seines Lebens ihr Hab und Gut, Leib und Leben erhält. 5mmer wird die Polizei ge­scholten immer ist sie schuld! Bei den geringsten unliebsa­men Vorkommmyen regnet es Beschwerden gegen die Polizei: Sie war nicht da, sie griff nicht ein, sie griff zu milde ein, sie packte zu scharf zu kurz, die Polizei ist schuld! Fn England tritt das Publikum von vornherein immer für den Polizeibe- amten ein bei uns ist fast ausnahmslos das Gegenteil der Fall, selbst wenn er durchaus korrekt »erfährt. Hat vollends ein Polizeibeamter, zermürbt durch die Anforderungen seines Berufs, überanstrengt, gequaa von wirtschaftlichen Sorgen, überreizt infolge der steten Erschwerung feiner Dienstpflichten durch die Öffentlichkeit tagelang ein Entrüstungssturm.

Tätlichkeiten, zu Mißhandlungen hinreißen lassen, dann braust die Oeffentlichkeit tagelang ein Entrüstungssturm.

Run ja, das darf nicht sein, es muß scharf durchgegriffen werden der schuldige Beamte wird unnachstchtlich, rücksichts­los bestraft oder entlassen! Doch sind die Verfehlungen wirk­lich so häufig? Verschwindet nicht die Zahl solcher Vorkomm­nist? völlig gegenüber der Zabl der Polizeibsamten, gegenüber ' . s '' unr " ''' l '

des politischen und wirtschaftlichen Drucks steht der Staat fe­ster denn je, die Wirtschaft hebt sich und ein jeder im Lande kann seinem Beruf, seinem Erwerb ruhig und unbesorgt nach- gehen. Wer hat dies Werk so fest gefügt in all dem Elend? Rächst den leitenden M ä n 11 e r n u ufere Poli- zeibcamtenl Sollte da der immer wiederkehrende Be­weis, daß sie mit ihrem Leben opferbereit das aller anderen schützen, nicht eine Mahnung sein, ihnen, sei es auch ohne lau­te Aeußerung, steten Dank zu wissen, Nachsicht zu üben, wenn Verfehlungen zutage treten?Ein Polizeibeamter erschossen!' Ein erschütterndes Los, zu fallen von der Hand ei­nes Volksgenossen, mitten im Frieden, unvorbereitet für Weib und Kind, die in Kummer und Sorgen Zurückbleiben. Wer je eine solche Todesmeldung gelesen hat und wieder ließt, der mö­ge an seiner Stelle, mit seinen Kräften den Polizeibeamten helfen, wo es auch sei, der soll sie fördern aus ihrer wirlschaft- Not zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit, dèr möge sie vot al­lein achten und ehren. Fe mehr das geschieht, umso mehr wird der Ploizeibeamte dem Fdeal entsprechen, das man von einem solchen hat.

Fulda im Zeichen der Weihnachtszeit. Ein Gang am Sonn­tag Nachmittag und Abend durch die Straßen unserer Stadt war für jeden Passanten der Beweis einer weiteren Steiger­ung der Kurve der gewerblichen Leistungsfähigkeit. Die Licht­fülle der vielen Beleuchtungkörper war in der freigebigsten Weise über die ausgestellten Gegenstände ausgestreut, die künst­lerische Aufmachung der Auslagen, die Fülle des Gebotenen der erlesene Geschmack legten Zeugnis ab von der Wiederer­starkung unseres Wirtschaftslebens und regte die vielen Um­herwandelnden, die da und dort stehen blieben und schauten, zum Vergleich an, ob sie hier etwas der Großstadt gegenüber vermißten. Die seit dem Vorjahre wesentlich verbesserte Kauf­kraft des Publikums wird sicherlich auch der hiesigen Geschäfts weit die aufgewandte Mühe .Putten und einsehen, daß der Be­such der Großstadt zwecklos ist, um dort seine Einkäufe zu tä­tigen, weil man hier alles ebenso gut und billig bekommt.

