Der Lahnbote.
Gesetzlicher Fortschritt.
Mro. 34, Weilburg, den 26. Octobcr. 180«
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Uebersicht:
Der Waffenstillstand zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein. Auswanderung. Norwegische Verfassung.
Der Waffenstillstand zwischen Dänemark und Schleswig-Holstein.
(Fortsetzung und Schluß.)
Dieses deutsche Reich ging bekanntlich in den Jahren 1805 und 1806 in Trümmer, und es bildete sich unter dem Protektorat Napoleons der Rheinbund, der 1813, 14 und 15 sich in den deutschen Bund umgestaltete, zu welchem dieselben Länder gehörten, die früher das deutsche Reich ausgemacht hatten; nur war allerdings die Zahl der Mitglieder dieses Bundes durch Secularisirungen und Mediatisirungen weit geringer als die der ehemaligen ReichSstände; auch war der König der Niederlande durch Luxemburg Mitglied desselben geworden. Im Namen dieses deutschen Bundes*), der obgleich auS einem Staatenbund zu einem Bundesstaat geworden, doch wesentlich nicht aufgehört hat zu cristireu, hat Preußen den Waffenstillstand abgeschlossen, und bat hierin demnach ganz recht gehandelt. Was ferner die Ratification durch den Reichsverweser angeht, so ist schon in einem früheren Aufsatze über den vorliegenden Gegenstand von dem Redakteur des Lahnboten nachgewiesen, daß der Vorbehalt der Ratification durch eine aus einer Revolution hervorgegangene, provisorische, in ihren Befugnissen unbestimmte und in ihrer Haltbarkeit noch bezweifelte Macht, den vermittelnden Machten und Dänemark selbst gegenüber, die sämmtlich jene über ganz Deutschland und namentlich Preußen und Oesterreich, bisher zwei Hauptmächte Europa's, sich stellende Macht noch keineswegs anerkannt hatten, eine pure Unmöglichkeit war, wenn überhaupt ein Vertrag zu Stande kommen sollte. Em solcher mußte aber, und zwar sobald als möglich abgeschlossen werden, weil die Fortsetzung deS Krieges für Preußen, (waS eS offiziell erklärt, Niemand widersprochen hat,) geradezu unmöglich geworden war. Wenn Preußen dieses erklärt, und seine ungeheuren Verluste nachgewiesen hat, so muß man ihm glauben, und nicht überall Lüge und reaktionäre Bestrebungen wittern wollen. »Nun so mag'S d'rum mit der Ratification sein Be-
♦) 3m letzten Blatte @. 195 ist aus Versehen im Namen des Bundestages, für im Auftrag des Bun beStageS ge- schrieben.
wenden haben; aber cs hat in wesentlichen Punkten die Vollmacht des RcichSverwcserS geradezu hintan gesetzt« ES waren dieses, wie wir eben gezeigt, gerade solche, auf denen Dänemark und die vermittelnden Mächte glaubten bestehen zu müssen, wenn sie nicht ein Präjudiz in dem eigentlichen Streitpunkt wollten gelten lassen. Auch mochte Preußen darauf rechnen (was auch hernach geschah), daß daS Reichs- ministerium die Triftigkeit seiner Gründe emsehen, und ihm nicht anrechnen würde, was durch den unwiderstehlichen Drang der Verhältnisse herbeigeführt worden war. Noch ist die Frage nach dem Grunde der langen Dauer des Waffenstillstandes zu beantworten. Daß die Länge desselben für Deutschland nur vortheilhaft ist, indem es während dieser Zeit sich eine Flotte verschaffen und insbesondere auch seine inneren Verhältnisse positiv ordnen kann, um im Stand zu fein, nach aussen hin Mit voller Kraft aufzutreten, haben wir schon oben bemerkt. Da jedoch diese lange Dauer des WaffenstillstaudeS nicht von Preußen, sondern von den vermittelnden Mächten und Dänemark in Vorschlag gebracht wurde, so muff allerdings ein anderer Grund gesucht werden. Dieser liegt nun allerdings darin, daß während des Spätherbstes und WinterS weder die dänischen, noch schwedischen und russischen Schiffe die See halten konnten, also derjenige Theil der Kriegführung, worin Dänemark gegen uns offenbar im Vortheil ist, völlig ruhen mußte. Da uns aber gegen Jütland vorruschreiten ilicht möglich war ohne Krieg mit Schweden, Rußland und Frankreich, so hätten wir auS dieser Unthätigkeit des Feindes zur See doch keinen Vortheil ziehen können, während die Her- zogthümcr, die schon so große Opfer gebracht haben, durch die Last des Krieges wären erdrückt worden.
Das ist'» ungefähr, waS sich nach unserer Meinung zur Rechtfertigung der Annahme deS Waffenstillstandes von Seiten der Frankfurter Nationalversammlung sagen läßt. Wenn aber doch noch viele lieber Krieg als die Annaäâ desselben gesehen hätten, weil sie sich entweder wirkl.ä!' oder vorgeblich wegen der durch denselben über Deutschland 'grkom menen Schmach nicht beruhigen können, so wollen wir noch kurz anöeuten, wie die Verhältnisse sich durch Verweigerung derselben gestaltet haben würden. Für's erste mußten natürlich ehrenhalber die Schiffe und Vubuugeii, so wie auch die Gefangenen, welche die Dänen herausgegeben hatten, ihnen zurückgegeben werden. Man mußte zweitens, da man weder Häfen noch Händelsschiffe vor Blokade und Wegnahme schützen, noch den Ackerbau und die Gewerbthâ tlgkeit vor Verkümmerung sichern konnte, geradezu das Elend über