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gäbe, daß aber keine unter ihnen im Stande wäre, alle Staatsbürger reich zu machen, und daß es schamlose Betrüger seien, die Allen einen Himmel auf Erden versprächen ich glaube, sie würden viel dazu beitragen können, die gräßliche Aufregung eines im heillosen Irrthum befangenen Theiles unsrer Mitbürger zu beschwören und damit dem Vaterlande zur Zeit der größten Gefahr einen be- demeuderen Dienst erweisen, als mit der sofortigen Reorganisation von Kirche und Schule. Alles zu seiner Zeit!

/t Hüblingen, 14. Mai. Auch wir stimmen unseren Brüdern und Nachbarn zu Mittel­hofen und Neunkirchen wegen des Krempler Hofes mit Freuden bei. Was die Neunkircher davon erzählt, können wir nicht nur bestätigen, sondern auch noch hinzusetzen, daß wir, als die 2-ljährige Pachtzeit beinahe um war, unseren Schultheiß Schwanz selbst nach Wiesbaden geschickt haben, um nöthigen Falls fl. 300 mehr zu bieten. Er wurde aber abgewiesen, weil der Hof dem reichest Pächter ohne öffentliche Versteigerung auf eine Reihe von Jahren fortgeschrieben war. Wir hoffe» nun, daß unsere Landstände, denen wir die Lage der Dinge vortragen, den Vortheil des Staates und der Armen von drei Gemeinden, denen es an der Gelegent-eit fehlt, zur Stillung des Hungers auch nur ihren Bedarf an Kartoffeln zu ziehen, mehr berücksichtigen werden, als den eines reichen Mannes , der seine Kinder alle versorgt sieht und bisher in seiner ungerechten Bevorzugung auf uns arme Gemeinden, die wir von ihm abhängig waren, mit Hohn herabblickte.

6 Von der Elb, 14. Mai. Ueber die Bemühungen der alten Schultheißen bei den neuen Wahlen wieder an das Ruder zu kommen, wovon der Artikel vom Westerwald in Nr. 9 spricht, lasse» sich auch in unsrer Gegend Beobachtungen anstellen. Vor der Zukunft wird Angst gemacht, mit Eberbach bedroht, dabei aber auch wieder viel Gutes versprochen, Frucht und Geld auge­boten, was später abgearbeitet werden könnte. Wenn man bedenkt, daß die Aufregung bei dem vorläufigen Schultheißenwechsel so groß war, daß Todschläge erfolgt sind, so möchte man den Land­ständen anrathen, die jetzigen Schultheißereiver- walter einstweilen auf die Daner von drei Jahren bestätigen zu lassen, damit die Gemeinden in der Zwischenzeit sich beruhigen und unter einander einig werden.

V' Catzenelnbogen, 28. Mai. Unser Berg - und Hüttenwesen liegt noch immer darnieder. Eine plötzliche Rückkehr des allgemeinen Vertrauens stellt nicht in Aussicht; doch bürgt die Haltung Deutschlands, so wie die unserer westlichen und öfHidxn Nachbarn für eine friedliche Lösung aller inneren und äußeren politischen Fragen. Mit der Feststellung dieser Staatsverhältuissc und Be­ziehungen gegen das Ausland übernimmt die In­dustrie wieder ihre frühere Rolle auf der Welt- bühne. Bis zu diesem Zeitpunkte kann aber der gegenwärtige unglückliche und zum Theil gefähr­liche Stillstand unseres ersten inländischen Jn- dustriezlveiges nicht andauern,

Die vorgeschlagene Creirung von Papiergeld gegen Unterpfand in Eisenwerken kann nicht so rasch in Ausführung gebracht werden, wie cs der augenblickliche Nothstand so dringend erheischt. Im Interesse des ganzen Landes müssen sämmtliche Staatsbürger nach Kräften zur Aufrechthaltung unserer Eisenindustrie Mitwirken; namentlich die­jenigen, deren Geschäfte sich mit dem Umsätze der alltäglichen Lebensbedürfnisse befassen. Hierhin ge­hören besonders Müller, Bäcker, Fleischer, Speccreihändler rc. rc. Unsere Berg- und Hüttenleute arbeiten gerne ohne, oder gegen höchst geringe Baarauslohuung, wenn ihnen nur die Sub­sistenzmittel für sich und die Ihriger! geboten werden. Das Gleiche gilt großen Theils von den Fuhrleuten.

Eröffnen die Gewerkschaften ihren Arbeitern und Fuhrleuten bei den betreffende,! Geschäfts­männern für den nöthigen Lebensunterhalt einen Credit im Betrage ihrer Löbnung (abzüglich der allenfallsigen Baarzahtung^, so ist denselben und somit der Allgemeinheit für die erste Zukunft geholfen.

Am passendsten erschiene die Ausgabe von An­weisungen (Bons), contrasignirt von den Platz- oder Schichtineistern und gestellt "auf ein ge­wisses Datum gegen Baareinlösung." Die Ausführung könnte um so weniger auf Schwie­rigkeiten stoßen, als in fast allen Gesck)äftszweigen ein Credit von Messe zn Messe gegeben, besonders aber bei den angezogenen Gewerben noch länger und häufiger ertheilt wird. I. B. M.

a Weilburg, den 20. Mai. Wie wich es iu's Künftige mit den Anfängern im Staats- dienjie, Candidaten, Accessisten rc. zu halten sein? Muß jeder, weil er Studirkojäen verwendet und ein Eramen bestanden hat, angestellt werden? Meines Erachtens, ja; eine Probe muß mit einem solchen gemacht werden. Wie steht es aber