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Die Lahnbotin.

ZU 31» Weilburg, den 6. December. 1848*

Diese# Matt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen Viertel Vogen stark qlS Beiblatt zumLahnbot«»"; ter Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen atter Art werken in diesem Blatte ausgenommen und tostet die Zeile in Petitschrift 3 fr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Raums berechnet.

Politische Gewürzschachtel.

(Eingesandt.)

In dem Erfurter Adreßblatt Nro. 179 steht folgender

Artikel, der in weitern Kreisen Verbreitung verdient. Dem Herrn Abgeordneten Kaufmann Krackrügge Wvhlge- boren aus Erfurt, k. Z. in Berlin.

Herr Abgeordneter!

Ein sechsstündiger Bürgerkrieg hat am 24. d. M. in unsern Mauern stattgefunden, und Mut ist in unseren Straßen geflossen. Die Eröffnung des blutigen Kampfes, der ein Scbandstcck für Erfurt und .fest Jahrhunderten unerhört in den Jahrbüchern seiner Geschichte ist, ging von einem Theile unse­rer Bürgerwehr aus. Während die Pflicht der Bürgerwehr erheischte, dem Gesetze Achtung zu verschaffen, stellte sich jener Theil, und in seinen Reihe» Volksmassen mit Aerteu und Sen­sen bewaffnet, feindlich den Behörden gegenüber, führte einen meuchlerischen Angriff auf das- Militär aus und schoß niedre desselben rücklings nieder, noch ehe dieses irgend Gebrauch von seiner Waffe gemacht, ja noch ehe die Truppen geladen hat­ten. Unzweideutig bekundet diese Schandthat, der noch weitere Greuclsceuen folgten, welche Entsittlichung in einem verführten Theile unserer Einwohnerschaft Platz ergriffen Haft und wie der Sinn für gesetzliche Freiheit und Ordnung in ihm verkehrt worden ist. Ein greller Contrast gegen anerkannte Pflicht­treue, Biederkeit und Loyalität, durch welche sich die Bewohner Erfurts stets auszeichueten. Fragen wir nach den Quellen- und eigentlichen Ursachen dieser moralischen Entartung, in Folge derer wir so viele Opfer beweinen, so können wir solche vornehmlich nur finden in den von Ihnen Jahre lang fort­gesetzten Bestrebungen. Anstatt, wenn Sie es überhaupt ver­mocht hätten, unsere Einwohnerschaft in mäßiger, würdiger Sprache, über ihre wahren Interessen zu belehren, den Sinn für Ordnung und gesetzlichen Fortschritt, für ovnstitutionelles Staatsbüvgerthum, das wir ja Alle wollen, zu wecken unb auszubilden, haben Sie Mißtrauen gesäeft die unbemittelten Klassen gegen- die bemittelten aufgereizt, und den Boden für politische Entwickelung, soweit Sie sonnten, vollständig unter# wühlt. Sie waren es, der die Ereignisse vom 14. März auf perfide Weift, der Wahrheit zum Hohn, und die Ent­rüstung der Einwohner Erfurts mißachtend, für Parteizwecke ausbenteter Sie waren es, der durch maßlos injuriöft Sprache in Ihrem Lokalblatte, die politische Morab unserer Mitbürger zu untergraben, die Bande des Vertrauend und Gehorsams in allen, selbst auch den militärischen Verhältnissen, durch trüge# rische- Lehren zu lockern suchte, der unter dem Deckmantel der.

Freiheit offenen Aufruhr predigte! Sie waren es, der an den Beschlüssen der ungesetzlich forttagenden Fracüon der National­versammlung Theil nahm; Sie waren es endlich, der seines theils auch durch die Aufforderung zur Steucrverweigerung unser Vaterland in Anarchie zu stürzen und dem Abgrunde des Verderbens zuzuführen suchte; dieß Alles mit vollem Bewußtsein, wie Sie sich dessen selbst frevelnd rühmen.

Drücken diese Handlungen den Sinn Ihres Wahispruches aus:

"Freiheit, Wohlstand, Bildu-ng für Allel?"

Ist das der Weg zu einem "starken und kräftigen Königthum^- das Sie zu erstreben vorgaben!? Die Ant­wort auf diese Fragen überlassen wir Ihnen; wir unserseits aber müssen nach alledem Ihnen unsere Achtung als Menschen und als Staatsbürger versagen, und Ihnen die Befähigung absprechen, uns in der Nationalversammlung zu vertreten. Wir verlangen daher, daß Sie Ihr Mandat sofort nieder, > legen.

Der f. g. Märzverein zu Frankfurt, eine Abtheilung der Linken in der Paulskirche, hat neuerdings einen Aufruf an das Volk erlassen- worin es zur Bildung von demokratischen Vereinen aufgefordert wird, die untereinander sowohl als mir dem Hauptvereine in Rapport treten sollen. Auch wir find der Meinung, daß ein festes Zusammenschaaren der Gleickzge» finnten ein sicheres Schutzmittel sei gegen die drohende Reak­tion, aber wir halten es für sehr bedenklich, jenen Katheder- männern uns in die Arme zu werfen, zumal es den Anschein hat, als ob sie nur versuchen wollten, ob die Gebildeten im Volke das Vertrauen zu ihren- Beglückuugstheorien nicht ver­loren haben.

Zu Leipzig hat ein Frauenzimmer, angeblich aus Wien, die Nachricht überbracht, daß Blum nicht erschossen, sondern in ein Kloster gesteckt worden sei, um zum Widerruf seines deutschkatholischen Bekenntnisses gezwungen zu werden. ES soll dieses eine große Aufregung in der untern Volksklasse her­vorgebracht haben. Wan sieht indessen, wie Betrug und Spitzbüberei fortwährend auf die gutmüthige Leichtgläubigfest des souveränen Volkes spekulird.

Unsere westlichen Nachbarn, die Franzosen^ welche nun seit fünfzig Jahren zweiundzwanzig Stück verschiedene Ver­fassungen erhalten haben, werken,. wist man bett Zeitungs­nachrichten glauben, ihren Louis Napoleon zum Präsidenten wählen. Geschieht dieß wirklich, so fthm wir hier abermals einen traurigen Answuchs der Demokratie. Wir schon, wie das Volk auch hier zur Spielpuppe gebraucht und herabge-