147
Ist eines der Ausschußmitglieder bei der Klage selbst betheiligt, so haben die beiden Anderen statt dessen einen Einsteher aus den Gewerken der Bergmeisterei zu wählen.
Die Wirksamkeit dieses Ausschusses ist auf ein oder drei Jahre bestimmt, wonach eine neue Wahl vorzunehmen ist; doch sind die früheren Mitglieder stets wieder wählbar.
(Fortsetzung folgt.) I. B. M.
Verdienen die Staatsdiener so sehr verdächtigt zu werden, wie häufig geschieht?
Nichts Widrigeres als die beständige Verdächtigung, die gegen Staatsdiener, welche sich der neuen Zeitrichtung anschließen, erhoben werden. Es ist gar bequem, sich einen Sündenbock zu suchen, um das Bewußtsein der eignen Sünde los zu werden. Warum ließen sich denn die 45 Millionen Deutsche das frühere System so geduldig gefallen? Waren sie nicht stark genug, es abzuwerfen, wenn sie es gewollt hätten? Waren aber die Fürsten nicht selbst gefesselt durch ein System, welches ausging und gehalten wurde von einem Manne, der einen Kaiser über 35 Millionen Menschen lenkte, wie seine Feder? Mußte nicht unser jetziger Reichsverweser, Oheim des Kaisers, sowohl unter der Regierung seines Bruders als auch seines Neffen den Hof meiden, weil er freisinnig war? Wurde nicht ebenso der verstorbene Erzherzog Karl stets mit Mißtrauen angesehen und behandelt? Nein, laßt uns gerecht sein. Wir wollen den Staatsdienern nicht zum Vorwurf machen, daß sie thaten, was und wie sie thun mußten. Wir wollen nicht zweifeln, daß sie sich der neuen Ordnung der Dinge aufrichtig anschließen; wenigstens ebenso aufrichtig, als Nichtstaatsdiener, die früher ihren Deckel nicht tief genug glaubten abziehen zu können vor jedem Adlichen und höheren Staatsdiener. Sind die Staatsdiener nicht aus dem Volke hervorgegangen? Sind sie nicht Kinder desselben Vaterlandes? Ist es nicht möglich anzunehmen, daß sie dem früheren Staatssystem huldigten, weil sie es durch sein vieljähriges Bestehen, und weil sich alle geduldig hin einfügten, für das allein mögliche, für daS beste hielten? daß sie froh sind, daß ein freisinnigeres möglich geworden ist? Gewiß! — Wer von den Staatsdie- nern inhuman gewesen, wer also Härte und Nichtachtung fremden Rechtes gezeigt hat, den möge der Haß der Mißhandelten, so fern sie nicht lieber vergessen und vergeben wollen, treffen; aber nicht die Staatsdiener als solche, die den Druck, der durch die Büreaukratie auf ihnen lastete, ganz gewiß oft schmerzlich empfunden haben, wofür ich gar viele Beispiele anführen sonnte. K. L. M.
Lieber Lahnbote!
Die Zeit wird mir lang, bis Du wieder etwas über Schulsachen bringst; denn sie sind mir immer das liebste in einer Zeitung. Anfangs hast Du gemeldet, daß die Lehrer hier und da Versammlungen gehalten haben; ich kann Dir jetzt mittheilen, was die Lehrer in denselben miteinander ausgemacht haben; in beikommendem Büchelchen stehts geschrieben. Unser Lehrer hat mir dasselbe gegeben, weil er wohl weiß, daß mir die Sache sehr am Herzen liegt. Hoffentlich wirst Du uns recht bald sagen, was Du von den Ansichten der Lehrer hältst. Meine Meinung darüber sollst Du gleich erfahren.