Fortschritte sind zu verzeichnen in der inneren und auswär­tigen Politik. Wem verdankt sie das deutsche Volk? Gewiß nicht den extremensten recht und linken Flügelparteien, die nur fruchtlose, ?. T. kindische Opposition treiben. Das deutsche Volk wird nicht gesunden, wenn es nach völkischerTat" das Wort deutsch künftig nur noch mit großem Anfangsbuchstaben schrei­ben wird. Es kann nicht gesunden durch die zersetzende Hetze der Deutschuationalen, die getreulich ihren Vorfahren, den Funkern zur Feit des Freiherr» von Stein, den Wiederaufbau zu verhindern suchen, indem sie Führer und Symbole unserer jungen Republik mit Kot bewerfen. Fhre Parteianhänger im Osten brachten Millionen auf, um das militärische Banditen­tum in Bägern zu verproviantieren und auszurüstev, während deutsche Frauen und Kinder hungerten oder für sie das Aus­land sorgte! (Quäker.) Die Politik zu der sich'-Stresemann jetzt bekennt, doch nicht alle seine Zraktloülsfrtzun^ jeher die wahrhast nationale Realpolitik der DcMchen- moKraten!

Für den Demokraten gab es kein Zusammengehen mit dèn Deutschuationalen gegen die Sozialdemokraten im Hinblick auf die auswärtige Politik, da eine Halbundhalbpartei keine Ge­währ zu bieten vermag; zudem waren ihre Ministerkandidaten durchweg Neinsager, also Verneiner der bisherigen Politik. Die Demokraten konnten nicht mit den deutschuationalen Zusammenarbeiten, weil das Schicksal unserer jungen Republik, damit aufs Spiel gesetzt würde. Den aus der versuchten Ein­beziehung der Deutschnationalen entstehenden Bürgerblock ver­weigerten sich die Demokraten, weil dadurch tatsächlich unser Volk in Besitzende undnIZesitzloso gespalten worden wäre. Die Lasten des verlorenen Krieges einseitig auf andere wälzen schlägt dem Gerechtigkeitsgefühl geradezu ins Gesicht. Ein Zusammengehen in einem sogenannten Bürgerblock mit den Deutschuationalen, derenBanner zwar niemals schwankte", war somit letzten Endes eine Gesinnungsfrage für die Demo­kraten.

Der minutenlange Beifall bezeugte dem Redner, daß man mit der bisherigen Politik der Deutschen Demokratisches- Fraktion einmütig zufrieden war und ließ die Hoffnung berechtigt er-. scheinen, daß noch recht viel frisches Leben in dersterbenden" Partei vorhanden ist, und daß am 7. Dezember aus derklei­nen aber mächtigen Partei" eine größere und mächtige erstehen wird. Als Diskussionsredner sorgte ein Kommunist für den Humor, als er seine utopischen und ;. T. unverstandenen Ent­gegnungen vorbrachte.

macht vvr den Schranken der Konvention vor den Mauern ei­ner sozialen Stellung. Volksgunst und Hofgunst sind die stei­len und gefährliche Gipfel in der Berglandschaft des Lebens. Wer sie erklimmt und bezwingt, hat zwar Großes erreicht, aber nie noch ist jemand heil von diesem einsamen Bergwego zurllck- gekommen.

Vürgerverein Fulda. Dienstag, den 2. Dezember, abends 8 Uhr findet eine wichtige Generalversammlung statt, worauf an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht werden soll. Der Vorstand erwartet zahlreiche Beteiligung.

Aeziiatiousavend Dr. Helene Fernau.

Schon heute machen wir die Freunde och ter.,Kunst auf den am Freitag, den 5. De ; ember, in der Aula des Gymnasiums stattfindenden RezitationsabendF r 0 h-

