■ Geneigter Leser!
8^5 Er gegenwärtige Zustand des menschlichen Geschlechts ist so beschaffen/ daß ein Mensch/ er mag in einem Stand stehcn/worinnen er will/ des andern nicht g\ I immer entbehren kan / sondern seines Raths und Umgangs / oder seiner Hülffe \ und seines Beystands entweder zu seiner Nochdurfft/ oder zu seinem Vcrgnü- Y\V) gen dann und wann nöthighat / wann er anders als ein vernünfftiger Menschen .. dieser Welt leben/ und sich nicht selbst unglücklich machen will Cshat auch ' der gütige Scköpffer/ welcher des Menschen Glückscrligkcit suchet/ es so weißlich geordnet/ daß er von seinen Gaben und Gütern keinem Menschen alles allein anvertrauet/ sondern einem jeden nur ein gewisses Maas davon mitgctheilct hat/ damit die Menschen desto besser in der -Ordnung erhalten/ und aus Erkäntnuß ihres Mangels darzu gebracht würden/ daß einer dem andern/ als von einem Stamm absprosscnde Zwciae / in seiner Bcdurffnuß mit Rath . und That beystünde/ und also/ so viel an ihm/ seines Neben-Menschen zeitliche Glückseelig« keit zu befördern suchte. Wie nun die Erkäntnuß dessen/ daß ein Mensch vo'N den Gaben und Gütern Gottes nicht alles allein •/ und dergestalt besitze / daß er seines Neben - Menschen zu seiner Glückfeeligkest gar nicht brauche/ die Menschen bewogen/ sichln gewisse Gesellschaff- tenzu begeben/ damitcincr dem andern desto füglicher in seinem Mangel Helffen'könnc; So ist zwar diescausserlicheZusammenfügung einguter Grundzu Erlangung der zeitlichen Glück- sccligkeit; allein es erreichet doch dieselbe den Zweck der bürgerlichen Gesellschafft noch nicht/ oder nicht so völlig/ wo nicht dabey solche Anstalten gemacht werden/ welche ein und die an- dcreVortheileundGcmächlichkeitenandieHand geben/ wodurch ein Mensch den andern desto eher und befferin seinem Mangel und Bedürffnuß beyspringen könne. Aus dieser Absicht scyndaus dcrgrössen bürgerlichen Gesellschafft andere kleinerc^ntstanden/ worunter die Ge- ftllschafftdcr Kauffleute und Handwcrckcr billig oben an stehet.
Gleichwie nun auch der Mangel / womit das menschliche Geschlecht nach Gottes Absicht < und Weisheit beleget ist/ sich darinnen zeiget/ daß die Anstalten und Ordnungen/ welche die Menschen zu Beförderung ihrer zeitlichen Glückseesigkeit ersonnen und eingerichtet/ nicht gleich bey ihrem ersten Ursprung in ihrer höchsten Vollkommenheit da Mm / sondern nach und nach können und müssen verbessert werden/ wann sie der bürgerlichen Gesellschafft ihren reck- Len Nutzen verschaffen sollen r also wird hoffentlich niemand inZwciffcl ziehen/ daß der Kauffmannschafft (welche mit Kauffen undVerkauffcn /. mit Leylen und Lehnen/ und andern der» gleichenzumDicnst des Menschen / und dessen zeitlicher Glückseeligkeit gereichenden Hmd- hingen umgehet / und worunter eigentlich das gantze menschliche Geschlecht gehöret) noch viele Vortheile und Gemächlichkeiten köntcn an die Hand gegeben werden ) welche derselben zu grossem Nutzen und Beförderung ihrer Handlung behülfflick seyn würden / wann sie deren sich bedienen woitcn. Unter diese Vortheile und Gemächlichkeit gehöret nun die Anstalt/ wodurch derselben zu rechter Zeit gewisse Nachricht gegeben wird / was entroeber in einer berühmten Handels-Stadt/ oder ausserhalb derselben/ zuKauffcn/ Vcrkauffcn/ Leyhen undLch- mnist/ oder sonsten nicht solte verborgen seyn ; welche Vortheile und Gemächlichkeiten dann auchaufallcandcreMenschenlalswelche in gewisser Absicht und Maas/ wie schon oben ge« dacht/ mit unter die Kauffmannschafft gehören) sich erstrecken / denen daran gelegen ist/zu wissen/ was mdergleichm Fällen in oder ausserhalb der Stadt vorgehet. Nunistzwarschon eine