Es gefällt mir überaus gut, daß die Lehrer eher und mehr an die Schule denken, als an die Besoldung, da doch hier
mehr fehlen mag, als dort. Nun, die Besoldung ist der Eltern Schuldigkeit, und wir werden uns nicht undankbar zeigen, wenn es gilt, einen treuen Lehrer zu belohnen. In dem Bück,eichen ist viel darüber gesprochen, daß die Geistlichen das Schul- regiment niederlegen sollen. Ich verdenke das den Lehrern nicht; denn es wird sich keine Zunft so leicht einen Prüfungsmeister aus einem andern Gewerbe gefallen lassen. 9iur wegen deS Religionsunterrichtes wollen sich die Lehrer mit den Geistlichen vereinigen, oder die Lehrer wollen blos allgemeinen Religionsunterricht ertheilen. Das nimmt schwerlich ein gutes Ende, denn die Pfropsreißer der Geistlichen passen nicht alle auf den Stamm des allgemeinen Religionsunterrichts. Für meine Kinder wünschte ich einen Lehrer, der kein Wort über Religion spräche, der aber Ehrfurcht zeigte gegen alles Wahre, Gute und Schöne, und den Hut abnähme, wenn ein ehrwürdiger Name genannt würde; einen Lehrer, der keine Sittenlehre predigte, der aber in allen Tugenden Vorbild wäre. Ein solcher Lehrer könnte jedem Vater recht sein und auch jedem Geistlichen.
Was mir aber in dem Büchlein gar nicht gefallen will, ist der Umstand, daß wir Eltern bei dem vorgeschlagenen Schul- regiment gar zu wenig zu sagen haben. Wir sollen in den Schulsynoden blos gehört werden. Da gelten wir etwa so viel, wie unsere früheren Landstände, oder wir sind das Unterhaus und die Lehrer die Lords im englischen Oberhaus, und das wirst Du, l. Lahnbote, auch nicht gut heißen, der Du ganz kürzlich erst gesagt hast, daß England der miserabelste Staat in der Welt sei. — Da lobe ich mir doch die Geistlichen, die haben uns in Kirchensachen mehr Rechte zugestanden. Es ist wahr, den Lehrern ist oft mit Undank gelohnt worden, allein die meisten Eltern sehen doch ein, welch eine saure Arbeit der Lehrer hat und daß sie ihren Kindern nichts Besseres mitgeben können, als eine gute Erziehung. Wenn die Lehrer nicht mehr Werkzeuge (Handlanger) ihrer Vorgesetzten wären, sondern unsere Mitarbeiter, ich glaube, sie würden sich weit besser dabei befinden.
Willst Du, lieber Lahnbote, Deinen Lesern die Hauptsache von dem, was die Lehrer in dein beifolgenden Büchelchen ausgesprochen haben, mittheilen, so bitte ich Dich, hinzuzufügen, daß wir uns mehr um die Verbesserung der Schule bekümmern, als die Lehrer glauben, und daß wir es besser mit ihnen meinen, als sie uns zugetraut haben.
Ich bin Dein fleissiger Leser
P. P.
ß Amt Runkel, 14. Juli. — Weil der ',Lahnbote" ein warmes Herz hat für das deutsche Volk, darum fragt er auch nach den Anstalten, in denen der Grund gelegt wird zur wahren Volkswohlfahrt, nach den Schulen. Schon vor längerer Zeit fragte er einmal: „Wer arbeitet einen neuen Plan für Abendschulen aus?" worauf er noch keine Antwort erhalten, oder sie uns wenigstens nicht mitgetheilt hat. *) Woher das kommen mag, scheint mir leicht zu erklären. Mancher Lehrer in der Stadt und auf dem Lande, mancher Pfarrer, auch mancher andere gebildete Volksfreund lstitte dem Lahnboten einen recht guten Unterrichtsplan für solche Fortbildungsanstalten mittheilen können; aber — sollen wir Pläne machen für Schulen, die nicht besucht werden? — werden die Berufenen gedacht haben; das hieße eine Mahlzeit auftragen für Gäste, die nicht kommen wollen. Es sprechen zwar Viele: »Richtet nur gute Abendschulen ein und ertheilt darin einen lebendigen, praktischen,
*) ES ist kein Plan eingegangen. Die Redaction.