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und Besonnenheit sowohl als nachhaltiger Kraft ihr Ziel verfolgen. Schon das wohlausgearbeitete Programm war ein Beweis hierfür. Nur in Einem Punkt schien die Versammlung noch zu sehr au alten Zuständen festzuhalten. Manche Vorschläge waren uns noch zu büreaukratisch. Man ging bei der Behandlung der Dinge zuweilen zu sehr von Oben, vom Gipfel aus, anstatt den Bau erst recht fest in seinen Grundlagen zu legen. Nach unserer Ansicht hätte man die Verfassung und Verwaltung des Gemeinde- und Bezirksschulwesens zunächst mehr in's Auge fassen sollen. Alsdann würden sich für die Organisation des "Oberschulcollegiums" einfachere und fruchtbringendere Gesichtspunkte ergeben haben. Von der Entwicklung der Volksschule wird überhaupt in der nächsten Zeit Blüthe und Schicksal des gesamm- teu Schulwesens abhängen. Ehre und Dank aber den nassauischen Schulmännern, welche mit Eifer und Umsicht den Neubau begonnen haben!
Weilburg, den 19. Juni 1848.
Von Mannheim und Heidelberg zurückgekehrt rückten die Truppen der hiesigen Garnison heute früh 8/2 Uhr wieder ein. Die ganze Bevölkerung der Stadt war auf den Beinen, um die Ankommenden mit herzlichen Grüßen an der Grenze zu empfangen. Viele Häuser waren mit Fahnen und Blumenkränzen festlich geschmückt, und das heitere Blau des Himmels lächelte freundlich zu dem herzlichen Empfang. Das Volls- wehrbataillon war ausmarschirt, und dessen Be- fehlsbaber, Herr Georg Wimpf, begrüßte die Kommenden mit einer kurzen Anrede, der ein dreifaches Hoch von Seiten der Wehrmannschaft folgte. Herr Obrist Keim erwiderte den Gruß, und darauf zogen die Truppen, vereint mit der Webrmannschaft, unter dem Donner der Kavonen und dem Geläute der Glocken in die Stadt.. In den Augen der Frauen und Jungfrauen glänzten Tbränm freudiger Rührung; und es wurde der heutige Tag ein Tag des Festes. Möge das frohe Beisammensein nicht wieder gestört werden.
Anfragen:
Wer läßt sich nicht gerne ein Gut schenken mit der Verbindlichkeit, davon alljährlich die üblichen Staatssteuern zu entrichten! Wenn nun sämmtliche Zehnten ohne Entschädigung abgeschafft würden,
in dem unbegreiflichen Wahne, daß ja die Einkommensteuer Alles ausgleiche, also der Staat unsern reichsten Gutsbesitzern viele Tausende zum Präsent machen sollte, um sich mit den Steuern des freigebig weggeschenkten Gutes zu begnügen, würde das Volk dann endlich merken, daß es überlistet und verrathen worden sei?
Wenn die beabsichtigte Landes-Hypothekenbank errichtet würde und Rothschild sich nach vier Jahren im Besitz sämmtlicher Scheine befände (was ihm nicht schwer fallen möchte): wer würde bei der etwa erfolgenden Veräußerung der hypothecirten Staatsgüter uns gegen enorme Verluste sicher stellen ?
Aussprüche berühmter Staatsmänner.
Dahlmann: Diese vielen Kanäle des Wissens, von aller Welt Enden hergeleitet, durchfurchen unser Grundstück so, daß der festere Schritt und das gediegene Wefen leicht auf diesem zerstückelten Boden Schaden nimmt. Die Kluft zwischen Wissen und Können, Kraft des Verstandes und Kraft des Characters ist ungeheuer groß geworden. Die am meisten von Tapferkeit lesen und lehren, sind sie tapfer? bringen sie wirklich dem Vaterlande Opfer? Wissen wir wirklich für uns selber oder nicht bei Weitem mehr für Andere? Alles bloß aufgenommene Wissen ist krank und macht Kranke. Wo ist darum Siechthum mehr zu Haus, als bei den Gelehrten? Wo findet sich eine trostlosere Mischung von schadenfroher Menschcnverachtung und krankhaftem Ehrgeize ? Wo fehlt häufiger jenes kräftige Gleichgewicht der geistigen und körperlichen Thätigkeiten, welches den gelungenen Menschen bezeichnet.
Zöpfl: Wir finden nur in der constitutionellmonarchischen Staatsform, wie sie Belgien ausgeprägt hat, eine Gewäbr der Einheit des ganzen deutschen Volkes und eine Bürgschaft gegen das Zerfallen Deutschlands in drei oder vier gesonderte, und sodann voraussichtlich sich alsbald feindlich gegenüberstehcnde und gegeneinander selbst zerfleischend wüthende Läudcrmassen; welches außerdem klar voraussichtliche Ereigniß wir als das größte Unglück betrachten würden, welches Deutschland gegenwärtig betreffen könnte, und ben Westen von Deutschland ebenso wie zur Zeit des Rheinbundes unter die Herrschaft von Frankreich, einen Theil des Osten aber in die Klanen Rußlands bringen würde.
Jm Namm der Redaction: Krebs und Gödecke. — Druck und Verlag von L^ E. Lanz.