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denn es bedurfte wahrlich keines besondern politischen Scharfblickes, um einzusehen, daß ein Anschluß Oesterreichs in der gegebenen Art dieses Reich zertrümmern hieße. Die deutsch« österreichischen Provinzen können als Glieder des deutschen Bundesstaates nicht in diesen ausgenommen werden, sondern müssen zu diesem in ein staatenbündliches Verhältniß treten; und die Aufgabe der deßfallsigen Unterhandlungen muß sein, dieses Bündniß so eng, innig und unzertrennlich, wie möglich, herzustellen. Und hierzu ist Oesterreich sehr geneigt, wie das Programm des neuen Ministeriums ausweist, dessen Hauptpunkte sind: "Gleichberechtigung aller Nationen und Staatsbürger, demokratisch-konstitutionelle Verfassung, ein einiges mächtiges Oesterreich, inniger Verband mit Deutschland, aber erst herzustellen, nachdem Oesterreich und Deutschland für sich die neue Form ihres Staatslebens gefunden haben; bis dahin wird Oesterreich seine Bundespflichten getreu erfüllen." Der letzte Punkt kann, da der alte Bund nicht mehr eristirt, nur den Sinn haben, daß bis zur Einigung der beiden großen öst- und westlichen mitteleuropäischen Staatskörper Oesterreich sein Besatzungsrecht sich Vorbehalten und dagegen seine Matrikularbeiträge bezahlen werde. I. L. M.
Freihandel und Schutzzoll.
Wir haben in unserer vorigen Nummer von dem allge, meinen deutschen Vereine zum Schutze der vatcr^ ländischen Arbeit gesprochen, welcher jetzt in Frankfur seinen Sitz hat, und haben unseren Lesern das Nähere über dessen Satzungen und Bestrebungen mitgetheilt; aber, wird mancher freisinnige Leser fragen, die Einführung eines Schutzzolles beeinträchtigt doch die Freiheit des Handels; da wird einem doch die Gelegenheit genommen, die Gegenstände, welche das Ausland wohlfeiler liefern kann, als das Inland, auch wohlfeiler zu kaufen; wie verträgt sich denn das mit der gerühmten Freiheit und mit der Sorge dafür, gerade den Aermeren die Beschaffung der Lebensbedürfnisse zu erleichtern, da doch die größte Erleichterung die Wohlfeilheit ist? — Das klingt allerdings sehr schön mit der möglichsten Wohlfeilheit; aber, fragen wir dagegen, womit verschafft man sich denn überhaupt die Mittel, um irgend etwas zu kaufen, sei cs nun wohlfeil oder theuer? Da wird denn doch immer die Antwort sein müssen: durch den Verdienst; ohne Verdienst, d. h. ohne Arbeit keine Einnahme, ohne Einnahme keine Möglichkeit irgend Etwas zu kaufen, auch nicht das Wohlfeilste. Also vor allen Dingen muß doch darauf gesehen werden, daß Jedermann die Gelegenheit habe, zu arbeiten und sich das Geld zu verdienen, womit er die Lebensbedürfnisse für sich und seine Familie kaufen kann. Wovon hängt nun aber die Gelegenheit des Verdienstes ab? Doch gewiß davon, daß diejenigen Stoffe, welche in jedem Lande die Natur darbietet, möglichst zur Arbeit verbraucht werden und in ihrem Verbrauche zur Arbeit keine Hemmung und Stockung entstehe. Gesetzt es hätte irgend ein Staat eine Bevölkerung so groß, daß eS derselben an Nahrung mangelte; es waren aber noch große Strecken unangebautes recht gutes Land da; was müßte der Staat thun, um seine Bevölkerung zu ernähren? Müßte er möglichst viel Frucht und Schlachtvieh aus dem Auslande hereinkommen lassen, damit durch die Menge der Lebensrnittel die Preise wohlfeiler würden? ES wäre ja aber für die zu große Bevölkerung keine Arbeit da, um sich das Geld für die wohlfeilen Lebensmittel zu erwerben. Er müßte also doch wohl dafür sorgen, daß
