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Der Lahnbote.

Gesetzlicher Fortschritt.

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Mro. 43* Weilburg, den 20. December. 1848»

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen halben Bozen stark; der Preis ist mit dem Beiblatt, derLahnbotin" in Weilburg vierteljährl. 50 kr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 5 fr. Größere Schrift wird nach Verhältniß LeS NaumS berechnet.

Uebersicht:

Die deutsche Einheit. Freihandel und Schutzzoll Ansprache an die Eisen- und Eisenwaarenprotuccnten Deutschlands. Grundrechte LeS deutschen Volkes.

Die deutsche Einheit.

So sehr wir die Einheit unseres Vaterlandes wünschen, so können wir doch die Ungeduld vieler nach einer solchen nicht theilen. Warum? Emheit setzt Einigkeit voraus; einig aber waren die Deutschen nie, so weit ihre Gcsctiichte reicht. Sachsen, Franken, Schwaben, Bayern u. s. w. sahen wir in der früheren Zeit fast beständig sich feindlich gegenüber; und wenn sie auch mit Waffengewalt von kräftigen Kaisern zu- fammengezwungen waren, wie z. B. unter den ersten Hohen­staufen, so bedurfte es nur eines weniger starken Regiments, um die alte Zerklüftung wieder herbei zu führen. Jedoch blieb dabei immer bei den verschiedenen Stämmen die Erinnerung und das Bewußtsein gemeinsamer Abstammung, deutsch zu sein, deutscher Nation anzugehören, lebendig; Haß und Verachtung straften den, der »mit den Feinden deutscher Nation" sich in Bündnisse einließ, und auch, als im westphälischen Frieden den deutschen Fürsten die- Ter­ritorialhoheit, die sie freilich schon faktisch geübt hatten, förm­lich zugestanden worden war, wurde ausdrücklich vorbehalten, daß kein Reichsfürst sich gegen Kaiser und Reich mit einer auswärtigen Macht verbinden dürfe. Die Folge der Terri­torialhoheit war, daß jeder Landesherr sich als unabhängig zu betrachten anfing, und sein Gebiet bei günstiger Gelegenheit zu vermehren suchte. Einzelne Fürsten Deutschlands traten in die Reihe europäischer Mächte zweiten und dritten Rangs ein, und indem sie ihre Politik mit dem System einer aus­wärtigen Macht verflochten, geriethen sie leicht mit einzelnen Milständen und auch dem deutschen Reiche selbst in feindliche Eönfllkte, wo es bei der Schwäche des deutschen Staats- körpers leicht war, durch willkührliche Darstellimg der Der- Hältnisse das Verbot "Nicht gegen Kaiser und Reich" zu um­gehen. Das Hauptübel, wodurch die Schwäche Deutsch­lands als eines Gesammtkörpers herbeigesührt und erhalten wurde, war bekanntlich die altdeutsche Sitte der freien Wahl des Oberhauptes; weil einestheils durch den Wechsel der Re- gentenhänser häufig innere Kriege entstanden, und ebenso die Politik sich änderte; anderntheils durch die Wahlkapitulation die Macht des Oberhauptes fast auf Null reducier wurde.

In Frankreich, England, Spanien war es anders; das erstere war von den Franken, das zweite von den Normannen, das letztere von den Westgothen erobert; erbliche Heerkönige stan­den an der Spitze, und durch besondere Gunst der Verhält­nisse nahm in ihnen allmählig die königliche, einigende Gewalt den Vasallen gegenüber zu; ja diese wurden völlig zum Ge­horsam gezwungen; während Deutschland durch successive, planmäßige Schwächung seines Oberhauptes völlig ohnmächtig wurde. Der fränkische große europäische Zuchtmeister machte endlich dieser Wirthschaft ein Ende. Seit dem Lüneviller Frieden ^wurde durch Losreißen eines schönen Theiles, (der durch die Losreißung selbst zusammengezwungen wurde) durch Media- tisireu und Sekularisiren, durch Aufhebung der Reichs- unmittelbarkeit einer großen Zahl von Städten, Herr­schaften, Klöstern, Abteien, Grafschaften, Fürsten-, Her­zog - und Chnrfürstenthümern iwb- ihre Vereinigung zu größeren Ganzen, und dieser hinwiederum zu einem großen Bunde, dem Rheinbünde so schmählich dieser auch war der Einheit Deutschlands trefflich vorgearbeitet. Während so von dem fränkischen Despoten Deutschland wider seinen Willen gestärkt wurde, nahm er die Deutschen auch in seine Kriegsschule, und an die- Stelle der alten Reichstruppen, die aller Welt zum Spott geworden waren, traten wohlorganisirte, wackere Kriegerschaaren, die sich unter einander und gegen andere Völker im Siegen übten, so daß sie hernach im Stande waren, dem Lehrmeister selbst Lektionen zu geben, daß ihm Hören und Sehen verging. So war also die Schmach, mir welcher Napoleon Deutschland behandelte, eine Wohlthat für uns:

Sie war uns zum Heile, sie riß uns nach obenk

In dem gemeinsamen Kampfe fühlten und erkannten sich die Deutschen wieder als stammverwandt. Der deutsche Bund wurde errichtet; ein Bundestag repräsentirte die deutsche Nation. Dieser Bund war aber, wie in der damaligen Zeit- lage, nach eben bezwungener Revolution, nicht anders möglich, ein Fürstenbund, und der Bundestag, ein Fürsten tag. Die Völker batten wohl ursprünglich etwas anderes gewollt;; doch hatte jedes einzelne nach so schweren Kriegen und so großem Umsturz der früheren Verhältnisse vor der Hand so­viel mit sich zu thun- daß die Wünsche und Bestrebungen, für das Ganze dabei vor der Hand ziemlich in Hintergrund' tra­ten ; auch hatten die unter Anführung! ihrer Fürsten erfochtenem Siege ein freundliches Verhältniß zwischen- Volk und Fürsten hervorgebracht. Die Einheit- und Freiheit deutsch Kmto waw ja. errungen- int Kampfe für Gott, K öm r$ '-x«-