Der Lahnbole.
Gesetzlicher Fortschritt.
Mro- IS* Weilburg, den 7. Juli. R848»
Dieses Blatt erscheint wöchentlich zweimal und zwar Dienstags und Freitags einrn halben Bogen stark; der Preis ist in Weilburg vierteljährl. SO Fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. — Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 5 Fr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des NaumS berechnet.
Uebersicht:
Ansprache des Reickstagsdepulirten F. Schulz an seine Wähler. Erwiederung auf die Betrachtungen der Herren BuderuS Söhne über Eisenindustrie. Fabriken und Manufacturen. Ansragen.
An meine Wähler!
(Schluß.)
Aus diesen Gründen habe ich mit dem größeren Theil der entschiedenen Fortschrittsmänner auch dem gejammten Gesetz meine entschiedene Zustimmung versagt; so wenig ich das viele Treffliche, was in demselben enthalten ist, verkenne; denn jetzt haben wir wieder ein einheitliches Deutschland, eine wahre Ge- sammtregierung unseres Vaterlandes, nachdem dasselbe Jahrhunderte lang durch seine Zersplitterung und Uneinigkeit schwach und zum Spott Europas dagestanden hat. Bei der Wahl des -Reichsverwesers habe ich meine Stimme Heinrich Gagern gegeben, da ich ihn meiner innersten Ueberzeugung gemäß nach jetziger und früherer Bekanntschaft für den Mann halte, welcher allein den komirunden Stürmen gewachsen ist. Doch habe ich auch freudig den Johann von Oestreich begrüßt, weil die überwiegende Mehrheit der Abgeordneten unseres Vaterlandes ihn gewählt und eS die erste Pflicht eines jeden Bürgers ist, sich dem Willen der Mehrheit zu fügen.
Obgleich mich eine alte Zuneigung zu unserm Erzhause hinzieht, habe ich doch Gagern meine Stimme gegeben, theils auS obigem Grunde, weil ich ihn für den tüchtigsten unter den deutschen Männern halte, theils um denjenigen gegenüber, welche das Gesetz eingebracht hatten, daß nur ein Mann aus fürstlichem Geblüt gewählt werden könne, den Grundsatz der gleichen Berechtigung aller Staatsbürger fest zu kalten, und weil ich durch diese Abstimmung auch Ihren Willen am Besten zu treffen glaubte. Sie können übrigens mit Johann von Oestreich zufrieden sein; denn er ist als Beförderer des Ackerbau's, der Gewerbe und als Volksfreund in jeder Hinsicht bekannt. Unsere deutschen Brüder im Norden und Osten hätten an einem bürgerlichen Reichsverweser großen Anstoß genommen, weil sie auf einer andern Stufe politischer Bildung stehen, als Sie. Manche haben ihm, wie unser Präsident Gagern bemerkte, ihre Stimme gegeben, nicht weil, sondern obgleich er ein Fürst ist. Sie werden ihm daher Ihre willige, freudige Anerkennung nicht versagen; denn Einheit und Einigkeit thut uns Deutschen bei der jetzigen Weltlage vor Allem Noch. Es kommt nun darauf an, daß unser Reichsverweser sich die rechten Minister
wählt. Heinrich Gagern will, wie man hört, keine Stelle im Ministerium annehmen, und er hat Recht; denn wir können ihn in der Nationalversammlung nicht missen und er muß sich für die Zukunft erhalten, darf in dieser Uebergangszeit nicht abgenutzt werden. Morgen beginnen wir die Verfassung, zunächst die Grundrechte deS deutschen Volkes zu berathen. Ueber alle wichtigen Punkte werde ich Ihnen schreiben. Wenn es zur Wahl des Reichsoberhauptes kommt, werde ich zuvor zu Ihnen reisen, um mich mit Ihnen zu verständigen. Mit herzlichem Handschlag grüßt die vielen trefflichen Männer int schönen Lahnthal Ihr Friedrich Schulz.
Frankfurt, den 2. Juli 18-18.
Erwlederullgen auf die Betrachtn» en der Herren I. W. Buderus Söhne über Eisenindustrie in Nro. 11 — 13. d. Bl.
(Fort etzung )
Vor ihr müßen wir Deutschland bewahren. Wollen wir aber diese tausendköpfigc Tyrannei, welche die Millionen knechtet, vermeiden, so muß der Staat für die allgemeinen Interessen sorgen. Der Staat soll es verbitten, daß nicht auch Deutschlands Bevölkerung zerfalle in wenige ungeheuer Reiche und viele gänzlich Arme; er muß beide gleichmäßig pflegen, muß einen starken, kräftigen und glücklichen Mittelstand, eine starke, kräftige, sich wohl ernährende Arbeiterclasse und eine starke, wohl- habende, aber auch wohlthuende reichere Classe schaffen nnd erhalten. Dazu ist es nöthig, daß er eine möglichst gleichmäßige Bewegung des circulirendcn Capitals d. h. des Blutes im Staats- körper hcl beiführc, nicht aber hier Vollblütigkeit, dort Auszehrung gesetzlich vrganisire. Wem cs an Arbeit fehlt, um sich sein Brod zu verdienen, wessen ganzes Sinnen und Trachten nur darauf gerichtet sein muß, seine körperlichen Bedürfnisse kümmerlich zu befriedigen, wer zu wenig Zeit erübrigen kann, um auch an seine sittliche und geistige Veredlung Hand anzulegeu und so sich zu be» reineren, erhabeneren Genüssen zu befähigen, zu welchen ihn Gott geschaffen hat, ist und bleibt ein solcher nicht ein Sclave der Sinnlichkeit, liegt er nicht in den schmählichen Fesseln der materiellen Noth? England kann daher unser Muster nicht sein. Nur die durch den allgemeinen industriellen Aufschwung bewirkten Fortschritte der Wissenschaften, welche die Wohlfahrt der Menschen zur Aufgabe haben und somit auch der Arbeiterklasse einigermaßen zu Gute kommen, geben dem