-J^^U-b^-r-mlf n 9V«1 U.^otim.1- h .937 ^«. >»U_ ^ iiiilf i- , liebst bekannten Dozentin für Vortragskunst in Berlin und Wien, Dr. HeleneFernau, aufmerksam. Schon im ver­gangenen Fahre hat Helene Fernau mit größtem Erfolge hier gesprochen und einen Beweis ihres wirklichen Könnens abge­legt. Die Künstlerin kehrt soeben von einer achtmonatlichen Vortragsreise zurück, die sie durch das Fnnere Brasiliens, durch Uruguay, Argentinien und Chile also durch fast ganz Süd-Amerika führte, und die in der Hauptsache d^m deutschen Kulturgedanken, der Fdee der geistigen Verknüpfung und Wiedervereinigung unserer fernen Landsleute mit ihrem Mutterlande und der Weckung des Fnteresses der Liebe zu un­serer Muttersprache und damit zu unserem Volkstum durch Vorträge deutscher Dichtungen diente. Zahlreiche glänzende Kritiken südamerikanischer Zeitungen zeigen, welche große Freude und Begeisterung Helene Fernau auch dort durch ihre künstlerisch auf höchster Stufe stehenden Vorträge ausge­löst hat. So ist zu erwarten, daß der bevorstehende Abend in Fulda der Künstlerin einen vollen Erfolg und den Besuchern eine Stunde wahrer immer Erhebung und reinster Freude brin­gen wird. Der Vorverkauf der als Eintrittskarten gelten­den Programme zu Mark 1,10 (inkl. Steuer) für Erwachsene und MK. 0,60 für Schüler findet statt in der Reinhard- s ch e n B u ch h a n d l u n g. Gleichzeitig machen wir auf den am Donnerstag, den 4. Dezember, nachmittags einhalbdrei Uhr im Kino (Giesels Saal) stattfindenden Lichtbildervortrag aufmerksam, den Helene Fer­nau mit musikalischen Darbietungen chilenischer Volks­lieder und einer Ausstellung indianischer Webereien und Schmucksachen verbinden wird. Sie wird über ihre süd- amerikanischen ReiseeindrUcke, Erlebnisse und Erfahr­ungen sprechen. Bei ihrer bekannten packenden Erzählungs- Kunst verspricht auch dieser Vortrag kulturkundlich und künst­lerisch hochinteressant zu werden.

Deutschnationale Volkspartei. Die erweiterte Vorstands­sitzung findet nicht Dienstag sondern Mittwoch abends 8.30 Uhr im Evangelischen Vereinshause statt.

3. Künstlerkonzert des Konzertvereins Cäcilia Museum.

Walter Rehberg ist auf seiner Kunstreise auch nach Fulda gekommen und hat hier einen großen Erfolg gehabt. Ue­ber vorwiegend virtuose Seligkeiten hinaus entwickelt die­ser Pianist das eigentlich Bedeutsame, das erst den großen Künstler kennzeichnet: das Gestalten. Fn eines fließen hier klingende Form und geistig musikalischer Fnhalt. So erwies sichs im Verlauf des Abends, dessen Programm von Schu­bert über Mendelssohn und Mozart bis zu Brahms reichte. Mit überlegener Technik wußte Walter Rehberg sich besonders in die Ausgestaltung der zarten lyri­schen Stücke Me.ndels 0 hns zu versenken, indes den stärk­sten Eindruck der opus 24 von Brahms:Variationen und Zuge über ein Thema von Handel" machte. Dieses reizvolle Werk eines gefühlsstarken Musikers stattete der Pianist mit voller Hingabe und souveränem Können aus. Fn solcher Wie­dergabe zählt es zu den unvergeßlichsten Eindrücken, die dieser Konzertwinter uns bis jetzt vermittelt hat. B-r.

Filmschau. Centraltheater.Die Liebe einer Kö­nigin". Dänemark zur Zeit Christians 7. und seines verrotte­ten Hofstaalse, dazu die Königin-Wwitwe Fuliane, reich an Intriguen und voll bodenlosen Ehrgeizes. Fhr gegenüber steht di? I 'j; ? Lrü' Asin r ., -f:.:-) M ' A?. die C.mr/'in

Sittsefmlbt von den Partmo.

(Ohne Verantwortung der Redaktion.)

Die Deutsche Demokratische Partei, Orts­gruppe Fuida, hielt Sonntag abend ihre erste öffentliche Wahlversammlung ab. Der große Saal des evangelischen Ge­meindehauses war bis auf den letzten Platz von Mitgliedern und Freunden der Partei gefüllt. Nach einem kurzen Begrüß­ungswort durch den Vorsitzenden Herrn Rechtsanwalt und No­tar Dr. Büttner nahm der Referent des Abends, Herr Professor Walter 5 ch ü ck i n g, der Reichstagsspitzenkan- didat unseres Wahlkreises, das Wort zu folgenden klaren und inhaltsreichen Ausführungen:

Die bisherigen Regierungsparteien, zu denen auch die klei­ne-aber mächtige Partei (ein gegnerisches Vorurteil) der De­mokraten gehört, haben in ihrer Politikführung erreicht, daß die Ruhr frei wurde, die Regiebahnen wurden in deutsche Hand MMZegebei;; van den J 40 000 Ausgewiesenen konnten alle bis auf 12 an ihren Wirkungsplatz, in ihre Heimat, zurUck- kehren; die 600 Deutschen, die in französischen Gefängnissen einer oft lebenslänglichen Freiheitsstrafe entgegen schmachteten, sind wieder frtnr T^ ^»,;^^u-^t----- ^H^.::^.^

