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Der Lahnbote.

Gesetzlicher Fortschritt.

Zs^ 30. Weilburg, den 19. Juli. 1848.

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen basten Bogen stark; der Preis ist mit dem Beiblatt, derLahnbotin", in Weilburg vierteljährl. 50 Fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu bezieben. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrist 5 Fr. Größere Schritt wird nach Verhältniß deS RaumS berechnet.

Uebersicht:

Erklärung polit. Ausdrücke. Erwiederungen auf die Betrachtungen der Herren Buderus Söhne über Eisenindustrie. Bergrewtlichè Zustände. Wegbau. Vom Main (Polit. Verdächtigungen; Reichs» Verfassung.) Ansrage.

An meine Mitbürger.

(Schluß.)

7) Souveränität heißt Dollgewalt, unumschränkte Gewalt; Souverän, Dollgewaltsherr. Diesen Titel führten unsere Regenten im Widerspruch mit ihrem Stand an der Spitze einer constitutionellen Vèonarchie, das Volk Har ihn jetzt angenommen, und handelt diesem gemäß. Das deutsche Volk hat die Fürsten genöthigt, ihm die Souveränität abzutreten, indem dieselben sich entschließen mußten, frei gewählte Vertreter zur Gründung neuer Verfassungen d. h. constituirende Volks- kammern zu berufen, um die Verfassung für die Gesammtheit des deutschen Volkes zu Frankfurt und die Verfassungen für die einzelnen Staaten zu schaffen. Form und Inhalt dieser Verfassungen sind alsdann offenbar aus dem souveränen Willen des Volkes hervorgegangen. Wenn also das deutsche Volk durch seine Vertreter zu Frankfurt aus guten Gründen, mit wahrer Hingebung an das Gesammtwohl unsers großen Vaterlandes einen unverantwortlichen Reichsverweser bestellt, und das Fort­bestehen der einzelnen Monarchien, als von der weit über­wiegenden Mehrheit der deutschen Staatsbürger verlangt, anerkannt hat, so bestehen diese Regierungen offenbar durch den Willen des Volkes, und wer sich gegen einen Beschluß auflehnt, durch den das gesammte Volk seine Wohlfahrt zu sichern überzeugt ist; wer ihm namentlich mit Gewalt und Waffen, selbst mit Hülfe des Auslandes eine andere Verfassung aufnöthigin will, der ist ein Frevler an der Souveränität, an der Majestät des Volkes; und wenn er diese Handlung noch gar mit dem Namen Patriotismus belegt, so ist er politisch toll, und muß, wenn man ihn nicht an eine Kette legen kann, wo er sich anètobt, wie ein toller Hund, niedergeschossen werden.

Noch sind andere Allsdrücke in Beziehung auf politisches Verhalten liud Verfahren im Gange, die oft schief verstanden und gebraucht werden, z. V. Servil, liberal, konservativ, radikal, Reform, Revolution, Reaction. Servil (von servus, Sclave, Knecht) heißt knechtsinuig, und man nennt denjenigen servil, der sich aus irgend welchen unedlen, selbstsüchtigen Gründen einer nicht rechtmäßigen Gewalt oder den nicht in Vernunft und Gesetz

begründeten Ansprüchen anderer unterwürfig zeigt. Liberal, freisinnig bezeichnend, ist das Gegentheil von servil. konservativ (v. conservare bewahren, beibehalten) nennt man den, der das Bestehende möglichst zu halten sucht; radical (v. radix, Wurzel) ist, wer von Grund aus neu schaffen, die Grundlagen der bestehenden Verfassung »mattiern will. Reaction heißt Gegenwirkung; Reactionär ist also der, welcher den gesetzmäßigen Fortschritt aufhalten, das Alte, von den Freunden des Fortschrittes Verworfene oder Verdrängte zurückführen will. Reform heißt Umbildung auf den bestehenden gesetzlichen Weg; das besonnene vernunft- und naturgemäße Vorwärtsschreiten. Durch ein solches Vor­wärts schreiten wird vermieden, die Revolution, Um- oder Zurückwälzung, durch welche auf einmal alle Gesetze aufgehoben, oder doch in Frage gestellt werden, also die frühere Verfassung vernichtet wird.

Als Schluß will ich noch einige Bemerkungen über ein am 28. Juni in der Bürgerwehrversammlung vorgekommenes ordnungs- und rechtswidriges Betragen bei der Nennung des Namens unseres constitutionellen Regenten mittheilen.

Wenn diejenige Verfassung die beste ist, wodurch der Zweck des Staates: die möglichst große Freiheit durch gesetzliche Ordnung am besten gefördert wird, so ist die rein demo­kratische die beste. Aber abgesehen davon, daß diese sich in größeren Staaten nur sehr schwer (vielleicht gar nicht) bilden und halten kann, so würde in Deutschland bei der überwiegenden Vorliebe zur constitutionellen Monarchie mit demokratischer Grundlage und bei der Anhänglichkeit einzelner, besonders größerer, Theile unseres Volkes an ihr angestanimtes Regenten-- Haus, und die an dieses lind ihren besonderen Volksnamen sich knüpfenden theueren und rühmlichen Erinnerungen, worauf sie stolz sind, den Weg zur Republik nur durch Ströme von Blut und Thränen gehen, ohne daß, zumal bei den bedenklichen Verhältnissen gegen das Ausland und dessen unzweifelhafter Einmischung in diesen Kampf der endliche glückliche Ausgang gesichert wäre.

Unsere Kinder oder Kindeskinder sehen vielleicht die Republik. Jetzt wäre ihre Herbeiführung ein großes Unglück. Daher wollen wir uns freuen über den besonnenen Beschluß der deutschen Nationalversammlung und dem bewährten, treuen, edlen Johann von Oestreich ein herzliches Vivat entgegen bringen. Da also die Monarchie fortbestehen wird und soll, so ist eS Pflicht, das Ansehen der Regierung, an deren Spitze der Herzog steht, möglichst aufrecht zu halten, weil durch das entgegen-