Der Lahnbole.
Gesetzlicher Fortschritt.
Wr0- 19* Weilburg, den 12. Juli. A848«
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Uebersicht:
Erklärung polit. Ausdrücke. Fabriken und Manusacturen. Unterstützung durch Arbeit. Waldsteuer. Aussprüche berühmter Staatsmänner.
An meine Mitbürger.
Die tägliche Erfahrung lehrt, daß durch das Nichtverstehen oder Mißverstehen gewisser aus der griechischen, lateinischen und französischen Sprache entlehnter Bezeichnungen von Staats- Verfassungen große, nachtheilige, ja selbst gefährliche Vcrwir- rung Ler Begriffe herbeigeführt wird. Da hört man Despotie, Monarchie, Aristokratie, Demokratie, konstitutionelle Monarchie, demokratische Monarchie oder Monarchie mit, der brestejieu demokratischen Grundlage, Republik, Souveränität rc., daß ein Mann, der sich nicht mit geschichtlichen Studien befaßt und mit der griechischen, lateinischen und französischen Sprache vertraut gemacht hat, wohl versucht sein mag, auszurufen:
Von all' dem Zeug wird mir so dumm
Als ging mir ein Mühlrad im Kops Herumi
Begriffsverwirrungen und Verirrungen sind aber hier um so gefährlicher, als nicht sowohl blos mit Worten gestritten wird, — wobei es am Ende ziemlich gleichgültig bliebe, ob jeder die rechten Begriffe mit jenen Wörtern verbinde, — sondern vielmehr sogleich zur Anwendung und Ausführung in einer so hochwichtigen Sache geschritten werden soll; und ich glaube daher manchem meiner Mitbürger einen Gefallen zu thun, wenn ich ihnen kurz in leicht verständlicher Sprache ohne gelehrten Prunk jene Stichwörter, die uns jetzt beständig um den Kopf brummen, nebst noch einigen andern zn erklären versuche.
1) Despotie — von dem griechischen Worte Despote?, d. i. Herr im Gegensatz zum Sklaven oder Knecht — ist Einherrschaft. Also wo eine despotische Verfassung stattfindet, da sind ein unumschränkter Herr und Sklaven, d. h. dem Herrscher gegenüber sind die Unterthanen rechtlos, und wenn er diese Gewalt nicht zum Schaden der Unterthanen mißbraucht, so geschieht es entweder aus natürlicher Herzensgüte, oder aus Klugheit, oder aus Furcht. Ein solcher Herrscher kann also bei guten Eigenschaften sehr viel Gutes, im Gegentheil maßloses Unhetl stiften. Garantie oder Gewährleistung gegen Willkühr ist durchaus nicht vorhanden. — Despvti- siren heißt daher so viel als: willkührlich, rücksichtslos oder nach Laune behandeln.
2) Monarchie — von dem griechischen Worte mono«, allein und archein herrschen oder regieren — ist Herrschaft
oder Regierung eines Einzigen im Gegensatz zur Herrschaft oder Regierung Mehrerer oder Aller, d. h. im Gegensatz zur Aristokratie und Demokratie. (Von diesen nachher.) Die absolute, d. h. unumschränkte oder vollständige Monarchie beruht allerdings auf dem Gesetze, und der Monarch (Ein- Herrscher) erkennt der Form nach die bestehenden Gesetze an. Da aber nirgends Garantie oder Gewährleistung für seine Regierung nach den Gesetzen gegeben ist, da Niemand ihn dazu nöthigen kann, so ist deutlich, daß die reine Monarchie nicht viel von der Despotie verschieden ist.
3) Aristokratie — von den griechischen WörternA ry 1E, der tüchtigste, vornehmste, reichste, mächtigste, und laatein herrschen — nennt man diejenige Staatsverfassung, wo die höchsten Staatsämter nur von Gliedern auS gewissen Familien, die sich als eine edlere Menschenklasse ansehen, verwalt, t werden. Man nennt eine solche Verfassung auch Adelsherrschaft. Man spricht auch von Geldaristokratie, wenn die Reichen allein die höchsten Staatsämter erlangen sönnen . Man sieht leicht, und hat es hinlänglich erfahren, daß eine Adels- und Geldaristokratie auch in der Monarchie stattstnden kann, wenn von dem Monarchen entweder nach seinem eigenen Willen, oder auch nach altem Herkommen ' alle wichtigsten Staatsämter mit Adlichen oder Reichen besetzt werden. Auel, gibt es eine Verfassung, wo der Regent selbst von dem Adel abhängig ist; diese nennt man Oligarchie, (von dem gried. Worte Olißoi, wenige — und archeiu Herrichen, regieren. > Auch nennt man die der bevorzugten Klasse angehörigen Menschen zusammen die Aristokraten, und ihre Art zu denken und zu handeln ÄristokratismuS.
4) Demokratie — von den griech. Wörtern Demo?, das Volk, d. h. die Gesammtheit der Freien, und laatein, herrschen — ist die Verfassung, wo alle freien (d. h. nicht hörigen oder leibeignen) männlichen Mitglieder des Staates, die ein bestimmtes Alter erreicht haben — Staatsbürger — die höchste Gewalt ausüben. Die Demokratie ist entweder eine absolute, d. h. vollständige, wenn sämmtliche Staatsbürger persönlich durch Stimmeneinheit oder Stimmenmelu- beit die höchste Gewalt ausüben, z. B. Schaffest und Ab- schaffen von Gesetzen, Wahl der Obrigkeiten, Entscheidung über Krieg und Frieden rc., wie in Griechenland und Rom und auch in einigen kleinen Schweizerkantonen; — oder sie ist repräsentative Demokratie, wo diese Gewalt durch Repräsentanten, d. h. gewählte Stellvertreter ausgeübt wird. Die Ausartung der Demokratie, wenn die arme besitzlose,