Vie Lahnbotin.
jfsr°. iye Weilburg, den 8. November. 1848«
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Der Demokratencongreß in Berlin.
Ein furchtbares Ungewitter schien sich im Osten unsers Vaterlandes zusammen zu ziehen; — die Gewitter aus Osten sind bekanntlich meistens sehr gefährlich ; — ein in allen Zeitungen angekündigter, von allen demokratischen Vereinen Deutschlands zu beschickender Congreß sollte in Berlin abgehalten werden; in Berlin, unter den Augen des Königs, der noch vor Kurzem auszusprechen wagte, daß alle gesetzmäßige Obrigkeit von Gott ist, in Berlin, das rings von Truppen, die diesem Könige von Gottes Gnaden gehorchen, umgeben ist. Welch kühner Trotz, welche Zuversicht der Sieger. Alle Freunde des gesetzlichen Fortschrittes sahen besorgt nach der aufsteigenden Gewitterwolke; alle Feuer der feurigen Republikaner in einem Blitz vereinigt, wie zerschmetternd mußte dieser niederfahren; der Blitz schmilzt Eisen, durchbricht Granitfelsen; concen- trirtes Feuer verflüchtigt selbst den Diamant: — Und diese Wolke erscheint jetzt als eine auf grobe Leinwand gemalte, durch Rollen am Theaterhaus heraufgezogene; die Blitze zünden so wenig, als Hexenmehl durch's Licht geblasen; das Ganze zerstiebt, wie ein wesenloser Traum. — Ebenso verhält es sich mit dem nach Berlin berufenen neuen Vorparlament, das aus der Linken von Frankfurt und allen Ständekammern in Deutschland zusammengesetzt, dem Reichsparlament in Frankfurt entgegen treten sollte. Zufolge der Nachrichten, welche die Tagblätter bringen, haben sich acht auswärtige Mitglieder eingesunden, darunter Zitz, Simon von Trier, v° Trützschler. —
Wir kommen auf den Demokratencongreß zurück. Nachdem noch am 25. October der demokratische Klub in Berlin seine Deputirten zu dem Congreß, dessen Aufgabe sei, den Widerstand des Volkes zu organisiren, gewählt hatte, hielt der Congreß am 26. seine ersten Sitzungen; zugegen waren 100 bis 150 Deputirte, welche ungefähr 70 Vereine vertreten ; die Berliner Mitglieder des Congresses bildeten ungefähr ein Drittel; G. Fein wurde zum Präsidenten, Asch und BayrHofer zu Vicepräsidenten gewählt. Dann traten die verschiedenen Kreisausschüsse zusammen, um eine Commission zur Prüfung der Vollmachten zu ernennen. Am 27. erstattete Kriege Namens des Berliner Centralausschuffes der Demokraten Deutschlands Bericht über dessen bisherige Wirksamkeit. Er berichtete, daß der Ausschuß bei seinem Streben eine demokratische, sociale Republik herbei zu führen sich auf ein ideales Proletariat hätte stützen wollen; da er aber statt eines solchen nur ungebildete Massen gefunden hätte, so würde man sich au^ltdas Bürg er th um stützen müssen. Auch an auswärtige Müller, Italiener, Irländer, namentlich die Chartisten hätte mai nch wenden wollen; da aber dort Alles zu
ungeordnet sei, und man demnach nicht wisse, an wen man sich zu wenden habe, so seien, damit doch etwas geschähe, einstweilen Adressen vorbereitet worden, um sie, im Falle dort die Republik proclamirt werde, sogleich publiciren zu können. Besonders fehle es an Geld; weder von Amerika, wohin man deßwegen geschrieben, noch von den Kreisausschüssen sei Geld eingegangen; natürlich! — Denn die Demokratie sei arm und ihre Mitglieder besäßen nichts. Ebenso habe man umsonst eine Kopfsteuer in Vorschlag gebracht, so wie auch die Aussendung von Deputirten in die deutschen Länder erfolglos geblieben sei. — Dann auf die Wirksamkeit des Centralansschusses übergehend, bemerkt er, daß nur der 25. Sept, zu einer Revolution geeignet gewesen, diese aber durch die Nachgiebigkeit des Ministers von Pfuel vereitelt worden sei. Man habe das Militär in die demokratische Bewegung zu ziehen gesucht; man sei für die Zusammenberufung eines Gegenparlaments gegen das Frankfurter Volks- und freiheitsfeindliche thätig gewesen; die Revolution müsse sich in Berlin centrali- siren, wie die Reaction in Frankfurt. Die demokratische Par- thei solle sich organisiren, damit im Falle eine Revolution ausbreche, auch eine Regierung aus ihr hervor gehen könne. Heramer erstattet Kassenbericht. Vom 6. Juli bis 20. October sind eingegangen 586 Thaler und einige Groschen, — ausgegeben 583 Thlr. und einige Groschen. — Cassenbestand: 4 Thlr. 4 Sgr. 9 Pf. Er fügte hinzu, daß das Bild, welches Kriege von der deutschen Demokratie entworfen, allerdings kein glanzendes sei; indessen sei es gut, wenn die Schäden offen dargelegt würden; und er vertraue auf den republikanischen Ernst. — Es kamen dann die Berichte der einzelnen Kreis- ausschüsse über ihre demokratische Wirksamkeit, die im Ganzen wenig heißen will. — Am 28. Octbr. entschied man sich nach längerer Debatte für die Wahl eines Centralausschuffes, und beschloß die Ernennung von 4 Commissionen zur Berichterstattung über die Fragen: 1) Verhältniß der Demokratie zu Frankfurt, 2) Verfassungsfrage, 3) auswärtige Politik, 4) die sociale Frage. — Am 29. führten die Spaltungen, die sich schon in der letzten Sitzung gezeigt hatten, zu entschiedenem Bruche, so daß viele Mitglieder, namentlich fast sämmtliche Schlesier, der Berliner Sachsenverein, der Mecklenburger, dir Halberstädter (Wislicenus) und einige pommerische Mitglieder austraten. Sie gehören zur gemäßigten Fraction,zur honetten Republik. Die äußerste Parthei wurde durch die Mehrzahl der Berliner Clubs vertreten. — Eine Volksversammlung sollte vor den Zelten gehalten werden, deren Gegenstand die Wiener Sache sein sollte. Am 30. wurde diese Versammlung gehalten; zwei Redner, Silberstein und Senin wurden wegen Hochver- rath und Majcsiätsbeleidignng verhaftet, ein dritter, Braclow