Die Lahnbotin.
ÄH 80« Weilburg, den 29. November. R848«
Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen Viertel Bogen stark als Beiblatt zum „Lahnboten"; der Preis iS in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. — Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 3 fr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Raums berechnet.
Was ist der Friede werth im Lande?
Alle Jahre predigt der Pfarrer über dieselben Evangelien, und man kann stets Gutes daraus lernen; so möge denn auch mir erlaubt sein, auf die goldenen Worte: „Bete und arbeite« zurückznkommen.
Wenn manche von Denen, die da laut schreien auf den Straßen, still in ihr Kämmerlein schlichen und mit Gott rechneten, es möchte wahrlich besser stehen mit dem Könige und dem Vaterlande! Der rothe Hahn würde nicht auf dem Dache sitzen, es würde kein Blut fließen, und Leben und Eigenthum gejlchert sein. Hier gilt's nicht, viele Worte machen, Jeder greife in sein Gewissen und denke an das Stündlein, wo Gott ihn hcimrust und Rechenschaft fordert von seinem Pfunde.
"Lertröste uns nicht auf den Himmel, das Volk will Brod !" höre ich unheimliche Stimmen rufen. Antwort: Sehr gut, davon wollte ich eben reden!
Gibt die Revolution Brod ? Nein, sage ich, es sättigt nur allein die Arbeit.
Die Revolution gleicht einem reichen Narren, der Geld ausstreut unter das Volk; wenn die Taschen leer sind, macht er das Fenster zu, die Bummler werfen ihm die Scheiben ein und schleichen murrend wieder an die Arbeit. Ruhe und Ordnung sind die Brodherren für die Arbeiter, und ein Narr ist Der, so sich durch Aufwiegler bestechen läßt, sie zu verhöhnen. Wenn Ihr heute Tumult und Todtschlag auf dem Markte begeht, glaubt Ihr denn, morgen der Arbeit mit dem Brodkorbe zu begegnen? Habt Ihr wohl auf dem Jahrmarkt dem Puppenspicl zugesehen? Der Mann im Kasten steckt das Geld ein, und die Puppen geben sich die Ohrfeigen!
Ist Jemand in Preußen geboren und erzogen, und haben Vater und Mutter ihre Schuldigkeit gethan, dann ist er fertig mit Lesen und Schreiben; mit solchen Leuten kann man rechnen, ohne an den Fingern zu zählen. Hört zu, ich werde das Erempel kurz fassen.
Gesetzt, alle Arbeiter in Preußen bildeten eine große Familie; laßt uns sehen, was diese erwirbt im Jahr, wenn jedes Mitglied hübsch fleißig mib ruhig an seinem Tagwerk steht.
Es gibt im Lande 840,000 Künstler und Handwerker, welche durchschnittlich szu 15 Sgr. täglich) 126 Millionen Thaler aufbringen. Ferner 500,000 Fabrikarbeiter zu 10 Sgr. (35 kr. rhein.) liefern 50 Millionen Thaler, und 1,500,000 Handwerker zu 8 Sgr. 120 Millionen Thaler. An Gesinde zählen wir 1,300,000, so zu 6 Sgr. 8 Millionen Thaler verdienen.
Schaut! Das macht 376 Millionen Thaler Arbeitslohn; — eine so ungeheure Summe, wie nie ein König oder Kaiser besessen hat.
Nun kommt der Freiheitsmann und spielt mit Euch ein Jahr Revolution; da laufen die Kinder von der Arbeit, zerschlagen die Töpfe, tanzen auf Stühlen und Bänken, und stoßen sich die Köpfe wund. Beim Jahresschluß macht der Hausvater die Rechnung: da findet sich, daß anstatt 6 Tage in der Woche nur an 4 Tagen mit wüsten Köpfen gearbeitet ist; es fehlen also 126 Millionen Thaler in der Kasse; jeder Tag Müßiggang kostet eine Million Thaler. DaS ganze Königreich Preußen bringt im Jahr nur 65 Millionen Thaler auf, und es ist ja rein unmöglich, daß irgend ein politischer Taschenspieler Euch diesen Verlust ersetzen könnte.
So wird man durch Schaden klug; Friede ernährt, Unruh verzehrt! Könnt Ihr Gottes Weltordnung nicht umdrehen, so sucht Euer Brod durch Arbeit zu erwerben, wie es feit den Tagen des Paradieses gewesen ist.
Ja! ja! entgegnet Ihr, wir wollen gerne arbeiten; allein der Lohn müß höher sein! Sehr wohl; laßt uns der Sache auf den Grund sehen, um zu untersuchen, wo wir zu solchen Bedingungen den Arbeitgeber finden.
Die Weber und Spinner verlangen höheren Lohn; allein wenn dem Kaufmann die Leinwand zu theuer kommt und andere Leute billiger verkaufen, wo bleibt da der Absatz?
In Danzig verlangen die Sackträger trotz der schlechten Zeit höheren Lohn. Nun tragen die Handelsherren mit ihren Gehilfen, Gesinde, und Schiffern das Getraide selbst aus; wer hat da den Schaden?
Es ist lächerlich, einen höheren Preis für die Schuhe zu fordern, wenn die Leute barfuß laufen.
In Berlin sind die Buchdrucker große Herren geworden; jetzt druckt man in Brüssel die deutschen Bücher tausendfältig und versendet sie über die ganze Welt. Vergeßt nie, daß auch hinter dem Berge noch Leute wobnen!
Wir haben gesehen, daß die Gesindezahl in Preußen 1,300,000 beträgt. Gesetzt, diese verlangen ein Viertel mehr Loh», dann sagt der Hausherr, ich muß mich einfchränken, und schickt von Dreien Einen weg, und Fran und Kinder arbeiten um so mehr. Dann hätten 900,000 Höbern Lohn, ; allein 400,000 gingen umher ohne Arbeit: — wer würde ! dann diese ernähren, da kein Manxa mehr vom Himmel fällt?
Fehlt das Geld zikm Hansbau, so wird man schwerlich dem Zimmermann 5 Sgr. zulegen.
Merkt wohl auf: im Wörtchen Vertrauen liegt der Schlüssel zum Brodfchrank.
Vertraut auf Gott, vertraut dem Gesetz und der Obrig-