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Vie Lahnbotin.

Äro- 33» Weilburg, den 15. December. 1848«

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen Viertel Vogen stark als Beiblatt zumLahnbotcn"; der Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 3 kr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Raums berechnet.

Democrarie

»das ist Kraft und Geltung des Volkswil- lens," wollen wir Deutsche Alle. Wir wissen aber auch, daß dieser Volkswille weder von dem ganzen deutschen Volk noch auch von seinen einzelnen Stammen etwa auf einer großen Wiese ausgesprochen werden kann, und haben daher sowohl für die einzelnen Länder als auch für ganz Deutsch­land Volksvertreter gewählt, um nach der Mehrheit ihrer Stimmen den Willen des Volks auszusprecheii. Diejenigen nun, welche sich dem durch die Mehrzahl der Volksvertreter ausgesprochenen Volkswillen unterwerfen, sind ächte Democra- ten; diejenigen aber welche mit Hilfe einzelner Rotten des Volks ihren Eigensinn gegen den von der Mehrzahl der Volks­vertreter ausgesprochenen Willen des ganzen Volks geltend machen wollen, sind keine Democraten sondern nur Rotte- craten; die Führer solcher Rotten erkennen nicht die Souve- ränitât des Volkswillens an, sondern wollen souverän über dem Volkswillen sein, man kann sie mit Recht "Rotte- souveräne" nennen. Diese Sätze sind so wahr und klar daß kein ächter konstitutionell-monarchischer Democrat, kein achter republikanischer Democrat etwas dagegen einwenden kann, es sind unwandelbare Felsen der Wahrheit inmitten der brandenden Wogen von Lüge und Zweifel. Wer auf diesem Felsen steht der wird zu seinen Füßen die Lügengeister zer­schellen sehen. Jeder wahrheitstreue republikanische Democrat wird aber auch zugestehen, daß in Deutschland nach dem Aus­spruch der Mehrheit der Volksvertreter und ohne Zweifel auch des Volks nur die Anhänger eines konstitutionell-monarchischen Grundgesetzes als Vertreter des Volkswillens, als Democraten in Wahrheit angesehen werden können, und daß es einem ächtet! Republikaner in Deutschland nicht geziemt durch Rotten die Einheit, Eintracht und Kraft des Volks zu schwä­chen; daß Volkswille und Volkswohl ihm nicht erlauben, an­ders als friedlich durch fortschreitende Belehrung wirken, und nach der Mehrheit streben zu wollen ohne Aufruhr von Rotten gegen den anerkannten Volkswillen. Zur Belehrung der Wahr­heit haben wir Preßfreiheit, Redefreiheit, Vereinsrecht rc., nicht aber für gewaltthätige Rotten gegen den Volkswillen. Wer bei uns die Mehrheit der Reichsversammlung oder der einzelnen Landständeversannnlungen verdächtigt, berabwürdigt, der ist kein Democrat, sondern ein Feind der Volks Herrschaft, ein Fftnd deutscher Einheit und Kraft. Das Geschrei der Rottecraten klingt vortrefflich in den Ohren der innern und äußern Gegner unserer Einheit; leider, mit Schmerz muß es der wahre Vaterlandsfreund bekennen, ist uns nur »och eine kurze Frist zur Möglichkeit einer starke»

Einheit vergönnt. Wenn Oesterreich und andere Länder wieder in Ruhe erstarkt sind, dann ist die Frist verstrichen, dann gelangen wir nicht ohne Oesterreich zur starken Einheit, noch weniger mit Oesterreich, dieses wird alsdann Einfluß ver­langen und sich nicht mit einem völkerrechtlichen Bun du be­gnügen, und wir werden spät am Abend zu müde sein das schwere Tagwerk auszufechten. Auch der staatSkluge Vor­schlag des Reichstagspräsidenten von Gagern wird dann nicht mehr ausführbar sein. Ueber bem Streben das nach den Verhältnissen Unmögliche zu erreichen, werden wir das Mög­liche verlieren, durch Uneinigkeit welche der Stimme der Wahrheit und Mäßigung selbst bei der Mehrheit sein Gehör gestattet, weil Letztere den Willen des Volks vertreten will und dieses in solcher Frage noch zu aufgeregt, zu wenig klar ist. Wir werden aber dem deutschen Volkswillen nicht wehe thun, wenn wir behaupten, daß wir die wahre Einheit von Deutschland ohne Oesterreich (mit diesem aber in gutem völker- myrsichen Bündniß) vorziehen dem Schein der Einheit mit Oesterreich ; so wie ferner daß wir Oesterreich nicht gegen den Willen seines Volks zur neu beschlossenen festern deutschen Einheit zwingen und dadurch auch das gute Einvernehmen und Bündniß beider Brudervölker auf daS Spiesssetzen wollen. Ja, die Mehrheit des deutschen Volkes wird auch bald erken­nen daß wir bei solchem Kriegsunternehmen nicht nur unsere innere Uneinigkeit und Oesterreich, sondern auch alle andere Nationen gegen uns haben würden, die uns am liebsten in Zwietracht mit Oesterreich sehen; und gewiß kein Gelüste haben uns fester als bisher zu vereinigen, da wir schon ohne Oesterreich an Seelenzahl und Kraft jeder andern Nation gleich sind. Wir wünschen wohl Einheit mit Oesterreich; aber unerreichbare Wünsche sind Träume und mit Träumen kommt man nicht vorwärts. Die Volksvertreter und ihre Majorität dürfen sich nicht mit der Wahrheit der Thatsachen in Widerspruch setzen, nicht selbst die Volksrechte, die Rede­freiheit verletzen, sie können ebenso wenig behaupten und durch­setzen : daß ein Bock Milch gebe als das Zunageln der Thüren, Beschimpfen, Mißhandeln, Bedrohen (der Abgeordneten) mit Stricken, Messern und kurzen Beilen, Freiheit sei, wie leider die Berliner Versammlung erklärt hat. Solches Verleugnen der Wahrheit hat zur anarchischen Verweigerung der Steuern geführt. Der Bock gibt dennoch keine Milch, wenn er aber zu groß wird, so bricht der Volkswille ihm das Horn.

Wir sehen überall, so bald die Rottensouveräne sich groß dünken, offen auftreten und durch klare Handlungen ihre wahre Gestalt zeigen, zerbricht ihnen das Volk" die Hörner mit sagt einfach verständig:

"Recht muß doch Recht bleiben."