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Die Lahnbotin.

M~ 8. Weilburg, den 6. September. 1S48»

Diele« Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen halben Bogen stark al« Beiblatt zumVahnbvten"; der Prei« ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung in belieben. Anreizen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile inPetitschrift 3 fr. Größere Schrift wirb nach Verhältniß dr« Raum« berechnet.

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Nachrichten aus Schleswig.

Ein am 86. August in Collund geschriebener Brief eines Weilburger StabSofficierS enthält unter Anderm folgende interessante Notizen: "Seit vier Tagen cantonire ich mit dem Bataillon hier und in der Umgegend. Den Feind haben wir im Gesicht, wir stehen uns drohend gegenüber, ohne jedoch an einander gerathen zu sönnen: ein noch schlimmerer Feind, das Wasser hält uns davon ab, die Dänen anzugreifen. Diese beschränken sich darauf, uns zu necken, hier und da einmal einen Angriff auf dieses oder jenes Quartier auszuführen, und das ist Alleö! Eine Armee anzugretjen, wie die unsrige jetzt ist hierzu haben sie weder Kraft noch Courage. Mit Abschluß deS Waffenstillstandes wird es, wie eS im Hauptquartier heißt, noch 10 bis 14 Tage dauern, es scheint, daß Rußland die Hande im Spiel hat und die Dänen unterstützt. Unsere Leute sind gutes MuthcS und ich habe auch in andrer Hinsicht keine Ursache, unzufrieden mit ihnen zu sein. Die ganze hiesige Umgegend besteht aus großen Höfen < Fermen), auf welchen 70 80 Mann, meistens mit Ofsicierm, einquartirt liegen. Hier, wo ich den Brief schreibe, bin ich, Oberlicutcnant Her­mann, Bataillonsarzt Mahr, Feldwebel Armbrüster, ein Fahnenträger, ein Lambourmajor und 75 Mann nebst 13 Pferden einquartirt und das bei recht ordentlichen Leuten. Nur die Ofstciere haben Betten, die Mannschaften liegen in den Scheunen auf Stroh. Alle meine Leute sind recht zu­frieden. Den ganzen Tag wird gekocht gute und große Rationen Fleisch, Brod, Reiß, Gerste, Salz, Pfeffer und Brannt­wein nebst einer ansehnlichen Quantität Kaffee. Der letztere wird deS Morgens und deS Abends getrunken, der Wirth gibt Milch und Rahm in Ueberfluß dazu. Unser Wirth hat 30 Kühe im Stall. Fische, und zwar die feinsten Sorten, sind natürlich in großer Menge vorhanden: Kartoffeln hierzu geben die Leute unentgeltlich, obschon die Kartoffelkrankheit hier überall ist und eS deren wenige gibt. Daü Brod ist sehr schwer aber gut, reineS Roggenbrod; die Butter sehr billig, für einen Kreuzer nach unserem Gelde hat der Mann mehr, alS er für den Tag bedarf. Bon Ursachen zu Klagen kann demnach keine Rede sein. Gestern habe ich den Oberstlieutenant von Reichenau besucht, der drei Stunden von mir entfernt liegt; heute Mittag wird er zu mir kommen. Bei General Ha l ket war ich vorgestern zum Diner; er ist ein ganz anspruchloser Mann und ein großer Soldatenfreund. Heute essen wieder mehrere Officiere von meinem Bataillon bei ihm. Dor General Wrangel hat das Bataillon Weiz und Gödecke die Revue passirt; mein Bataillon l>at er noch nicht gesehen, weil zu entfernt

liegt, ich erwarte aber alle Augenblicke Ordre zur Revue. Wie eS heißt, wechseln wir alle acht Tage mit den Kantonnements und werden immer weiter und weiter bis Apenrade vorge­schoben werden. Mein nächstes Quartier wird Beekem und Monkmühle sein, da, wo jetzt daS leichte Bataillon, Alfen gegenüber liegt. Gestern waren die dänischen Kriegsschiffe sehr in Bewegung: man erwartete Etwas, jedoch umsonst. Die Nacht ist ruhig vorüber gegangen, heute Morgen sehe ich nur eine Korvette. DaS Bataillon Weimar, welches von mir abgelöst worden ist, hat sich hier sehr zügellos aufgeführt, so daß die Leute bei meiner Ankunft AlleS verschlossen hatten, selbst Vieh und Geflügel. Ich veranlaßte den Bürgermeister zu der Bekannt­machung, man dürfe zu unS Verträum Hegm, und solle Alles frei, wie im tiefsten Frieden, herumlaufen lassen; wenn Etwas abhanden käme, würbe ich für die Bezahlung entstehen. Es geschah, und die Einwohner sagen jetzt von unS: «So gute Leute haben wir noch nicht gehabt.« Da die Weimarer zu unsrer Brigade gehören und eS möglich wäre, daß man die Nachricht verbreitete, die ganze Brigade Alefeld benehme sich so zügellos, so ist eS wünschenüwerth, daß der Sachverhalt zeitig bekannt werde. UebrigenS ist im Weimaraner Bataillon die Untersuchung bereits eingeleitet worden, um die Schuldigen zur Strafe zu ziehen.«

Nach den neuesten Nachrichtm ist ein Waffenstillstand abge­schlossen. Hauptbedingungm desselben sind: 1) Die Dauer desselben ist auf 7 Monate, also bis zum 1. April bestimmt. 2) Die provisorische Regierung hat die Befugniß, alle von dänischer, wie von schlcSwig-holsteinischer Seite erlassenen Gesetze und Dcrordnungen für ungültig zu erklären; (also auch das dänische Dekret, welches die Union zwischen den beiden Herzogthümern aufhebt); 3) es verbleiben 2000 M. BunkeStruppen in Schleswig (die Dänen dürfen nur in Alfen eine gleiche Anzahl haben). Die fchleS« wia - holsteinischen Truppen werden nach den Herzoathümern gesondert. Die Schleswiger bleiben in Schleswig, die Holsteiner in Holstein. 4) Die Äkitgliedcr der künftigen Regierung sind im Voraus neu bezeichnet, und zwar gemäß einer Uebercin# kunst von deutscher und dänischer Seite. UebrigenS muß bemerkt werden, daß die SchleSwiger sich der dmtschen Sache und namentlich dem Dienste im Heer so wenig geneigt zeign,, daß von den ganzen sich auf etwa 15,000 Mann belaufenden Truppen kaum % SchleSwiger sind!