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Aul-aer Kreisblatt, Anzeiger für Rhön un- Vogelsberg, Futta und Haunetal

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Dienstag, den 2. Dezember 1921

1. Jahrgang.

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Das Neueste. (

Rom, 30. Nov. Die Regierung hat beschlossen vtetmT^

auf Staatskosten beerdigen zu lassen. Mussolini verständigte den italienischen Botschafter in Brüssel in diesem Sinne und beauftragte ihn mit der Vertretung der Regierung bei den Beisetzungsfeierlichkeiten.

Rom, 30. Nov. Am Schluß der gestrigen Kammersitzung verkündete Mussolini den Tod Puccinis und knüpfte hieran die Worte, daß der Eod Puccinis nicht nur das italienische Volk, sondern die ganze zivilisierte Welt mit Erauer erfülle. Er sagte dann weiter: Es ist jetzt nicht die Stunde, um über die Ver­dienste und den erhabenen Wert der Schöpfungen Puccinis zu sprechen. Es ist sicher, daß in der Geschichte der Musik der italienische Geist eine überragende Stellung einnimmt. Vor ei­nigen Monaten bewarb Puccini sich um eine Karte für die fa­schistische Partei. Ueber dieses Zeichen der Anhängerschaft hinaus wird man heute in ihm den Meister, Musiker und Kom­ponisten ehren. Seine Musik bewegte die Gemjiter von Gene­rationen. Sie kann nicht vergessen werden, weil auch der ita­lienische Geist nicht vergehen kann. Darauf forderte Musso­lini die Kammer als Vertreterin des italienischen Volkes auf, sich zum Zeichen der Erauer und des Gedächtnisses für diesen erhabenen Geist von den Plätzen zu erheben. Zahlreiche Ab­geordnete nahmen an der Kundgebung teil. Am Schluß feierte der Präsident der Kammer das Andenken Puccinis. Er hob hervor, daß Puccini den melodienreichen italienischen Gesang in die entferntesten Länder der Welt getragen habe und daß die Erinnerung an den Verstorbenen ewig im Herzen aller leben werde. Die Kammer beschloß, der Samiiie Puccinis und der Stadt Lucca Beileidstelegramme zu senden.

Paris, 30. Nov. Wie die Ere Nouvelle mitteilt, wird die auf der Londoner Konferenz beschlossene Konferenz der alliier-

ten Sinunjiniaifter, deren Ardeile«» jetzt durch sschvrrPänÄgr-' der Alliierten geprüft werden, am 15. 12. in Paris zusammen­treten. Es steht fest, daß Grohbritanien durch Winston Ehur- chill vertreten sein werde. Die drei wichtigsten Fragen, die er­örtert würden, seien: die Forderung Amerikas, an der Ver-

teilung der deuijchen Zahlungen teilnehmen zu können, die Re­gelung des Ertrages der Ruhrbesetzung und die Aufstellung ei­nes Budgets für die erste nach dem Dawesplan sättige Sahres- rchlung.

Paris, 30. Nov. Wie die Agence Havas aus Peking mel­det, haben, wie man glaube, zu der Flucht des jungen Exkai­sers in die japanische Gesandtschaft die Gerüchte Anlaß ge­geben, nach denen Song Iu-Hsiang beabsichtige, in Peking Un­ruhen zu erregen. Wenn man diesen Gerüchten Glauben schen­ken könne, sei die Sicherheit von Eschang Tso-Lin und Euan Schi-<Zui bedroht und die Wiederübernahme der Negierungs­gewalt in Peking durch Seng Zsu-Hsiang nahezu gewiß. 3n diesem Falle sei der junge Exkaiser in großer Gefahr.

Paris, 30. Nov. Havas berichtet aus La Eoruna: Zwei Zifcherbarken sind in der Nähe des Hafens untergegangen. 14 Wann der Besatzung sind umgekommen.

Berlin, 30. Nov. Wie der hiesige Verband bulgarischer Sournalisten aus Belgrad erfährt, ist in Agram der Zührer der republikanischen Bauernpartei verhaftet worden. Die Ver­haftung brachte große Erregung in die Reihen der republika­nischen Bauernpartei.

Paris, 30. Nov. Havas berichtet aus Eunis: Drei Zührer der Eingeborenen sind gestern nach Paris abgereist, um vor der Kommission, die Herriot eingesetzt hat und deren Absicht da­rin besteht, Reformen für Eunis vorzuschlagen, die Forderun- gen ihrer Partei zu vertreten. Einer der Führer der Einge­borenen wèilt bereits in Paris,

Die neue Motte in Mn.

