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Der Lahnbole.

Gesetzlicher Fortschritt.

Asro. 41, Weilburg, den 13. December. 1848«

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen halben Bogen stark; der Preis ist mit dem Beiblatt, derLahnbotin" in Weilburg Vierteljahr!. 50 kr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 5 kr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Raums berechnet.

Uebersicht:

Die Todtenfeierlichkeiten für Robert Blum. Der allgemeine deutsche Verein zum Schutze der vaterländischen Arbeit. Die deutsche Reichsversaffung. Grundrechte des deutschen Volkes.

Die Todtenfeierlichkeiten für Robert Blum.

Die Todtenfeierlichkeiten für Robert Blum dauern noch immer fort, und werden, da die Mehrzahl der Theilnehmer an denselben den Kern der Sache gar nicht kennt, ganz na­türlich zu Schauspielen, wo Alles auf den Effekt berechnet ist. So liest man von München aus: »Der gestern stattge­habte Fackelzug zur Todtciifeier Robert Blums war der impo­santeste derartige Auszug, dessen man sich erinnert. Die wür­dige, anständige Haltung der Fackelträger, nahe an 1800, wetteiferte mit der sinnigen Festordnung. Die originellen Co- stüme der Studenten, etwa 300 neben den Uniformen der Polytechniker und Freikorps, sowie die Landwehr der Stadt wechselten malerisch mit den Calabresern und deutschen Hüten der Arbeiter. Fahnen, Reiter, Marschälle, Musikchöre erhöhten den Glanz rc." Wenn wir solche und ähnliche Be­schreibungen mit allem, was sich darum und daran knüpft, lesen, fallen uns die Worte Burleigh's in Schiller's Maria Stuart ein:

«Graf! dieser Mortimer starb euch sehr gelegen";

sowie denn auch wirklich ein Festredner in Leipzig den Tod Blums »ein glückliches Ereigniß für ihre Parthei" genannt hat. Wien war gefallen und mit ihm große Hoffnungen der so eben genannten Parthei. Die Belagerung und Erobe­rung der Stadt bot zwar reichen Stoff dar zu energischen Deklamationen gegen die reaktionäre, treulose österreichische Regierung mit ihrer fluchwürdigen Camarilla, gegen den blut­dürstigen Tschechen Windisch-Grätz, gegen die maßlosen, von den Croaten in Wien verübten Greuel, wie sie nur in den krassesten Zeiten des Mittelalters vorgekommen sind rc.; wobei denn freilich unerwähnt blieb, daß der Ausstand vom 6. Oktober planmäßig hervorgerufen war; daß die Stadt so gut, wie der Reichstag, durch die aus den fremdartigsten, zum Theil nicht sehr nobeln Bestandtheilen zusammengesetzte akademische Legion, so wie das 34,000 Mann starke, durch gewaltsame Erbrechung des Zeughauses bewaffnete, der Legion ganz ergebene Proletariat völlig beherrscht wurden; daß die Umsturzparthei, während sie gegen den Einmarsch von Croaten auf deutsches Gebiet protestirte, es nicht ver-

schmähte, mit den Ungarn, von denen sie bekanntlich nur als Werkzeug gebraucht wurde, in nahe Verbindung zu treten, sie um Beistand anzurufen, und im Vertrauen auf ihren be­waffneten Zuzug die von dem Gemeinderath von Wien ange­knüpften Friedensunterhandlungen treulos zu brechen, wodurch bekanntlich erst die Eroberung der Stadt herbeigeführt wurde. Aber wenn man auch, mit Verschweigung oder Entstellung der letztgenannten Umstände, noch so sehr gegen die großartige, verdammungswürdige Reaktion der österreichischen Regierung deklamirte, so boten sich doch nicht genug konkrete Momente dar, um die große Menge zu fanatisiren. Die bei weitem größere Mehrzahl der Menschen hängt sich in religiösen wie in politischen Dingen bekanntlich immer an gewisse Persönlich­keiten, wodurch ihr das fernliegende, für sie schwer zu er­fassende und zu verstehende Abstrakte nahe gebracht wird. So wendet sich der Christ mit seinem Gebete an Jesus, der Katholik insbesondere an die Mutter Jesu und die heiligen Männer und Frauen der christlichen Vorzeit; in der Reformationszeit hieß das Feldgeschrei: Hie Luther! hie Calvin! hie Papst! Ebenso auf dem politischen Gebiete, wie uns die Geschichte älterer, sowie neuerer und neuester Zeit bei allen politischen und so­cialen Veränderungen oder Revolutionen hinlänglich lehrt. Was hängt sich nicht Alles an Hecker, den politisch-socialen Fanatiker. Also eine Persönlichkeit brauchte die Umsturz­parthei oder die s. g. Republikaner für ihre Pläne, und siehe^ es fand sich eine sehr brauchbare Robert Blum.

Ein Mann aus dem Volk, Deutschkatholik, durch feilt früheres Auftreten in Leipzig angesehen und beliebt, Mitglied des Parlaments in Frankfurt, kühner Vertreter derVolks­rechte", dieser Mann Familienvater, ohne Vermögen, opfert sich freiwillig der großen Sache der Einheit und Freiheit Deutschlands; er stirbt fern in Wien, verlassen, preißge­geben durch das erbärmliche, pflichtvergessene rc. Reichsministerium und Reichsparlament, stirbt er ein Vertreter der deutschen Nation standrechtlich erschos­sen. Stoff, reichlicher Stoff zu einer ganzen Tragödie! / Gelegenheit hinlänglich, unsere gegenwärtigen politischen Ver­hältnisse im Innern und nach Außen auf das härteste zu ver­unglimpfen, die Centralgewalt, Reichsministerium und Reichs­parlament in einer Art anzugreifen, daß wenn nur ein Schein der Wahrheit von Allem, was ihm zur Last gelegt wird, sich herausstellte, Hochverrath an dem deutschen Volke der gelindeste Name wäre für ihr Auftreten in der österreichischen und besonders in der Blum'schen Sache. Wohlweislich wird hier verschwiegen oder nicht klar hingestellt, daß Blum