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ES ist durchaus keine Unbilligkeit, wenn auf diesen theilweise auf Landeèkostcn gemachten Vicinalwegen später, von Allem, was auf denselben für Lohn oder zum Verkauf gefahren wird, einige Zeit zum Vortheil der Landessteuer-Casse ein billiges Weggeld erhoben würde. Der leichte Transport wird diese Abgabe hundertfach einbringen. —
Auf diese Weise kann man auch mit einer vcrhällnißmäßig kleinen Summe viel nützen — viele Leute beschäftigen — viel leichter, weil jetzt Taglohn und Lebensmittel wohlfeil sind. Es kann an diesen Anlagen nichts verloren gehen, weil sie immer ihren Werth behalten, und täglich Zinsen tragen, während unnöthig aufgehäuste Eisenerze und Hüttenprokucte lange nnd auf unbestimmte Zeit unbenutzt liegen bleiben und Zinsen verzehren werden — und dann bei den günstigsten Aussichten der Transport immer theuer sein wird, während wir auf diese Weise dafür sorgen, daß das, was künftighin am Transport erspart wird, am Werthe deS Eisensteins mehr bezahlt werden kann.
Der Vorsitzende Heinrich Gagern. (Schluß)
ff Frankfurt, 2L Mai. — Schon als er aus dem Staatsdienst getreten, hatte er bei einem Gutsbesitzer in Rheinhessen die Landwirth- schaft theoretisch und praktisch erlernt und übernahm nun von seinem Vater das Gut zu Monsheim bei WormS.
In dieser Gegend, welche unsere Vorfahren mit Recht dm "Wonnegan" nannten und wohin sie ihre schönsten Sagen vom Rosengarten und ihrem Helden Siegfried legten, ist es allerdings eine Freude, Landmann zu sein. Mit Eifer widmete er sich der Landwirthschaft und bald konnte sein Gut für ein wahres Muster gelten, so daß die Bewohner Rheinhessens ihn zum Präsidenten ihres landwirthschaftlichen Vereins erwählen wollten. Die Regierungspartei wußte dies für den Augenblick zu hintertreiben; aber 184» erfolgte seine Wahl dennoch. Gagern hat sein ganzes Leben für die Freiheit und die Ehre seines Vaterlandes gekämpft, für freie Presse, Unabhängigkeit der Gerichte 1C. Indem er ein bürgerliches Weib nahm, trat er dem Volke noch näher und gewann dessen Vertrauen immer mehr. Im Jahr 1846 leitete er in Alzey eine Volksversammlung, deren Zweck war, die nöthigen Schritte zu thun, um die
bestehenden Gesetze Rheinhessens gegen die Einführung eines neuen Civilgesetzbuches zu schützen, worüber man in Darmstadt sich sehr erzürnte. Wiederum in die Kammer gewählt, welche fast ganz aus Staatsdienern bestand und wegen ihrer allzugroßen Vorliebe für das Wörtchen: „Ja„ im Lande sehr beliebt war, brachte er ganz neues Leben in diese verstorbene Anstalt. Der Sturm der letzten Monate machte ihn zum Volksminister, zum Wohlthäter Hessens. Selbst dieser Posten, welcher in unsern Tagen mancher Volksthümlichkeit zum Grab ward, hat diesem Manne nichts anhaben können, sosehr man sich von mancher Seite Mühe gab, dieses Verhältniß auszubcuten. Gagern hat sich bei seiner Wahl zum vorläufigen Vorsitzenden des verfassunggebenden Reichstags für die Machtvollkommenheit (Souveränität) des Volkes ausgesprochen. Hätten diejenigen, welche sich zu den entschiedensten Maßregeln bekennen, ihn früher näher gekannt, so wäre Gagern nach ihrer eignen Aussage einstimmig gewählt worden. Er wird wohl zunächst der Vorsitzende der Nationalversammlung bleiben und dann wahrscheinlich der Vorsitzende unserer vollziehenden Behörde, unserer Neichsregierung werden. Seine stattliche, ritterliche Persönlichkeit, welche ihn zum Liebling der Frauenwelt machte, seine Kraft, seine Kenntnisse, seine Umsicht, sein staatsmännischer Blick befähigen ihn vor Allen dazu. Wir haben uns ihn vom Pfluge her an die Spitze des Vater- landes gerufen. Sein hochbejahrter Vater, einst Minister und unter den Ersten Deutschlands, jetzt ebenfalls Landmann, darf mit Freuden von den stillen Höhen des Taunus auf den trefflichen Sohn in der alten Kaiserstadt hinabschauen, wo er au der stolzen Zukunst des Vaterlandes baut.
F. S.
ff Dom Main, 20. Mai. — Durch alle Staaten geht die Klage über die Beamten, daß sie ihrer Stellung nicht gewachsen seien. Man fragt, können diese Beamten den öffentlichen Geist lenken, die Klassen der Gesellschaft übersehen, ihnen durch ihre Persönlichkeit Achtung gebieten? Das Volk will nur von solchen geleitet sein, die wirklich über ihm stehen. Man erschrickt, wie jetzt zu Tage kommt, nut wie wenig Weisheit in den letzten Zeiten die Staaten gelenkt wurden, wie faul und morsch Alles war. Die sogenannten Staatsmänner dachten nur au den nächsten Tag und trösteteu sich mit dem berüchtigten: „nach