Köln, 30. Nov. Sn Gegenwart einer großen Zahl gela- densr Gäste, darunter Vertreter der kirchlichen, staatlichen und städtischen Behörden und unter Teilnahme einer riesigen Men- schenmenge fand heute Vormittag 10 Uhr vor dem festlich ge- nmuckten Hauptportal des Domes die kirchliche Weihe der neuen St. Petersglocke durch den Erzbischof Kardinal Dr. ^ mime statt. Die Glocke wurde aus Beiträgen der deutschen Reichsrogierung und privater Stifter als Ersatz für die im Kriege abgebaute Kaiserglocke beschafft. Bei der Weihe hielt Kardinal Dr. Schulte die Ansprache, in der er u. a. betonte, oaj? auch die neue Petersglocke gleich der -Kaiserglocke das Sgmbol der Einheit des deutschen Volkes und ein Sinnbild des endlich wieder erlangten Friedens und der Völkerversöhnung sein solle. Vom Kölner Dom am deutschen Rhein solle sie Lie­de, Freiheit und Zrieden läuten, damit Wohlergehen auf Er- ven allen guten Menschen werde. Am hl. Weihnachtsabend vor e zum ersten Mal ihre gewaltige Stimme erschallen mit frohen Zriedensbotschast an die Welt.

Wie heißt unser neuer Roman?

I WKW MIM«

Man soll auch die Wahlbewegung als Teil eines Ganzen begreifen. Mit Schelten auf die politische Unbegabtheit der Volksgenossen soweit sie anders denken natürlich bla­miert man sich schließlich nur selbst. Nein, es geht alles ganz natürlich zu. Die seelische Depression nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges mußte sich in einem Linksruck dokumen­tieren; Scham und Zorn über zuviel Selbsterniedrigung und fremde Demütigung mußten den Rechtsruck gebären. Eben­so selostverständlich war das Anwachsen der oppositionellen Slügelparteien, da die Enttäuschung über die geringen Erfolge der Regierungsparteien nicht ausbleiben konnte. Seitdem aber die Inflation beseitigt, die Unsicherheit im Innern leidlich behoben, der Ruhrkampf eingestellt ist, beginnt allmählich das Zurückströmen zur Mitte.

Die Maiwahlen kamen zu früh, um diese gesundeNenk- tion, die dem zuständigen politischen Sinn des deutschen Volks ein durchaus gutes Zeugnis ausstellt, zum Ausdruck zu bringen. Die Deutsche Volkspartei hatte erst vor einem hal­ben Sahr den Uebergang von der Opposition zur Regierung vollzogen, so daß sie von dem Wahlkampf zu sehr ungünstiger Zeit betroffen wurde; den Sozialdemokraten hingen noch ihre RegierungsfUnden an, und Poincare regierte noch. Da­raus sogen die Kommunisten wie die Rechtsparteien Honig; die Völkischen waren neu und parodierten mit Ludendorff. Wieviel hat sich in dem einen Halbjahr geändertl Sn Frank- reich kam Herriot ans Ruder, der Abbau der Gewaltpoli­tik und der Aufbau der Wirtschaftspolitik begann. Dawes­plan und Londoner Pakt brachten die ersehnte Atempause. Aus alledem ergab sich ein so zwingender Zug von der reirrre- gierenden Opposition weg nach der regierenden Mitte zu, daß die Deutschnattonalen sich ihm nicht entziehen konnten. Aber der erste Anlauf mißlang, die Neuwahl wurde voy der Linken erzwungen und trifft nun allerdings die Deutschnationalen in

dem allerungünstigsten Zeitpunkt. Zast alle Parteien, die mit­regieren wollten das Wollen ist immer auch ein Müssen haben Mandatsverluste zu erleiden gehabt. Die Deulschnatto- nalen werden sich damit trösten dürfen, daß später der Zustrom wieder einsetzt.

