Der Lahnbote.
Gesetzlicher Fortschritt.
US™- 39« Weilburg, den 20. September. 1.848»
Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen halben Bogen stark; der Preis ist mit dem Beiblatt, der „Lahnbotin", in Weilburg vierteljährl. 50 kr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen- — Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 5 kr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Naums berechnet.
Mit dem 1. October beginnt das 4. Ouartal, geneigte Bestellungen wolle man baldigst bei der Expedition oder bei dem zunächst gelegenen Postamte machen.
Weilburg, im September 1848, Ole Expedition des Lahnboten.
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Uebersicht:
Schleswig-Holstein. Erwerbung des ZecheneigentbumS. Nachträge zu der nordamerikanischen Verfassung. Erklärung des Stadtvorstandes zu Wiesbaden.
Schleswig-Holstein.
Der Waffenstillstand erregt die Gemüther in Deutschland; da gilt cs ruhig urtheilen, denn in der Hitze urtheilt man in der Regel falsch. In den beiden vorhergehenden Blättern haben wir die Rechtsfrage besprochen, zu deren Verfechtung unsere Jugend nach Schleswig-Holstein gezogen war. Jetzt wo es heißt, sie kommen wieder, dankt manche Mutter Gott, daß er es den Menschen eingegeben hat, einen Waffenstillstand zu schließen; denn der liebe Sohn, vielleicht der einzige, kommt unversehrt wieder; eine Menge Leute aber sagen, so habe der Waffenstillstand nicht abgeschlossen werden dürfen, denn er sei nicht ehrenvoll genug für das siegreiche, gewaffnete, große Deutschland, man könne es nicht dabei lassen, es müsse wieder Blut fließen u. s. w.; daß es der Mutter wieder bang wird um ihren Sohn und sie nicht begreift, warum die Menschen ihn denn durchaus in den Krieg hinausstoßen wollen. Alle diese sind nicht ruhig. Mögen sie also erst reiflich prüfen und erwägen, dann wird die Mutter sagen können, ob sie ihren Sohn glaubt wagen zu müssen, und die anderen Leute, ob man den Waffenstillstand annehmen könne. Also wie stehen denn eigentlich die Dinge?
Wie wir im vorigen Blatte erzählt haben, im Monat März begannen die Schleswig-Holsteiner den Krieg, weil ihnen die dänische Regierung alle Selbstständigkeit durch Einverleibung Schleswigs in das dänische Königreich und durch eine gemeinschaftliche Reichsverfassung für alle Theile der unter einem Regenten verbundenen verschiedenen Länder rauben wollte. Die mußten aber den deutschen Bund zu Hilfe rufen, weil sie auf allen Seiten geschlagen wurden. Das Recht der Schleswig-Holsteiner hatte Niemand offener anerkannt als der König von Preußen, also war dieser auch gleich bereit, nach Aufforderung des deutschen Bundes eine Armee hinziehen zu lassen. Noch ehe dieselbe auf dem Kampfplatze
angekommen war, mischten sich auswärtige Mächte darein, und es kostete Mühe, die ersten Schwierigkeiten, welche dem Anfang der Thätigkeit des preussischen Heeres sich entgegensetzten, zu beseitigen. Dann begann der Kampf, und der tapfere General Wrangel jagte die Dänen nicht nur über das Herzogthum Schleswig hinaus, sondern drang sogar in das dänische Jütland ein.
„Nun dann mußten doch die Dänen zu Kreuz kriechen, wie der Feind im Lande Herr war und Einquartirung und Brandschatzungen anfingen? So eine Erecution pflegt doch sonst überall zu helfen." — Ja aber bei den Dänen nicht, da ist's anders als im Nassauischen, Hessischen, Badischen, Wir- tembergischen, Baierischen u. s. w., wo man mit dem Meere nichts zu thun hat. Die Dänen sind zweierlei, erstens eine Seemacht, zweitens eine Landmacht; beides nur im Kleinen, aber auch das Kleine ist immer viel, viel größer als nichts, und das Nichts findet man leider, wenn man bei Deutschland nach der Seemacht fragt. — Zu Land waren die Dänen geschlagen, aber zur See hatten sie geschlagen, daß der ganzen Ostsee- und Nordseeküste Deutschlands die Augen übergingen. Wenn der Wrangel ganz Jütland hätte ausbrandschatzen wollen, so konnte er nicht so viel wegnehmen, als die Dänen an Frachtschiffen den Deutschen rauben, als sie ihnen durch Verhinderung ihres Seehandels schaden konnten. Und das haben sie gehörig gethan. Sie blieben aber dabei nicht stehen, sondern sie setzten auch die auswärtigen Mächte in Bewegung und brachten es sogar dahin, daß die Schweden und Norweger erklärten, wenn die Preußen sich nicht blos auf die Vertheidigung Schleswig - Holsteins beschränkten, sondern sogar Jütland erobern wollten, was denn doch gewiß dänisch sei, dann würden sie sich darein legen; und zum Beweis ließen sie gleich Truppen nach der Insel Föhnen übersetzen. So konnte nun von der Seeseite her jeden Augenblick ein Heer in den Rücken der Preußen geschickt und dieselben abgeschnitten werden. Da mußte sich denn der Wrangel trotz aller Siege wieder zurückziehen, damit er nicht zwischen zwei Feuer käme oder auch Veranlassung zu einem allgemeinen Kriege gäbe, denn England, Frankreich und Rußland wollten auch von dem Angriff auf Jütland nichts wissen und fingen an, gefährliche Reden zu führen.