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ihre Güter Landescigcnthum. Sic waren Fürsten, Die ganz unzweifelhaft bloß Domänen, kein Pri- valeigcnthum hatten. Jene Fürstenthümer wurden mit Nassau vereinigt, folglich kann das, was darin Landeseigenthum war, nicht Privateigeu- thum eines Domkapitels werden. In einigen Ländern spricht man davon, die Besoldung der Geistlichkeit zu verringern, soll sie nun bei uns noch mehr erhalten? Jedenfalls muß man die Landgemeinden schnell an die neue Ordnung der Dinge fesseln, zunächst durch gänzliche Aufhebung der Reallasten, damit sie anderseitigen Einflüste­rungen kein Gehör schenken*).

6 Hadamar, 30. März. Der Zorn der Landbewohner ist hauptsächlich gegen die Forst­beamten gerichtet und es ist nicht zu leugnen, daß sich dieselben hier nnd da Verkehrtheiten haben zu Schulden kommen lassen. Im Ganzen aber sird die Personen weit weniger Schuld als die schlech­ten Forstgesetze und die Bestimmungen, welche von Oben herab getroffen wurden. An die Stelle der bisherigen Hartherzigkeit und des Wuchers wird jetzt eine menschenfreundlichere Verwaltung der Forsten treten, ohlte diesen großen Schatz des Landes willkürlicher Ausbeutung Preis zu geben. Besonders sind die Bauern auch gegen die vielen Oberforstämter erzürnt, weil sie kostspielig und zeitraubend seien. Es würde daher wohl das Beste sein, wenn in Zukunft nur Ein Obersorst- amt bestände, etwa mit einem Oberforstrath und einigen Assessoren und Accessisten und zwar in einer der Städte, welche in der Mitte deS Her- zogthums liegen, damit die Behörde dem Wester­walde und Taunus gleich nahe wäre.

u Von der Lahn, 29. März. Bei den jetzigen Bedrängnissen unseres Gewerbstandes muß es als Ehrensache angesehen werden, daß Niemand unnöthiger Weise Hausgerâthe von ausländischen größeren Städten kommen läßt, sondern den in­ländischen Gewerbstand auf alle mögliche Weise zu unterstützen und zu ermuntern sucht.

w Weilburg, 1. April. Es ist von hie­sigen Bürgern an die Limburger eine Adresse ab­gegangen, worin letztere aufgefordert werden, alle gesetzlichen Mittel anznwcnden, um die im colle- ßium germanicum zu Rom gebildeten Geistlichen, welche nach einem Gesetz gar nicht hätten ange­stellt werden dürfen, aus ihren einflußreichen Stellen zu entfernen.

Anfrage.

Wer soll zum Präsidenten des deutschen Bun­desstaates ernannt werden?

Antwort.

Der volksthümlichste Prinz Deutschlands, ein Sproß des alten Kaiserhauses, ein Mann, auf den schon Stimmen aus Nord- und Süddeutsch- land gefallen sind der Erzherzog Stephan.

__________ F. S.

Aussprüche berühmter Staatsmänner.

Friedrich List.

Eine verkrüppelte Agricultur heißen wir denjenigen Zustand, in welchem aus Mangel einer tüchtigen oder allmählig sich entwickelnden Manu- facturkraft aller Bevölkerungszuwachs sich auf die Landwirthschaft wirft, die landwirthschaftlichen Ueberschuß-Producteaufzehrt, und sobald er erwachsen ist, entweder auswandert, oder mit den bereits eristirenden Landwirthen in den vorhandenen Grund und Boden sich theilt, bis der Besitz jeder Familie so klein geworden ist, daß sie nur noch das Roth- dürftigste ihres eignen Bedarfs an Lebensmitteln und Rohstoffen, aber keinen bedeutenden Ueberschuß producirt, welchen sie an die Manufacturisten gegen die ihr erforderlichen Fabrik-Producte vertauschen könnte. Bei normaler Entwicklung der productiven Kräfte sollte der größere Theil dèr Bevölkerungs­vermehrung einer Agriculturnation, sobald dieselbe einen gewissen Grad von Ausbildung errreicht hat, in die Fabriken übergehen und der Ueberschuß der landwirthschaftlichen Produkte sollte theils der Fabrik- Bevölkerung Subsistenzmittel und Rohstoffe liefern, theils den Landwirthen die zu Vermehrung ihrer Pro­duction erfordert. Fabrikate, Maschinen rc.verschaffen.

*) Wir können nicht an so weit greifende Pläne glauben, als dieser Artikel sie vorlegt. Da derselbe uns aber von achtbarer Hand zugekommen, nehmen wir kei­nen Anstand, ihn mitzutheilen. Die Red. g

Berichtigung.

In Nr. 3 des Lahnboten, pag. 21, Zeile 2 von oben ließ 1525 anstatt 1825.

Im Namen der Redaction: Schulz und Gödecke. Druck und Verlag von L. E. Lanz.