die unangebauten Ländereien angebaut, daß Ackerbau und Viehzucht, daß die Erzeugung von Flachs u. s. w., von Wolle u. drgl. mehr ausgebreitet und gehoben würden, damit die übermäßige Bevölkerung dadurch, sowie durch die damit zusammenhängenden Gewerbe, durch Spinnereien und Webereim u. s. w. Beschäftigung und Verdienst erhielte. Aber das Ausland würde im Anfang das alles doch immer noch wohlfeiler liefern; und die Leute, welche die unangebauten Ländereien anbauen ließen, welche ihr Geld in Spinnereien und Webereien, in Schaafheerden, und was alles nöthig wäre, steckten, di? bezahlten wohl den Taglohn und hätten außerordentliche Koste^ mit der Anlegung der nöthigen Anstalten, Fabriken und Ma nufacturen, aber sie könnten die Früchte, das Vieh, die Ge— webe u. s. w. nicht verkaufen. Was wäre das Ende davon? Alle die neuen Anlagen müßten still stehen, denn sie trügen nichts ein, und das verwendete Geld wäre so gut wie verloren. Die Arbeit wurde wieder aufhören und die Arbeiter sähen sich genöthigt der Nahrnngslosigkeit halber auszuwandern. Ganz so ist es in der Wirklichkeit bei uns. Wir haben ein Land, welches Arbeitsstoff in Ueberfluß in seinem Innern birgt, eine nnerschöpsliche Masse des besten Eisens. Wir haben eine so große Bevölkerung, daß es derselben an Nahrung mangelt; es würde ihr aber nicht an Nahrung mangeln, wenn sie immer Arbeit hätte; die Arbeit könnte sie auch haben, wenn sie das Eisen aus der Erde förderte und dasselbe zu allen den Gegenständen verarbeitete, welche der Mensch von Eisen haben muß. Aber um das thun zu könne» müssen Leute da sein, welche wissen, daß, wenn sie ihr Geld auf Bergbau und Hüttenanlagen, sowie auf Errichtung von Fabriken für Eisenwaaren verwenden, sie die Erzeugnisse der Arbeit auch verkaufen werden, indem ihr Vermögen sonst verloren ginge und ihre eigene Nahrung aufhörte, weil sie ja doch das Eisen selbst nicht verzehren können. Sehen sie aber voraus, daß ihre Eisenwaaren nicht werden gekauft werden, weil dieselben, wie das immer der Fall ist, im Anfang nicht so billig sein können, wie die aus den längst bestehenden Fabriken des Auslandes eingeführten, daß sie also nur mit Schaden verkaufen und nach und nach ihr Vermögen verlieren würden; dann legen sie gewiß ihr Geld nicht in solchen Unternehmungen an und die Arbeiter bleiben ohne Arbeit. Was kann also vernünftiger Weise in diesem Falle Besseres geschehen, als daß man diesen Leuten die Möglichkeit verschafft, die Gaben der Natur nutzbar zu machen, den Arbeitslosen Arbeit und damit Brod zu geben, und damit sie das auf die Dauer thun können, die Früchte ihrer Arbeit mit einem mäßigen Vortheil zu verkaufen. Diese Möglichkeit erhalten sie aber eben durch nichts anderes als durch Schutzzölle, welche den Preis der eingeführten Waaren auf dieselbe Höhe bringen, worauf die im Lande selbst erzeugten stehen, und zugleich dem Staate, d. h. der Gesammtheit aller Staatsbürger, durch ihre Einnahme eine Erleichterung in der Besteuerung verschaffen. Natürlich muß aber, wie hier, die Natur selbst auf solche neue oder weiter auszudehnende Nahrungszweige ausdrücklich Hinweisen, denn einen künstlich einzuführenden Gewerbsbetrieb durch Schutzzölle unterstützen zu wollen/ das wäre unvernünftig; etwa so, wie wenn man in Treibhäusern Caffce oder Baumwolle ziehen und den eiugeführten Eaffe so hoch besteuern wollte, wie sich die Kosten des in den Treibhäusern erzeugten Herausstellen würden. ES muß auch der Staat nicht durch hohe Gewerbsteuer oder Zehenten und dergleichen die Anlage solcher Unternehmungen erschweren oder gar dadurch erst die Nothwendigkeit des Schutzzolles herbeiführen;