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M'o- @, Weilburg, den 16. August. HN4S»

Dieses ©Litt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen kalben Nozen stark alS Beiblatt zumLahnboten"; der Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 38) kr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erbchunz zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Pelitschl ist 3 kr. Größere Schrift wird nach Verhältniß deS Raunis berechnet.

Welthandel.

DieWiedcrcrobernng der Lombardei scheint sicher gestellt. Herr A. Ruge zu Frankfurt soll sich darüber im philosophischen Stadium des Außersichseins befinden. Radetzky hat am 26. Jul. bei Custozza in einer neunstündigen Schlacht unter einer Glühhitze von 28 Grad die Italiener geschlagen. Die Oestreicher sollen, nachdem Ansdrucke ihrer Feinde, wie Teufel gefochten haben. Das siegreiche Heer hat darauf bei Goito und Volta dem Sardenkönig neue Niederlagen bereitet, Cremona, Brescia, Lodi, Pavia u. s. w haben sich ergeben und am 6. August (am Tage der Huldigung für den deutschen Reichsverweser) ist der österreichische Feldmarschall an der Spitze von 50,000 Mann in Mailand emgezogen. Das Schwert Italiens, Karl Albert, den jetzt die Lombarden einen Judas und Vaterlands- verräther nennen, hatte am 5. kapitulirt und war, nachdem er sich den Schnurrbart noch hatte abnehmen lassen, um Mitter­nacht mit seinen Söhnen und der ganzen Armee davon geeilt. Auch Venedig soll in den Handen der Oesterreicher sein. Wird nun Frankreich interveniren? Die Kabinette von Paris nnd London sollen in Betreff ihrer Vermittlungsvorschläge noch nicht einig sein. Die Franzosen scheinen weniger geneigt, den Oest­reichern etwas zuzngestehen, als die Engländer. Die nächste Zukunft wird entscheiden. Der Bombenkönig Ferdinand soll erklärt haben, wenn der Herzog von Genua die Wahl Siciliens annehme, so werde er sich mit Oesterreich gegen Karl Albert verbinden.

Der 15. 16 und 17. August sollen wichtige Tage werden. Erstens fällt in diese Zeit die Weilburger Kirchweih, zweitens die 600 jährige Jubelfeier des Doms zu K ö l n und drittens sollen von da an, einem Befehle des dänischen Marineministers, zufolge die Elbe, Weser und Jah de blokirt werden. Da wird's allerlei Schüsse geben, Fehl- Freuden- und Kriegsschüsse.

In Wien wird's heller. Der Kaiser hat endlich nachgegeben und versprochen, jetzt in die Kaiserstadt zurückzlikehrcn. Am 8. Aug. wollte er Innsbruck verlassen und wird daher nun wohl in Wien eingetroffen sein.

Der Krieg mit Dänemark wird kräftigst fortgesetzt werden und zwar von Truppen aus allen Theilen Deutschlands. Ein Theil der Weilburger Garnison ist bereits am 10. und 12. Aug. mit Todcsmuth und Gottvertrauen nach Schleswig- Holstein abmarschirt. Dänemark verläßt sich auf fremde Hülfe, das scheint man wohl zu berücksichtigen. Wozu sollte sonst die geforderte und abgeschickte Reiterei in Holstein, Schleswig,

Jütland, wo daS Terrain ihren Gebrauch unmöglich macht? Zum Vorposten- und Depeschendienst war genug dort vorhanden. Glaubt man vielleicht, daß der Schauplatz urplötzlich wechseln könne und will kein Heer ohne Hände, wie Napoleon die Reiterei bezeichnete, in's Feld stellen?

Nun Marschall Drauf. Soldaten Drein,

Es soll zur Ehre Deutschlands iein!

Als sich jüngst zu Wien eine Volksmenge vor dem PalaiS des durch seine Eigenthümlichkeit bekannten Grasen Sandor zu einer Katzenmusik versammelte, trat er an's Fenster und fragte: "Meine Herren, wem wollen Sie die Katzenmusik bringen, mir oder meiner Frau (einer Tochter Metternichs)?" "Ihrer Frau« »Gut, da komm' ich selbst hinunter und helfe.« Und alsbald erschien der Graf mit einem ungeheuren Trichter, auf dem er furchtbar blies. Nachdem der Höllenlärm eine halbe Stunde gedauert und das Volk befriedigt sich entfernen wollte, rief der Graf: Halt, meine Herren, Sie haben vergessen, die Fenster eickzuwekfen. Das gehört dazu! Und der Graf war der Erste, welcher Steine in die Fenster seiner Gemahlin warf. Die Lahnbotin möchte wissen, ob der Herr Graf wohl gemischte Gefühle dabei gehabt hat, oder ob er vielleicht gar in einer gemischten Ehe lebt.

Die Revolution in Irland scheint zu verdampfen, wie ein Wassertropfen auf heißer Eisenplatte. Irland drohte mit einem Heere von 200,000 Bewaffneten, da kam es in Boulagh zum Kampfe. Smith O'Brien, der irische Hecker, umlagerte mit Tausenden von Insurgenten ein Haus, in welchem 60 bewaffnete Constabler eingeschlossen waren. Seine Aufforderung, sich zu ergeben, blieb erfolglos und er legte Feuer an. Da gaben die Eingeschlossenen Feuer, tödteten zwölf Personen, unter ihnen auch Dillon, und jagten die ganze Revolutionsarmee in die Flucht. O'Brien soll auf einem Dampfboot nach Rotter­dam entkommen sein. Unterdessen sind wieder 15 Grafschaften unter die Bestimmungen des Entwaffnungsgesetzes gestellt worden: wer dawider handelt verfällt zweijähriger Zuchthausstrafe. Die Engländer werden den Aufstand bald bewältigt haben, werden sie dann aber auch einmal daran denken, den Saamen zu vernichten und den gerechten Beschwerden des armen Volke- abhelfen?

Bei den Verhandlungen über den Adel im Frankfurter Parlamente gab's heftige Debatten. Der Abg. Jacob Grimm nannte ihn eine Blume ohne Geruch, der alte Arndt redete der Tulipane ritterlich das Wort und ein Dritter sagte, daß das Regiment bürgerlicher Geldsäcke recht brutal werden könne. Ueberall verschiedene Ansichten!