Voraussetzung dafür ist freilich, daß die Parteien die gro­ßen natürlichen Stimmungsreaktionen, die wir oben anzudeu­ten versuchten, beachten und in sich aufnehmen. Der Fehler, der aus der großen demokratischen Partei eine sehr kleine gemacht hat, lag doch in der Vernachlässigung der nationalen Wiedergeburt unseres Volkes. Setzt mag ihr Herriot einige Mandate zurückbringen, aber im großen Ganzen sind doch die Deutschen zu einer bei aller Besonnenheit festeren Haltung gelangt, als der PazifistenflUgel der Demokraten der jetzt die Partei beherrscht, sie ausweisen kann. Auch ein großer Eeil des Zentrums (ob es aber auch die von ihnen Gewählten tun ? ?) hält sich in dieser Linie und die deutschnationale Partei­leitung hat mit ihrergemischten" Reichsliste, die eigentlich die Sasager bevorzugt, deutlich genug gezeigt, daß sie trotz alledem das Heil auf dem Weg zur Mitte sucht. Wahlreden darf man nicht auf die Goldwagen legen. Die Nationalsozialisten und die Kommunisten aber, denen der Anschluß an die Mitte oer- sperrt ist, werden aller Voraussicht nach endgültig den Lohn für ihre Blech-Politik erhalten.

Der völkische Mauerbrecher. Es gibt radikale Naturen, die nur ganz links oder ganz rechts stehen können. Herr Mau­erbrecher, der geistvolle Eheologe, der als Linkssozialist die be­rüchtigteHohenzollernlegende" geschrieben hat, war zum Paulus, d. h. zum Ehesredokteur derDeutschen Zeitung" geworden. Aber auch die genügten seinen radikalen Ansprü­chen noch nicht. Er legte kürzlich die Leitung des Blattes, das den alldeutschen Verband und den völkischen Zlügel der Deutschnationalen vertritt, nieder und veröffentlicht nun im Deutschen Eageblatt" eine Aufforderung an seine Freunde und Verehrer, bei der bevorstehenden Wahl für die national­sozialistische Liste zu stimmen. Diese Entwicklung des nichts als radikalen Geistes ist folgerichtig. Bemerkenswert ist der Aufruf nur insofern, als er die erste öffentliche Opposition aus bisher deutschnationalen Kreisen gegen die Reicysliste der Partei enthält, die ja zum mindesten paritätisch die Sasager ' nd die Neinsager berücksichtigt, eigentlich wohl jene bevor­zugt. Der ^rechte Flügel hat aber Disziplin gewahrt und die Deutsche Zeitung" hat geschwiegen. Herrn Maurenbrecher Schmalz wird den wässirigen Kohl der Nationalsozialisten nicht fett machen.

Unteroffizier Severing. Der preußische Minister des Sn- nern, Herr Severing, rügt den Oberbürgermeister von Pots­dam weil er sich in der Angelegenheit dos französischen Pazi­fisten Basch direkt an das Reich gewendet habe. Das Schrei­ben erinnert an die seligen Zeiten des Unteroffijierfones. 3n- halt und Ton lassen in keiner Weise ahnen, daß ein Beamter der Selbstverwaltung garnicht direkt der ministeriellen Macht­befugnis unterstellt ist. Wenn ein Sozialdemokrat vonNach­geordneten Behörden" sprechen zu können glaubt, dann pfeift er auf die ganze Selbstverwaltung. Verschärft wird die Rüge durch ihre Wi^ffentlichung im amtlichen preußischen Presse­dienst. War nötig? Ueber Maßnahmen des Ministers gegen sozialdemokratische Landräte, die sich nicht immer als

stubenrein erwiesen haben, hat man dort nie etwas gelesen. Aber der Oberbürgermeister von Potsdam steht ja auch rechts. Herr Severing macht durch solche Maßnahmen manchen beut-: sehen und preußischen Bürger darauf aufmerksam, daß er in der nächsten Zeit Gelegenheit hat, derartige Inhaber von Mi­nisterseelen für immer verschwinden zu lassen.

Mischen Leben und Sterben.

Nicht sterben können, aber auch nicht leben das ist der bezeichnendste Ausdruck für die heutige Lage des Faschismus. Auch für Mussolini lebt heute der Faschismus eigentlich nicht mehr, denn die Schwarzhemden, die sich mit Dolchen, Karabi­nern und Handgranaten in der Provinz wichtig machen, der ordnungsliebenden Bevölkerung immer stärker auf die Ner­ven fallen, stellen nicht die nationale Reformpartei dar, als die Mussolini sichseine" Faschisten gedacht hatte. Er hat ihnen das in seiner letzten großen Kammerrede, die eigentlich eine Entschuldigungsrede vor der nicht anwesenden Opposition und vor dem Lande war, deutlich gesagt. Aber alle Reden Mus­solinis sind nutzlos. Die Faschisten in der Provinz erwidern dem Ministerpräsidenten:Da hast gut reden. Du sitzt in dei­nem Palais, wo niemand dich bedrohtl Polizei und treuerge­bene Genossen beschützen dein Leben. Aber wir? Wenn wir unsere Dolche, Karabiner, Handgranaten weglegen dann wird die Bevölkerung uns an die Laternenpfähle knüpfen. Wir verteidigen unser Leben. Tatsächlich ist es so. Das Volk hat die Schwarzhemden über, ja es haßt sie und der Faschis­mus hat so viel Gewalttaten auf dem Kerbholz, daß die Fa­schisten, wenn es einmal zu einem Ausbruch der Volkswut kommt, für ihr Leben bangen müssen. ^

