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Wie Lahnbolin.

Mr0- 16* Weilburg, den I. November. 1848»

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen Viertel Bogen stark als Beiblatt zumLahnboten"; ter Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 3 fr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Raums berechnet.

Deutsches Volk, du herrlichstes von allen, Deine Eichen stehn, du bist gefallen.

Dieses Dichterwort, es hat wenn auch in einem andern, doch leider in einem nicht minder beklagenswerthen Sinne noch heute seine Geltung. Du bist gefallen, deutsches Volk, gefallen aus deinem Ruhme, und mit Hohnlächeln, ja mit Verachtung sehen die Völker auf dich herab. Die Engländer sagen: du gleichest einem alten betrunkenen Weibe, das im Kreise He^umtaumle ; die Franzosen sagen noch Schlimmeres und selbst das kleine Dänemark lacht dir in's Angesicht. Und warum geschieht das? WAM dich der Freiheit, die dir zu Theil geworden ist, unwürdig zeigst; weil du nicht zur be­sonnenen Ruhe und gesetzlichen Ordnung kommen kannst und dadurch deine Einheit verkümmert, deine Kraft in die Schwäche eines Kranken verwandelt wird. Wo ist deine Treue, dein Muth und Mne Gottesfurcht? Du siehst träge und gelassen zu, wie man das große, hoffnungsreiche Werk, das Vaterland stark und kräftig zu machen, muthwillig hemmt, gewissenlos zerstört. Du schweigst, und Freche und Schamlose treiben ihr Wesen in Stadt und Dorf, verderben die Jugend, preisen die Gesetzlosigkeit, verhöhnen den Glauben, predigen Meineid und Meuchelmord. Du schweigst selbst dazu, daß unter den Män­nern, die du mit deinem Vertrauen beehrt hast, daß sie Gesetz und Ordnung dem Vaterlande schaffen sollen, Verrâther vor­handen sind, Elende, die mit Meuchelmördern Verkehr treiben und der Verleumdung, der Lüge, der Billigung des Meuchel­mordes sich schuldig machen.

Deutsches Volk, das sich so froh und glücklich fühlen könnte, wie tief bist du gefallen, und gefallen durch einzelne Schlechte, die liederlich an Leib und Seele nicht einmal deine Wohlfahrt zu denken fähig sind! Willst du dich nicht erheben? Willst du in träger Langmuth verharren, bis du ein Sklave tyrannischen Gesindels geworden bist und die blutigen Greuel der Revolution in deinen Städten wüthen oder bis schwere Trangfal von Außen über dich kommt und der Druck der Knechtschaft dich an deine Verschuldung erinnert? Auf, deut­sches Volk, erhebe dich in Muth ! Vergiß deines Ruhmes und deiner Bestimmung nicht, die dir Gott in deinem Chara^t r gegeben hat! Erhebe dich in keinen Tausend und Millionen Edelgesinnten und erkläre allen Wühlern, allen Schleckten offen den Krieg. Dulde nicht länger, daß die gesetzliche Ord­nung untergraben, von Gewissenlosen die leichtbewegliche Menge verfuhrt, Wahrheit und Sittlichkeit verhöhnt, Unglaube an die Stelle der Glaubenssreudigkeit gesetzt wird. Du hast den derzveLerâw^deu Jesuitenorden für ewige Zeiten ausgestoßen:

. du gelassen zwehn, wie Verdorbene, die sich durch Rede

und Schrift als dieses Ordens würdigste Zöglinge darstellen, in vielen deiner Volksversammlungen herrschen, in deiner Reichs- Versammlung deiner Ehre eine unheilbare Wunde schlagen? Auf, gib auch solche Verräther deiner Verachtung preis! Schaare dich um keine Fürsten und deine Obrigkeiten, damit sie Macht gewinnen, den Schädlichen unschädlich zu machen und den Verbrecher der verdienten Strafe anheim zu geben. In jeder Stadt, in jedem Dorfe hast du wackere Manner, die sich freiwillig zum Schutze des Rechts und der Ordnung bewaffnet haben: rufe sie auf, daß sie treu ihrem Gelübde des Vaterlandes Wohlfahrt und Ehre dienen! Mit ker Wie­derkehr der gesetzlichen Ordnung und Sicherheit wirst du des Glückes theilhaftig werden, das dir die errungene Freiheit ver­bürgt, werken kein Handel und Gewerbe auf's Reue blühen, deine Künste und Wissenschaften das Gute und Schöne för­dern, Schule und Kirche mit verjüngter Kraft, Geist und Herz segnen, wird das scheußliche Gespenst der Reaktion ver­schwinden, wird das Gebäude deiner Wohlfahrt fest und sicher aufgebaut werden, wirst du auch von andern Völkern als ein mächtiges und starkes, weil einiges, als das Herrlichste, weil treues, gebildetes und frommes Volk auf's Neue geachtet werden.

Weilburg, den 30. October. Einsender dieses haben schort von mehren Seiten gehört, Herr Lehrer Sch. habe um Versetzung von hier auf seine frühere Stelle riachgesucht. Sollte sich dies bestätigen, so glauben wir, würde Herz. Schulin- spection und der Staktvorstand gewiß dem Wunsche vieler hiesigen Bürger entsprechen, wenn sie dahin zu wirken suchten, daß Hr. St ritt er von Wiesbaden an die Stelle des Herrn Sch. wieder hierher versetzt würde.

Weilburg würde an demselben nicht nur einen tüchtigen Lehrer für die Elementarschule, sondern auch einen guten Or­ganisten für die evangelische Kirche und einen eifrigen Lehrer im Clavierspielen und Gesang wieder gewinnen. S. S.

Politische Gewürzschachtel.

Die Beilage zu Nro. 44 des Wochenblatts enthält die Einladung zur Theilnahme an dem neugegründeten Volks­verein zu Weilburg nebst dem Entwurf der Statuten, hiernach will der Verein Geltendmachung der Volksfouveränität durch Wahrung der bis je St errungenen Vokks- rechte, durch Hebung des allgemeinen Wohlstandes,