Der Lahnbote.
Gesetzlicher Fortschritt.
Mro. I4. Weilburg, den 16. August. L848«
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Uebersicht:
Mein und Dein — Arm und Reick. Bergrechtliche Zustande. Umgestaltung des Vossslchulwesens. Dr. Mager über LaS Schulwesen. Staatsoerfästung Belgiens.
Mein und Dein; — Arm und Reich.
Darauf, daß ein Mensch in Wahrheit sagen darf und kann: "Das ist mein», beruht mehr, als mancher ehrliche Leser des Lahnbotzen wohl denkt: nämlich nicht mehr und nicht weniger, als das ganze sinnliche und sittliche Sein und Wobl- ergeben desselben. ^h ficfeh goldnen Worten" Ne^ änlich zuerst: daß er sich selbst besitzt, d. h. persönlich frei ist; (der Sclave oder Leibeigne kann nichts, auch sich selbst nicht, sein neunen); daß seine Person heilig und unverletzlich, und daß diese Freiheit nur durch selbst gegebene oder selbst anerkannte Gesetze möglichst wenig und nur, soweit es das ver- nünftige Zusammenleben der Menschen in größeren Gemeinschaften, Staaten, erfordert, eingeschränkt ist. Zweitens liegt darin, daß er das Recht hat und übt, etwas Aeußerliches mit seiner Persönlichkeit so zu verbinden, daß es als ein Theil derselben ebenso heilig und unverletzlich ist, als diese selbst. Drittens, daß er mit seiner Person (seinen Kräften) und dem, was er mit derselben verbunden hat, — Eigenthum, — frei schalten und walten; daß er insbesondere sein Besitzthum vererben, verkaufen, verschenken, ebenso auf jede gesetzliche Weise vermehren kann. Ferner daß ihm der seinen Anlagen und Neigungen entsprechende unverkümmerte Erwerb von geistiger Ausbildung, sowie das Recht, das erworbene geistige Kapital nach freiem Willen für sich und andere ;n verwenden, zusteht. (Entfernung jeder Art von Studienzwang, Rede- und Preßfreiheit, Zutritt zu allen Staatsämtern rc.) — Daß auf diese Weise durch Erbschaft, Schenkung, Kauf, Geschick, Klugheit, Betriebsamkeit, Sparsamkeit auf der einen Seite, sowie durch Mangel an ererbtem Gute, durch Ungeschick, Unklugheit, Trägheit und Verschwendung auf der anderen Seite sich ein großer Unterschied des Vermögens herausstellen muß, ist ganz natürlich. Wollte man aber den Versuch machen, Gleichheit des Vermögens herzustellen und zu erhalten, so wurde diese Gleichstellung nur eine Gleichheit der Armuth hervorbringen. Denn auf jeden Kopf in Deutschland mit einer Bevölkerung von 45 Millionen nur 100 fl. gerechnet, würde schon ein Kapital von 4500 Millionen erfordern; 200 fL ein Kapital von 9000 Millionen. Wie dieses Kapital herbeizuschaffen in
mobilem und immobilem Vermögen bestehend, zu vertheilen und in dieser Dertheilung festzuhalten wäre, darüber mögen die Nachdenken, die solchen Unsinn für ausführbar halten. Soviel liegt auf der Hand, daß das gesellige Leben dadurch aufgelöst: Gewerbe, Handel, Verkehr, Kauf und Verkauf, — Verwaltung des Staates rc. zerrissen und vernichtet; Alles in Noth, Verzweiflung und Gewaltthat untergehen würde. — Gut; also Reiche und Arme muß es wohl geben. Aber der Arme ist doch auch ein Mensch, ein Staatsbürger; er will doch leben und wohl auch seines Lebens froh werden. Ganz recht! — Wie ist da zu helfen? — Der Reichthum eines Theiles der Staatsbürger muß den Seltneren nicht zum Fluch, sondern zum SeWt"werdcn; die Staatslasten müssen gleichmäßig ver- therlt, die Vermögens- oder Einkommensteuer streng dmch- geführt, der Arme für steuerfrei erklärt werden. Ferner hat der Staat die Verpflichtung, die Arbeit, den redlichen Erwerb möglichst zu schützen und zu fördern. Und dieses ist es gerade, was jetzt als höchst wichtig die Aufmerksamkeit aller Volksvertreter in Deutschland auf sich gezogen hat. Die Gewerb- treibenden halten selbst große Zusammenkünfte; nicht mehr werden von hochgestellten Juristen, die oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sahen, nicht mehr von verkauften Staatsmännern die gewerblichen und Handelsverhaltnisse nach innen und außen geordnet; d. h. in ihrer Entwickelung gehemmt und verdorben. Nein, tüchtige Männer vom Fach, die selbst ein großes Interesse bei der Sache haben, geben den Ausschlag, und so muß, wenn Deutschland wirklich ein einiges geworden ist, (was es werden wird) in kurzer Zeit ein früher nicht geahnter Umschwung zum Besseren sich einstellen. Aber nur etwas Geduld! Der Uebergang von langer Krankheit zur völligen Gesundheit geschieht nicht sprungweise, sondern nur allmählig. Gutes Ding will Werle haben, und Rom ist nicht an Einem Tag erbaut worden. Daher Eile mit Weile zum klar geschauten Ziele. K. L. M.
B e r g r e ch t l l' ch e Zustände.
(Fortsetzung und Schluß.)
Catzenelnbogen, den 28. Juli. — Um einer genauen Zusammenstellung der durch den Bergbau dem Staate jährlich zufließenden Summen zu erlangen, wäre die Schaffung von besonderem Berg-Stempelpapier erforderlich und zwar:
„Nro. 1 von 15 Kreuzer für sämmtliche Gesuche an die Obere Bergbehörde,