Wie Lahnbotin
Weilburg, den 15. September
1848.
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Die deutsche Flotte.
(Gedicht de« Primaner« A. Jüngst, vorgetragen im hiesigen Gymnasial -Concert am 10. Sept.)
Heil dir im Siegeskranze, du schönes deutsches Land,
In deiner Elchenkrone, in deiner Städte Band; Wie schön hast du gestritten im lieblichen Verein! Dein Name strahlet herrlich, wie Morgensonnenschein.
Wie hat aus Schmach und Ketten cs sich emporgerafft, Wie rollt in seinen Adern die junge Heldenkraft! Es fuhr mit Schrecken und Grausen aus langem verderbl. Traum Und küsset nun mit Wonne der Morgenröthe Saum.
Es bietet uns mit Liebe das freudenreichste Loos, Birgt uns, wenn Wolken nahen, so treu in seinen Schoos; Dann, wenn geborsten sinket am Felsenriff sein Kahn, Wenn Wogen über es brausen, hebt unser Leiden an.
Du glücklichstes der Völker, das solche Söhne zeugt, Das sich allein vor Gottes gewall'gem Scepter beugt, Noch eines Kleinods Schimmer sehlt deines Hauptes Zier, Des Meeres Herrscherkrone, die Flotte fehlet dir.
Wer hemmt mit starkem Zügel das freche Dänenroß, Wer seiner Schiffe Stürmen und wer sein Blutgeschoß? O Schleswigs kahle Felsen und blutiges Revier, Sie bringen bittre Schmerzen; die Flotte fehlet dir.
Was ziehet der Lombarde sein Schwert von Blut so roth, Die schwarzen Locken schüttelnd schwort er dem Deutschen Tod; Zur Mandoline klinget der Dolche dumpf Geklirr; Da brennen deine Wunden; die Flotte fehlet dir.
Was klopft an deine Thore des Feinds endlose Zahl? O Deutschland, wenn ein Räuber einst deine Lande stahl, Auf deinen Feldern pflanzte ein Fremder sein Panier; Dann bricht dein Herz im Tode; die Flotte fehlte dir.
Drum wollen wir cs schützen, ihm unsre Kräfte weih'n, Bis einst die Schlacht verschlungen des letzten Manns Gebein; Denn seine Freud' ist unsere, sie schlägt an unser Herz, Wir weinen seine Thränen, wir dulden seinen Schmerz.
Wenn uns nicht eitler Hochmuth und niedre Wuth entzwei'n, Dann werden wir ihm Balsam auf seine Wunden streun. Wenn Treue, Liebe, Freiheit den schönen Bund begeh'n, Dann wird auch Deutschlands Bündniß und seine Flotte steh'n.
D'rum laßt uns rüstig thürmen den neuen Riesenbau, Und wenn die Wimpel streifen der Tiefe wogend Blau, Und wenn die Fluth umschäumet den Kiel in wildem Streit, So laßt uns froh begrüßen das Nah'» der bessern Zeit.
Dann wird ein neuer Morgen um unsre Schläfe zieh'n Und Deutschland nimmer flehend vor Schwächten niederknie'n, Wenn uns der Ferne Bahnen der Ocean erschließt, Uns mit Kanonendonner die deutsche Flotte grüßt.
Hoch klingt dann Deutschlands Name vom kühlen Rheines strand, Bis wo von Fesseln blutet des Siegers schwarze Hand, Und unter Cedernschatten und zwischen Palmengrün, Da wird die deutsche Flagge schwarz, roth und golden glüh'n.
Es reicht von seinen Streitern der Blüthen schönste dar. Wie steigt mit Hellem Blicke im Flug' der deutsche Aar! Er sieht die Wogen branden im tlefhinwirbelnden Meer, Und zwischen Kanonendonner fährt er mit Freude einher.
Dann raubet unsre Siege nns kein Franzosenheer, Dann tränket kein Kosacke sein Roß im Rheine mehr, Wir jagen kampfesmuthig der Dänen frechen Schwarm, Um Schleswig meerumschlungen schlingtDeutschland seinen Arm.
So lang noch muth'ge Männer des Steuers Balken dreh'n, So lang noch Segel schwellen und hohe Masten geh'n; Soll sie gebietend schreiten, ein Wetter in der Schlacht, Soll bringen frohe Rettung, soll mehren Deutschlands Macht;
So lang noch Welten rollen in abgemessnem Kreis, Und unter ihnen schaffet des Deutschen reger Fleiß.
Das wollen wir erstreben, so soll es werden und sein, Und Gott, der Deutsche liebet, der sicht vom Himmel drein.
Wenn dann am Steuer blutend ein Mann einst niedersinkt, Dann ruft er, daß es hallend hin durch die Oede dringt: Heil ihm dem Vaterlande; denn es zerbrach das Joch; Sein Name sei gepriesen; es lebe Deutschland hoch!