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Die Lahnbotin.

JSsro- Weilburg, den 50» August. 1848«

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen halben Bogen stark als Beiblatt zumLahnboten"; der Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 kr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 3 kr. Größere Schrift wird nach Verhältniß des Raums berechnet.

Nachrichten aus Schleswig.

Die neuesten von Schleswig hier eingegangenen Nachrichten enthält ein am 22. Aug. in Flensburg von einem Weilburger Officier geschriebener Brief, dem wir mit Uebergehung von Familienangelegenheiten Folgendes entnehmen:Seit gestern (21. Aug.) sind wir mit dem ganzen Regiment in Flensburg. Heute Morgen ist das 1. Bataillon des 2. Regiments (Wiesbaden) nach Gravenstein auf Vorposten abmarschirt, das 1. Bataillon des 1. Regiments (also d. Weilburger) wird diesen Nachmittag um 2 Uhr ebenfalls abmarschiren und zwar nach Collund und Söderhoff. Von den Unterhandlungen über Waffenstillstand oder Frieden verlautet noch nichts; doch erwartet man hier stündlich den General von Below, der uns Näheres darüber bringen wird. Wir haben jetzt das schlechteste Wetter von der Welt, alle Augenblicke Sturzregen, die Einem bis auf die Haut gehen; unsre Leute sind aber dabei gutes Muthes und unverzagt. Die Gegend, in welche wir kommen, hat durch die lange Einquartierung bereits viel gelitten, und ihre Einwohner sind meistentheils gut dänisch gesinnt, was wir schon in Flensburg zu bemerken Ge­legenheit hatten. Wir werden einen sehr beschwerlichen Küsten­dienst. bekommen und mit mancherlei Hindernissen zu kämpfen haben, da die Dänen unsre Vorposten stets zu alarmiren suchen. Hätten wir sie nur einmal in freiem Felde, dann sollte es anders lauten! Die Lebensmittel sind hier theuer, aber gut: nur das Brod will unsern Soldaten noch nicht munden, weil es reines Roggenbrod und schwer zu verdauen ist, (wahr­scheinlich eine Art Pumpernickel.) Uebrigens ist für Trans­portmittel und sonstige Verpflegung der Armee auf das Beste gesorgt. Von Cholera oder sonstigen Krankheiten hört man hier gar nichts."

Welthändel.

Preußenthum und Deutschthum sind an sich Gegen­satze, wie Aepfel und Obst und machen gleichwohl viel zu schaffen. Die Stockpreußen fragen, ob etwa der alte Fritz von seinem Schimmel steigen, den kleinen Dreimaster lüften, und einem habsburgischen Reichsverweser den Steigbügel halten solle. Die abstracten Deutschthümler antworten, die Wiederkehr steifer, nur noch aus Tabellen bestehender Bureaukraten, Hoch- müthiger Krautjunker, wespenleibiger Secondelieutenants und glacebehandschuhter Gecken mit ihrem stehenden menschenver- üchtlichen Kunstlächeln sei allerdings möglich, aber sie werde

unfehlbar einer zweiten Revolution weichen, die keinen Stein auf dem andern lassen werde. Mißverständnisse und Kränkungen von beiden Seiten. Was ist Preußen ohne Deutschland und was Deutschland ohne Preußen? Die preußische Armee hat am 6. August nicht gehuldigt. Das ist die vielbesprochene deutsche Einheit. Der König von Preußen trägt keine Schuld, denn an der Spitze der specifisch preußischen Bewegung steht das bisher so schamlos gekränkte und verhöhnte preußische Volk.

In Bern ist vor Kurzem eine Schrift erschienen, betitelt: Plan zur Republicanisirung Deutschlands von Struve und Heinzen." Zur Begründung eines festen Zustandes in Deutschland, heißt es darin, gebe es nur zwei Wege, den eines deutschen Rußlands oder den einer deutschen Republik. Die Republik werde siegreich hervorgehen aus dem Kampfe, wenn man den Rath der Herren Struve und Heinzen befolge. Zwischen den Fürsten und der republicanischen Partei sei eine Vereinbarung nicht denkbar, sondern nur Kampf auf Leben und Tod. Das Vermögen sämmtlicher Fürsten und ihrer volksfeindlichen Diener sei einzuziehen, alle bisher an fürstliche Personen:c. geleistete Abgaben, alle auf Grund und Boden haftende Lasten, namentlich alle Zehnten seien geradezu aufzu­heben. Denjenigen Fürsten, die noch zur rechten Zeit für sich und ihre Erben auf alle Vorrechte verzichteten, könne eine mäßige Pension im Auslande zugesichert werden, die anderen seien als Volksfeinde sofort zu erschießen. Die baselland- schaftliche Regierung hat hierauf den beiden Herren das Asyl­recht aufgekündigt.

Man sagt, die badische Regierung wolle denProfessorKarl Hagen zur Verantwortung ziehen, wegen seiner gegenwärtigen, die Staatsverfassung unterwühlenden Bestrebungen. Das wäre Schade! Der gemüthliche Mann kommt gewiß von selbst wieder auf den rechten Weg, ohne nennenswerthen Schaden angerichtet zu haben. Vor einigen Jahren konnte er kein Studentencolleg zu Stande bringen, da kündigte er Vorlesungen für Damen an und siehe da, er bekam Zuhörerschaft. So wollte er zu Anfang dieses Jahres den konstitutionellen Monarchisten spielen und blieb unbeachtet. Da drehte er den Spieß, wurde Demokrat und gehört nun zu den Löwen des Tages. Laßt ihn nur noch ein Bischen brüllen, bald wird er heiser und endlich mäuschenstill werden, wie zuvor.

Der Großherzog von Baden hat eine theilweise Amnestie für die bei der Schilderhebung der Republikaner Betheiligten erlassen. Ausgeschlossen bleiben die Führer bewaffneter Schaaren; solche, die als Beamten ihre Pflicht verletzt, die Andern zur Theil­nahme am Aufstand verleitet, eines gemeinen Verbrechens sich