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Weilburg, den 20. December.

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Monarchie und Republik.

Ein Schreiben aus Brüssel in der Allgemeinen Zeitung führt folgende Lergleichung durch:

Ehe die Februarereignisse ein traten, schien sich Brüssel zu gefallen, Paris nacbzuäffen. Brüssel eignete sich die Moden, die Thorheiten, den Geschmack, die Literatur, die Presse, und die Utopien der Hauptstadt Frankreichs an. Paris war der Sitz einer systematischen Opposition gegen die Regierung; Brüssel opponirte am jeden Preis. Paris regierte Frank« reich auf Kosten der übrigen Theile des Landes; Brüssel trachtete nach derselben Suprematie über Belgien. Brüssel wollte den gxößer» Theil des Bridgets und den Reichthum des Landes in sich zusammenfassen. Als der 25. Februar herankam, glaubte Paris, Brüssel würde den Ruf: "es lebe die Republik!« erwiedern, die eine und untheilbare Republik ausrufen, Leopold verabschieden, seine Ledru-Rollins,. seine Ludwig Blancs (hier Gargottes und Kats genannt) empor» Heben, sich ruiniren, ins Elend stürzen, und sich über so vieles Unglück mit Elubbs und dem schönen Schauspiel fortwähren­den Aufruhrs trösten.

Glücklicher Weise hat Brüssel die Hoffnung der franzö­sischen Hauptstadt getauscht; es hat seiner Nachahmungslust Schranken gesetzt, nachdem es begriffen, daß Paris seinen Thorheiten keine Schranken setzen würde. Jetzt ist die Haupt- statt Belgiens die Gegenfüßlerin der Hauptstadt Frankreichs. Paris hat seine glänzende Außenseite gegen Lumpen vertauscht; seine Theater sind leer, seine Tanzsäle stumm, seine reichsten und elegantesten Magazine geschlossen, seine Wirthshäuser verlassen, Handel und Wandel vernichtet.

Brüssel hat sein schönstes Feierkleid angezogen; es ist glänzend,. es war nie schöner, nie glücklicher. Paris ist be­täubt, traung, betrübt. Brüssel ist froh, vergnügt, stolz, und zufrieden mst sich selbst. Paris, von der Gegenwart gedrückt, denkt mit Schmerz an die Zukunft. Brüssel freut sich der Gegenwart und fürchtet die Zukunft nicht. Paris ist nur durch den Belagerungszustand, die Herrschaft deâ Säbels, und das Martialgesetz einigermaßen benihigt. Brüssel, ist frei und ruhig; es braucht nicht die halbe Armee des Landes zu seinem Schutz. Welcher Kontrast! Aber dieser Kontrast ist noch größer zwischen dem König, Haupt der belgischen Nation, und dem Bürger, Haupt der französischen Regierung. Das Hotel des Bürgers Eavaignac gleicht dem Zelt eines Konsuls in der Mitte eines Lagers dem Feinde gegenüber. Zahlreiche Posten vertheidigen es; alle Zugänge sind bewacht; es stößt »n eine große Kaserne; sämmtliche benachbarte Häuser sind militärisch besetzt. Leopeld - ,m König lebt ruhig-

in Brüssel, bald in Laeken. Vor seinem Pallast ist nur eine gewöhnliche Wache. Der 24. Februar erforderte keine be­sondern Vorsichtsmaßregeln- Eavaignac kann nur mit Hstse des Velagcrungsstaudes, einer Armee, endlich nur als Diktalrr regieren. Leopold regiert mit den freiesten Institutionen von der Welt, ohne andere Garantien, als die Liebe dör Bürger und den Geist der Ordnung, von welchem sie beseelt fint. Eavaignac hält die Ordnung in seiner Hauptstadt nur auf­recht, indem er die Presse unterdrückt, die Elubbs beschränkt, die Intelligenz in Fesseln schlägt, und jeder Opposition außer­halb der Nationalversammlung einen Zaum anlegt. Leopold sieht die Hauptstadt und düs Land ruhig, ohne der freien Aeußerung der Meinungen daS geringste Hinderniß in teil Weg zu legen, ohne die Freiheit der Elubbs zu beschränken, oder die Theater unter Zensur zu stellen, ohne der Opposition Schrecken einzuflößen.

Unter dem Bürgersäbel Cavaignacks wurde eine, monar­chische Feder nicht eine Zeile zu Gunsten der Monarchie zu schreiben wagen. Unter deni monarchischen Zepter Leopolds predigen die republikanischen Publizisten die Republik nach Gefallen, deklamiren gegen die Könige in voller Freiheit. Unter der demokratischen Republik Eavaignac'ö finden die Auff ständischen keine Gnade, vor ihren Richtern. Diese Richter sind dieselben Soldaten,, welche sie überwunden haben; die republikanische Freiheit nimmt ihre Zuflucht zu Ausnahme­gerichten. Unter der konstitutionellen Monarchie Leopold's überfallen bewaffnete, treulose Bürger das Vaterland; ein Haufe fremden Gesindels unterstützt sie;, sie wollen gemein­schaftlich Thron und Institutionen umstürzen. Man bringt sie vor die gewöhnlichen Gerichte dcö Landes, ihre Mitbürger richten sie. Der Auserwählte der Nationalversammlung in Paris scheut es, sich öffentlich zu zeigen;, er fürchtet für fehl Leben, so oft er ausgeht. Der Auöcrwahlte des Natiouat- kongresses in Brüssel begibt sich mitten unter sein Volk, geht' spazieren in den Straßen, geht an Volksversammlungen vorüber.. Eavaignac sieht seine Popularität im Abnehmen. Leopold sièht seine Popularität im Zunehmen. Die Liebe der Bürger für seine Person tritt jeden Tag mehr hervor. Eavaignac wird das Symbol der Ordnung durch den Säbel bleiben. Leopold wird immer ein Muster der Monarchen bleiben, welche die Ordnung durch die Freiheit aufrecht, erhalten haben, tue Freiheit durch die Ordnung. Europa segnet Eavaiguac^ weck er die Hyder des Sozialismus und die Unordnung gebänt^r hat; es segnet mid bewundert. Leopold, mni er die gic^ liebe» lehrt.