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er fühlte die Nähe des Todes, und sagte, wiewohl mit Gleich- muth: ich habe den Proceß verloren. Er machte darauf einige Anordnungen, ließ seiner^ Tochter danken, und sagte: er sei nun müde und wolle schlafen, — und entschlief. Ohne Schriftstellerruhm zu suchen, fand er ihn durch seine gründlichen, geistreichen und beredten Schriften. Mit Sachkunde, Hellem Weltblicke, aus warmer Brust und mit unerreichbarem Humor schrieb er über Fehler und Verbesserung der Sitten, über öffentliche Anstalten, über Geschichte, Staats- und bürgerliches Recht; und sowohl der innere Gehalt seiner Schriften, als seine originelle Schreibart sichern ihm unter den deutschen Prosaisten eine der ersten Stellen.
Politische Gewürzschachtel.
Hört, Ihr LandftLnde! Ihr wäret doch übel d'ran, wenn Ihr die »Freie Zeitung" nicht hättet. Da könnt Ihr wieder in Nr. 185 lesen, was von dem Artikel V des Gesetzentwurfs über das Proceßverfahren in Strafsachen zu halten ist. Hat doch die Regierung abermals einen rechten Zopfstreich gemacht, daß sie nicht jeden Blaukittel und Gelbschnabel zum Geschwornen haben will. Zur Ehre des jugendlichen Herrn Verfassers wollen wir annehmen, daß er es gut meint, sonst würden wir die Art und Weise, wie er hier wieder mit dem Pöbel kokettirt, einer strengen Rüge unterwerfen.
Unter tausend Mäulern, die in der Waffenstillstandsfrage sich öffnen, sind noch nicht zwei, die auch eine Waffenstill- standsantwort geben können. Die Nationalversammlung wird mit Adressen bombardirt, die Minister abgedankt und verhöhnt. Wir werden sehen, ob hier nicht auch das Sprüchwort sich bewährt: die Kritik ist leicht, aber die Kunst schwer.
Die obengedachte Nummer der »Freien Zeitung» erzählt ein interessantes Stückchen von einem dürren Amtmann und einem dicken Amtssecretär, wie beide als strenge Censoren eines Wochenblatts in dem aufzunehmenden Lied „Schleswig- Holstein meerumschlungen" etwas Demagogisches gewittert, und einen dicken Strich dadurch gemacht Hütten, jetzt aber wahrscheinlich auch ausriefen: Es lebe die Preßfreiheit. Wir Weilburger fragen nicht, wo, wer und wann? aber eine andere Frage wirft sich auf: Haben wir nicht noch viele solcher Dicken und Dürren?
Wer ist denn der Heiopopeioverein? fragte der Meister Kneip seinen Gevatter Leim. Dieser antwortete: Wie an allen größern Orten bildete sich auch zu Wiesbaden ein Verein, der das Volk â la Hecker mit Gewalt glücklich machen wollte. Viele Andere aber, die auch gerade keine Dummköpfe waren, wollten von diesem Glücke nichts wissen, und suchten nur auf dem Wege des Gesetzes und der Ordnung die Freiheit und das Bürgerglück. Auch diese vereinigten sich, um, wo möglich, mit gleicher Kraft jenen Bestrebungen entgegenzutreten. Ein Witzkopf nannte dieses den Heiopopeioverein, und damit wollte er sagen: jene Heckermänner sind die wachsamen, alle andern aber, die auf dem Wege gesetzlicher Ordnung die Entwickelung der großen Zeitsragen erzielen wollen, sind die Schläfer. Auch hier in Weilburg besteht ein solcher Heiopopeioverein, aber seine Mitglieder sind nicht weniger wachsam, als jene
Unwissenheit Bengel, die ihre Begeisterung sür das Glück des deutschen Volkes Abends zwischen neun und zehn Uhr mit Tabacksrauch vermischt durch die Straßen schreien.
K u n st n o t i z.
Weilburg. Wir wollen über der Politik die Kunst nicht vergessen. — Der vormalige Kapellmeister, Herr Joseph Braun aus Regensburg, erfreute uns durch seine wahrhaft gediegene Kunst auf dem Pianoforte, dem Violoncell und der Geige, und bei seinen bescheidenen Ansprüchen dürfen wir seine Leistungen der Aufmerksamkeit aller Kunstfreunde, die.Gelegenheit haben ihn zu hören, bestens empfehlen. Auf dem Pianoforte spielte er freie Phantasien über Mozart'sche Themas, die nicht blos die technische Virtuosität und theoretische Ausbildung, sondern auch den Reichthum innigen Gefühls und wahren Künstlerberuf uns bewundern ließen. Gleiche Fertigkeit producirte er auf der Geige in Variationen eigener Com- position über ein Thema von Himmel (â la Paganini auf der 6 Saite), begleitet auf dem Pianoforte durch Herrn Collaborator Wagner.
Auf dem Violoncell entfaltete er den Glanzpunkt seiner Kunst, und es wurde nicht nur der Laie auf das angenehmste überrascht, sondern auch der auf das vollkommenste befriedigt, dem die technischen Schwierigkeiten der Behandlung dieses Instruments bekannt sind. Die Aehnlichkeit mit dem großen Vorbild Bernhard Romberg zeigte sich sogar im äußern üluftreten.
Unser bescheidener Künstler wurde von dem Director des Gymnasiums in lobenswerther Weise unterstützt.
Literarische Anzeige.
Bei dem Verleger des Lahn boten sind soeben nachstehende interessante Schriften eingetroffen:
Venator, die in unserer Sprache gebräuchlichen Fremdwörter, mit Angabe ihrer Aussprache, Verdeutschung und Erklärung.
5. verm. und Verb. Aufl. geh. 1 fl. 12 kr.
Die Berliner März-Revolution. Eine genaue Darstellung derselben von ihrem ersten Ursprung an. Hcrausgeg. v. "Mit- kämpfern und Augenzeugen. 5. Aufl. geh. 27 fr. Vorschläge zur Abhülfe des Nothstandes der Arbeiterklasse, geh. 6 fr. Unterricht für WehrmLnner, 3. verm. u. Verb. Aufl. cart. 24 fr. Die deutsche Diplomatie wider das deutsche Volk. Eine Sammlung wichtiger Aktenstücke. Zum Verständniß der Vergangenheit und zur Warnung für die Zukunft, geh. 18 fr. Theysohn, die Grundursache des Arbeitmaiigels, der zunehmenden Verarmung und des Verderbens der Europäer, geh. 1 fl 30 fr. Neues Landwehr- System. Von einem Veteranen von 1813 und 1814. Mit 4 Plänen, geh. 1 fl. 12 kr. Der Domänen-Streit im Herzogthum Nassau, aus seinen Urquellen, erläutert und nach Nechtsgruudsätzen gewürdigt von Herber. Herabges. Preis 1 fl. Haas, Nordamerika, Wisconsin Calumet. Winke f. Auswanderer.
2. verm. Aufl, mit 3 Ansichten und 1 Karte, cart. 42 fr. Wörißhoffer, die deutsche allgem. Kirche, geh. 6 fr. Fröbel, Monarchie oder Republik? geh. 4 fr.
--Grundzüge zu einer republikanischen Verfassung für Deutschland, geh. 9 fr.
Verantwortlicher Redacteur : C. v. St. George. — Druck und Verlag von L. E. Lanz.