Regierung gegen Deutsche anhängig gemacht wordèn waren, sind eingestellt worden. Die vor Fahresfrist geschaffene Ren­tenmark ist mit größter Anstrengung gehalten worden. Wir sind jetzt soweit, in unseren neuen Reichsbanknoten wieder ein vollwertiges auch internationales Zahlungsmittel zu ha­ben, wobei der Demokrat Reichsbankpräsident Dr. S ch a ch t hervorragende Arbeit geleistet hat. Während vor einem Fahr die Einnahmen des Reiches nur einhundertfünfzigstel der Aus­gaben betrugen, haben wir heute nicht nur die Bilanz im Reichshaushalt hergestellt, sondern in der letzten Monaten Ok­tober, November sogar einen Ueberschuß von 38 Millionen Goldmark erzielt. Man kann nach diesem großen Fortschritt setzt daran gehen, das ;. T. brutale Steuersystem in erträglich Bahnen umzustellen. Die Aufbesserung der Beamtengehälter die durchaus für die unteren und mittleren Gruppen nicht aus­reichend ist, wird voraussichtlich in Bcuoe eine Berichtigung erfahren, denn die Lebenshaltung ist heute immer noch prozen­tual höher, als sie es vor dem Kriege zum Gehalt und Lohn war. Die Teuerung erstreckt sich, das wollen wir nicht ver­gessen, auch über die Länder der Sieger. Die Preise ergeben sich im freien Handel aus Angebot und Nachfrage. Die Po­litik der Gewalt, die uns den vierjährigen männerermorden- den Krieg brachte, Hot Millionen von Männer von der werte­schaffenden Produktion der Güter ferngehalten und 10 Mil­lionen Männern das Leben gekostet. Daß jetzt Mangel an wirtschaftlichen Gütern und daher eine Teuerung in allen Län­dern Europas besteht, darf nicht Wunder nehmen. Der Versackungspolitik, die uns beinahe unser Rheinland gekostet hätte, hat die demokratische Fraktion den entschiedensten Wi­derstand entgegengesetzt. Wäre man dem Volksparteiler Dr. Carres gefolgt, so hätten wir Rhein und Ruhr für immer auf­gegeben, ein ungeheuerlicher Gedanke. An Arbeitslosen ha- ben wir heute nur noch den zehnten Teil wie vor Fahresfrist, etwa 250 000, England hat etwa eineinhalb Millionen; das Elend desSiegers steht also dem unftigen nicht nach. Der französische Sparer hat heute auch schon dreiviertel seines Vermögens verloren, da der französische Franken nur noch 20 Pfennig Wert hat. Es ist bequem aber verantwortungslos unsern Sparern und Rentnern weitgehende Aufwertung im Wahlkampf zu versprechen. Wir haben Beweise dafür, daß die einzelnen Fnteressenvertreter sogar soweit gingen auf der einen beite von hundertprozentiger Aufwertung zu sprechen, um gleich darauf eine Aufwertung ländlicher Hypotheken rund­weg abzulehnen, da es dabei wohl an den eigenen Geldbeutel ging. Aufgewertet werden müssen alle Hypotheken und Obli­gationen, für die der Goldwert heute noch in Gestalt von Häu­sern, Grundstücken, wirtschaftlichen Einrichtungen (z. B. städt. Gaswerk, Straßenbahn usw.) vorhanden ist. Am schwierigsten ist die Aufwertung der Reichspapiere. Man kann leicht sa­gen, eine wenigstens 1 prozentige Verzinsung müsse heraus- kommen, wenn man sich weiter keine Gedanken darüber macht wo die dazu erforderuchen 600 Millionen Herkommen sollen. Etwa durch neue Steuern zu den alten? Die demokratische Fraktion wies einen gangbaren Weg: Wir haben heute immer "och Leute, die ihren Besitz von 1914 nicht nur erhalten, son- bern ihn in den letzten 10 Fahren noch bedeutend vermehrt ha­ben. Wo immer der Beweis einer Vermögensvermehrung in den letzten 10 Fahren erbracht ist, da gilt es zuzugreifen dPter.w ? pH> 'Mäkncchm.'n d's RA'