Es ist also eitel ölluffion, wenn Mussolini glaubt glaubt er es denn? seine Anhänger durch Ueberredung in fried­liche Lämmer umwandeln zu können. Welche Rolle der Schöpfer des Faschismus einmal in der Geschichte spielen wird? Kaum die, die seine Bewunderer ihm vor zwei wahren beimaßen, des starken Mannes, der die Nation aus den Ge­leisen eines routinierten und korrupten Parlamentarismus auf die Bahn fachlichen Strebens und Arbeitens hinaus führt. Daß er den Willen gehabt hat, mag nicht bestritten werden. 3n den Mitteln hat er sich jedenfalls radikal vergriffen und wenn man das wenige sieht, was erreicht worden ist, der pünktlichere Gang der EisenbahnzUge wird immer wieder als faschistische Hauptleistung angeführt so kann man wirklich nur ausrufen: Und darum Räuber und Mörder?ll Ein Ma­ximum von Mitteln ist an ein Minimum von Erreichtem ver­schwendet worden, während die wirkliche Größe des Staats-, mannes, die auch ein formell unästhetisches Handeln ethisiert, darin besteht, schöpferisch das Höchste mit dem geringsten Auf­wand von Kraft, Materie, Blut und Gut des Volkes zu er­ringen. Mussolini ist bei allem guten Willen, bei aller hinrei­ßenden Rhetorik und Pathetik, die auch noch heute ihm per­sönlich die Sympathie der Menschen gewinnt, doch nur ein großer Versager, ein Beweis dafür, daß der große Mann nicht das Volk, das ganze Volk ersetzten kann und daß alle Versuche, das Volk durch eine noch so gut organisierte Mino­rität bezwingen zu wollen zum Scheitern verdammt sind. Der Faschismus stirbt daran, daß er keinen Boden im Volke hat. Durch die Fälschung des Wahlresultats vermittelt des Knifflich ersonnenen Systems kannn man den Faschismus nicht im Volk einwurzeln. Die Minorität beherrscht trotz alledem heute die Lage, denn Volk und Ausland wissen, daß sie bei freien Wahlen die Majorität wäre. Wenn die Minorität fest bleibt, sich nicht bewegen läßt, in dieses gefälschte Parlament einzutreten, so schmilzt die Kammer Mussolinis, und mag sie ihm noch so viel Vertrauensvoten spenden, zum einflußlosen Rumpfparlament zusammen. Vom Faschismus kommt Mussolini nicht mehr los. Seine Anhänger zwingen ibn, die falsche Dahn, die er beschritten hat, weiter zu gehen. So wird Mussolini im besten Fall als eine tragische Gestalt vor der Geschichte stehen.

An äußeren Erfolgen hat Mussolinis Politik in der leb­ten Politik in der letzten Zeit nichts aufzuweisen gehabt. Aus Tripolis druckt man nur Siegesnachrichten. Daß die KUsten- stadt Sirte verloren gegangen war, hatte man nirgends gele-: fen. Daß es gelungen ist, sie wieder zu erobern ließ man als großen Sieg. Immerhin fragt sich das vernüftig denkende Publikum: wie muß es stehen, wenn man nicht einmal der Kü­ste sicher ist? Mit der Expedition nach Tripolis begann in Wahrheit der Weltkrieg. Als die Italiener nicht mehr aus noch ein wußten, hetzte Tittoni (durch dem mit barem Geld bestochenen ösroolski) der Türkei die Valkanvölker auf den Hals. So schuf man das größere Serbien, die Todesgefahr für Oesterreich-Ungarn. Für wie Anlässe zum Weltkrieg brauchte man nun nicht mehr zu sorgen. Wo man so viel Pul­ver aufgestapelt hatte, fand sich eines Tages der Funke von selbst. Italien leidet heute chronisch unter seiner Erwerbung von Tripolis. Diese afrikanische Kolonie ist der wunde und faule Punkt, von dem man nicht gerne spricht. Aber di^ Wunde brennt und schwärt. < . .

Liebe kleine Limokoal