Der Lahnbote.
Gesetzlicher Fortschritt.
Ssr0- 33.
Weilburg, den 9. August.
1848.
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Uebersicht:
Soll Oestreich Italien Kerzeben? Dom Land. Umgestaltung des DolksichulwesenS. Slaalsverfassung Belgiens.
Soll Oestreich Italien hergeben?
Ja wohl! höre ich Viele antworten. Was hat, sprechen sie, Oestreich für ein Recht auf Italien. Jede Nationalität muß respektirt werden, jedes Volk muß sich seine Verfassung selbst geben dürfen, und wenn die Italiener nicht mehr östreichisch sein wollen, so müssen sie darin unterstützt werden rc. Abgesehen davon, daß die Mailänder kein Volk sind noch waren und sich jetzt dem schlechten Kari Albert von Sardinien in die Arme geworfen haben, und daß das Venezianische gewiß eine schlechte Republik werden würde, will ich nur kurz darauf hindeuten, was die Folge sein würde, wenn man das wollte geltend machen, daß jedes Volk, welches mit dem herrschenden nicht an Sprache und Sitten übereinftimmt, sich selbstständig erklären dürfe, und diese Erklärung respektirt werden müsse. Dann verlöre Deutschland Böhmen, Mähren, östreichisch Schlesien; Oestreich insbesondere außer dem lonibardisch-venezianischen Königreich, das südliche Tyrol, Galizien, Ungarn, Siebenbürgen, Buckowina, Croatien, Slavonien, Dalmatien, Illyrien; auch würden die zahlreichen Slaven in Steiermark, Kärntben und Krain das Recht ansprechen, sich selbstständig zu constituiren, sodaß ihm vielleicht nur 6 Millionen blieben ; Rußland müßte die Polen, die Ostseeprovinzen, Finnland, die Tartaren, Kirgisen rc. gewähren lassen; Schweden müßte Norwegen frei stellen, ob es ferner mit Schweden vereinigt bleiben wollte; England ebenso Schottland und Irland, denn die Bewohner beider Länder sind Celten; Belgien müßte die flämischen und französischen E erneute sich scheiden lassen; Frankreich müßte Elsaß und Korsika schwinden lassen; Sardinien ebenso Savoyen ; die Schweiz würde sich trennen dürfen in eine deutsche, französische, romanische und italienische Schweiz ; — kurz ganz Europa würde, da in allen Ländern durch die mehr oder weniger lange dauernde Vereinigung zu größeren Ländern verschiedene Nationalitäten mehr oder weniger vertreten sind, wie namentlich in Böhmen und Ungarn, Siebenbürgen, Schottland und Irland in eine furchtbare Zerrüttung und endlose bürgerliche Kriege gestürzt werden? — Aber Oestreich hat Italien stiefmütterlich behandelt; es hat sein Recht daran verscherzt. Ist dasselbe nicht auch der Fall mit den übrigen östreichischen Provinzen? Ist namentlich nicht auch Irland
von England seit Jahrhunderten gedrückt? War Oestreich selbst besser daran? Oestreich hat sich frei gemacht und will an dieser neugewonnenen Freiheit alle Provinzen, und so auch Italien Theil nehmen lassen. Es hat erklärt, daß es alle Nationalitäten respeltiren will, und es wird Wort halten, weil es muß. Also wollen wir, daß Oestreich sein Italien behalte; wir wollen ein starkes Oestreich, weil wir es zum Schutze Deutschlands gegen die Slaven nöthig haben. K. L. M.
Vom Land. *)
Es sein mt 14 Dak, do Hun aich emol ebbes ins Weilborger Blätche setze loße, wo druff aich em Lahnbore Nro. 2 I „lieber Freund-- gehaße, un uffgeforert wern, wann aich emol wirrer ebbes «(fm Gewisse hätt, mei Sach do eninn drucke ze loße. Wanns do nit sc vill kost, was aich glawe (dann sonst würn su sau lange Uffsätz eninn gemoacht) dann is mer's reecht, wann ihr's do eninn setzt. Ower verlangt nit ze vill vuu mcr; dann aich sein e Bauer; schwätz aich emol üwern Ge'nstand, wuvon aich naut verstihn, dann derft ihr mcr net gleich en's Krämche falle.
Uff dei Frok: „ob mer's reecht wer, daß dann un wann als noch emol ebbes übers Eise en de Lahnbore käm--, muß aich bei Antwort gewe, daß mer's, un noch vill anncrn Bauern onstännig is, (weils vill Bauern gitt, dei nooch Eisestan un Braunstau grawe) wann dei Leut im Land un namentlich d'e Landsturm druff uffmerksam gemoacht wern, wei schleecht die Bergordning (aach ebbes vom Eise), aich glawe, mer heßt se de Katzeellnbogisch von Anno 11, uff de Bergbau, wei e alleweil getriwe werd, paßt. Su vill aich waiß, sein awcr bei de Lannstänn karr, dei von Eisestangrawe ebbes verstihn, weßwege aich—• meint domnic Verstand nooch — glawe, mer sollt de Bergmaster, dei de Katzeellnbogcr Verordning net gar ze vill sturcrt, dei Bergverwalter un all dei Lent, dei noch Wesseschaft dvvun Hun, aus'm ganze Ländche zesomme komme löste, un nffsetze, weis in Zukunft donret gehalle wern müßt.
Wan mer dvas dan de Lannstänn ze berühre gäb, dann glaw aich, daß se ebbes ferrig brenge dähre. Der do von
*) Wir haben kieke nicht fingirte sondern wirkliche Stimme vom Vanbe, welche die Ansichten deS Landmanns auswricht. wie sie sind, trof$ der darin enthaltenen persönlichen Beziehung ausgenommen, weil wir theil# den Inhalt glaubten dem Publikum und selbst den Behörden nicht vvrentbalten ut dürfen, theils die Persönlichkeiten nur sehr unver. länglich finden konnten. Die Redaction.