Der Lahnbole.
Gesetzlicher Fortschritt.
Bsro- 38* Weilburg, den 22. November. 1848«
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Uebersicht:
Robert Blum. Die ClubbS in den Vereinigten Staaten Nordamerika'». Die deutsche Reichsverfassung.
Robert Blum.
Die standrechtliche Hinrichtung Robert Blums hat durch ganz Deutschland einen Schrei des Entsetzens hervorgerufen und zwar eines Theils um der Persönlichkeit des Mannes selbst willen, der als ein kühner und geistreicher Vertheidiger der religiösen, wie bürgerlichen Freiheit hoch zu achten war; wenn auch in letzterer Beziehung allerdings nicht geleugnet werden darf, daß er in Maß und Form oft über die rechte Milte hinausgchend der guten Sache vielleicht in mancher Beziehung mehr geschadet, als genützt hat; anderntheils deßwegen, weil man nur zu sehr Grund hat zu glauben, baß er nicht obgleich, sondern weil er ein Mitglied der Nationalversammlung in Frankfurt war, hingerichtet worden ist. Der rohe, mit unumschränkter Vollmacht bekleidete Soldat hegte wohl, selbst wenn er nicht besondere Instruktion für besondere Fälle hatte, die Ueberzeugung, daß er durch einen solchen Schritt, wodurch man mit dem Reichsparlament in Frankfurt auf eklatante Weise brach, der reaktionären Cama- rilla in Ollmütz einen guten Dienst leisten würde. In wieferne dieser Zweck erreicht werden wird, muß die nächste Zukunft lehren. So viel ist aber sicher, daß durch diesen traurigen Zwischenfall die Stellung der Centralgewalt gegen Oesterreich bedeutend erschwert worden ist, und es drängt sich uns von selbst die Frage auf: War es recht, daß Robert Blum so thätigen Antheil an der Wiener Insurrektion nahm; daß er sich so nah einer Parthei anschloß, die in ihrer politischen Verirrung sich sogar mit ihren Feinden verbunden hatte? Oder weiß man etwa nicht, was die Ungarn wollen? Ist nicht Ferdinand ihr rechtmäßiger König, und hat er als solcher nicht die Pflicht, auch die slavischen Bewohner des Königreichs Ungarn in ihren Wünschen und Rechten zu schützen? Blum war als Abgesandter der Linken in Frankfurt nach Wien gegangen (in wiefern eine Fraktion der Reichsversammlung eine solche Deputation schicken durfte, wollen wir hier unerörtert lassen); er konnte dort seine Erklärung abgeben; durfte sich aber nicht den Barrikadenkämpfern ermunternd und helfend anschließen, ohne sich in seiner Stellung als Bevollmächtigter der Linken in Frankfurt sowohl, als auch als Reichstagsmitglied insbesondere zu kompromittiren; der Platz seiner Wirksamkeit war jedenfalls eher in den Sitzungsräumen des Parlaments zu Frankfurt, als auf der, Barrikaden in Wien. — Ruh' und Frieden seiner Asche! —
Während so im (Stiften die Lage der Dinge immer trüber
wird, gewährt der Nordosten ebenfalls wenig Trost. Wie sollen, wie werden die Sachen sich in Preußen gestalten? Wem aber haben wir diese Gefahren zu danken? Der Oktoberaufstand in Wien war ein gemachter, das liegt auf der Hand; die Vertagung der Nationalversammlung, den Belagerungszustand von Berlin rc. verdanken wir der Linken in Berlin, die ein Gesetz zum Schutz der Mitglieder der Nationalversammlung stets zu hintertreiben wußte. Die wühlenden Demokraten, die sich Republikaner nennen, sind ihrem Ziele bedeutend näher gerückt; das Vertrauen zwischen Regierung und Volk ist beinahe oder ganz vernichtet; so ist's ihnen recht, denn die Revolution â tout prix ist ja ihr Ziel. Wehe unserm theuern Vaterlande, wenn sie dies erreichen! Mögen aber auch sie nicht vergessen, wie von jeher die Revolutionen ihren Stiftern gelohnt haben! K. L. M.
Die Clubbs in den Vereinigten Staaten Nord- Amerikas.
Von Michel Chevalier. *)
Es ist zwar ein trauriger Erfahrungssatz, daß nur der eigene Schaden klug mache. Sollte dies uns Deutsche aber abhalten, in der Lage, in welcher gegenwärtig unser Vaterland sich befindet, nach den Erfahrungen anderer freier, glücklicher Völker hinzublicken, um ihre Erfahrungen zu nützen, um zu lernen, auf welche Weise sie gleiche Gefahren wie die, welche uns jetzt bedrohen, überwunden haben; um, wie sie, uns der errungenen Freiheit endlich zu freuen? Wollten wir Deutsche, die wir uns so vieler Bildung rühmen, nicht wenigstens so viel Bildung, ja so viel gewöhnlichen Verstand beweisen, um durch fremde Erfahrung ohne eigenen Schaden klug zu werden? Wir sollten es wenigstens versuchen, besonders, da wir ja des eigenen Schadens nun seit Monaten bereits genug erfahren. Mit diesem Vorsatze geben wir unseren Lesern nachstehend den Auszug einer Vorlesung des Franzosen Michel Chevalier, der die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die wir uns ja
*) Der Aufsatz, den wir hier unseren Lesern mittheilen, enthält so viel Wahres über bas in jetziger Zeit nach allen Richtungen hin gebrauchte und mißbrauchte VeremSwesen, daß wir demselben nur eine möglichst weite Verbreitung und Beherzigung wümchen müssen. Von höchster Wichtigkeit muß es jedem Deutschen sein, über daS ihm in dieser Beziehung neu verliehene Recht, wen gsienS neu in der Ausdehnung, die wir in seiner Anwendung erblicken, die Glimme einer der gebildetsten und einsichtsvollsten Franzosen, und zwar bei Be- sprechung nordamerikanischer Zustände zu vernehmen. Oer deutsche Staatsmann, welcher diesen Aufsatz Chevalier» seinen Land», leuten vorgelegt hat, hat sich unieres Erachten« dadurch ein große» Verdienst um Deutschland erworben; mögen denn auch die Deutschen die rechte Weisheit daraus zu ziehen nicht versäumen.