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Die Lahnbotin.

M^- lle Weilburg, den 27. September. 1848«

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W e l t h ä n d e l.

Frankfurt, 20. Sept. Heute ist Iahn, der nur mit Noth dem Tod entgangen, wieder erschienen. Auch dieser Greis mit seinem Silberbarte war dem Erschlagen geweiht. Ein Omnibuswagen hatte ihn den Verfolgern verborgen. Wie mögen es die Helden der Freiheit bedauern, daß sie nicht auch dieser That sich rühmen können! Die Ermordung Lichnows- sy's und Auerswalds bestätigt sich leider ganz in der Art, wie man sie gleich im Anfang erzählte. Auerswald, der alte Soldat, den in allen Feldzügen ein glückliches Geschick ver­schont, fiel durch einen Sensenhieb und wurde mit Kolben und Knitteln sogleich todtgeschlagen. Er war der Glücklichere. Dem Fürsten Lichnowsky wurden, mit Schaudern schreib' ich es nieder, alle Glieder gebrochen, selbst die einzelnen Fingerglieder geknickt; dann wurde er au die Wand gestellt und als Ziel­scheibe benützt. Vergebens forderte er die Kannibalen zu einem rascheren Tode auf. Er starb erst 6 Stunden nachher; kein Schmerzensschrei war über seine Lippen gekommen. Der Kleidung und Fahne nach waren Turner seine Mörder.

Noch vielen Mitgliedern des Parlaments war ein ähnliches Loos beschieden. Ohne die 2000 Mann Reichstruppen, die das R^ichsministerium in der Nacht vom Sonntag auf Mon­tag aus Mainz hatte kommen lassen, wurde die Paulökirche der Schauplatz deS greulichsten Gemetzels. Und dies Alles im Namen der Freiheit! Wenn ein Monarch gegen die Partei einer gesetzgebenden Versammlung auch nur ein mißbilligendes Manifest, ein Stück Papier, erließe, weil eine Abstimmung ihm mißfallen, würden nicht alle Demokraten ihn sofort des Thrones, ja des Lebens für verlustig erklären? Aber nun, da ihnen, diesen modernen Souveränen, eine Abstimmung miß­fällt, glauben sie zum Banditenhandwerk sich berechtigt! Fluch über Die, welche durch Wort und Schrift Menschen in Kanni­balen verwandeln!

In einer gewissen Stadt stand ein Haufe wartend am Bahn­hof ; der Sendling kam von Frankfurt zurück. "Wer ist umge- fommcn?" rief es ihm entgegen. "Auerswald" Bravo! Wer noch? "Lichnowsky" Bravo! Wer weiter? Keiner mehr « "Oh!" Dem Haufen waren es der Opfer noch nicht genug. Können Sie sich eine scheußlichere Verwil­derung denken?

Wem jetzt nicht die Binde von den Augen fällt, den kann nur die Strenge des Gesetzes wieder zur Besinnung bringen. 250 Gefangene sind bereits nach Mainz gebracht. Die Uutcr- suchuuq wird sich ohne Zweifel auch auf die Redner auf der Pfingstweide ausdehnen, also auch auf Mitglieder der

Nationalversammlung. Zitz, Schlöffel und Simon von Trier haben dort gesprochen. Es sollte mich nicht wundern, wenn diese Untersuchung auch zu Verhaftungen in andern Städten führte; denn daß dem Aufstande nicht ein blos vereinzelter Plan zu Grunde lag, ist eben so offenknndig, als daß der dänische Waffenstillstand nur der Vorwand zum Ausbruch der Ver­schwörung war.

Nach einer ausführlicheren Darstellung der Frankfurter Er­eignisse spricht sich die Cölnische Zeitung, was wir den Lesern der Lahnbotin nicht vorenthalten zu dürfen glauben, in folgen­der Weise aus: Die Idee der zu ergreifenden Maßregeln dürfte folgende fein: Der Belagerungs - Zustand darf in Frankfurt, dem Sitze der Nationalversammlung, nicht fortdauern; in der Wirklichkeit behindert er zwar einen ehrlichen Mann nicht im Geringsten, aber, auch der Schein eines Ausnahme-Zustandes ist zu vermeiden. Auch ist Frankfurt nicht der Sitz des Uebels, sondern einige andere Städte in der Umgebung sind es, Hanau, Offenbach, Mainz, Mannheim, wo seit Jahren die politischen Begriffe methodisch verwirrt wurden und namentlich die Jugend in den Turnvereinen unablässig bearbeitet und verführt wird. Außerdem gibt es in Deutschland ganze Striche, wo die Achtung des Gesetzes schon seit Langem gänzlich verlernt ist, wie beispiels­weise Nassau und Thüringen. Hier sind die Regierungen anzu­weisen, das Gesetz durch alle von diesem gebotenen Mittel auf­recht zu erhalten und, wenn die Kräfte der Einzel-Regierungen in der That dazu nicht ausreichen sollten, von der Central- Gewalt aus eine energische Unterstützung zu leisten, sei cs auch nöthigen Falls durch militärische Occupation. In wenigen Tagen können 30- bis 40,000 Mann zu ihrer Verfügung stehen, und hoffentlich wird dann der Terrorismus, der bisher auf unseren Zuständen sichtlich lastete, für immer gebrochen sein.

Politische Gewürzschachtel.

Als am Morgen des 19. d. M. die Frankfurter Zeitungen ansgeblieben, und-durch ein aus der Messe zurückgekehrles Frauenzimmer die Nachricht von dem Aufruhr, der in Frank­furt gewüthet, hierher gekommen war, da entfalteten unsre Volksbeglücker ihre Thätigkeit in einer Weise, die bei manchem hiesigen Einwohner Besorgniß erregte, viele andere aber zum unwillkürlichen Lachen zwang. Sie durchliefen mit geheimniß- voll-triumphirender Miene und einer brennenden Pfeife im Maul, theilweise auch in Sonntagsröcken, bald einzeln, bald paarweise die Straßen, und es schien, als sagte einer dem andern in's Ohr: Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, ivo das