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Die Lahnbotin.

^O- 4» Weilburg, den 2. August. 1848«

Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen halben Bogen stark als Beiblatt zumLahnboten"; der Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 kr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschrift 3 kr. Größere Schrift wird nach Verhältniß deè Raums berechnet.

W e l t h L n d e l.

Die Lahnbotin beginnt ihre Plaudereien von den Welt­händeln wieder mit ihrem lieben Reichsverweser. In dem Archiv des Central - Dombau - Vereins zu Cöln wird das Duplicat der Urkunde aufbewahrt, welche am 4. September 1842 von dem Könige von Preußen und allen bei der Grund­steinlegung zum Fortbau des Cölner Domes anwesenden Fürsten unterzeichnet, in den Grundstein gelegt wurde. Da hat es nun der Zufall gewollt, daß der Name des deutschen Reichsvcrwcsers, des Erzherzogs Johann, rechts auf der Urkunde allein steht, und zwar ein paar Finger breit über den übrigen Namen der deutschen Fürsten. Das war doch gewiß ein Omen! Der Reichsverweser fängt bereits an, zum Schrecken aller Republi­kaner unverantwortliche Streiche zu spielen. Zum Ersten erklärt er, daß er auf jede Civilliste verzichte und will nickst einmal das Mühlens'sche Haus in der Eschenheimer Straße annehmen, das man ihm zur Wohnung ausersehen hatte, weil er bei seinem einfachen Hauswesen, mit nur drei männlichen und drei weiblichen Domestiken, an einer freundlichen Gartenwohnung genug habe; zum Andern legt er den Weg von Frankfurt bis Wien in 42 Stunden zurück, um aller Welt recht deutlich zu zeigen, daß er sich sein Amt gar nicht so bequem machen will, als sich das Manche vielleicht gedacht oder gewünscht haben. Genug, er ist am 17. Juli, Nachmittags in Wien eingetroffen und hat am 22. den Reichstag dort eröffnet. Er wird Vielerlei zu richten und zu schlichten vorgefunden haben, denn die Hetzereien und Umtriebe aller Art sind auch dort noch im Schwange. Es ist zwar erfreulich, zu vernehmen, daß das Wiener Militär mit den Nationalgardisten, Bürgern und Studenten im Augarten am 14. Juli ein großes Verbrüderungsfest gefeiert hat, aber was will das im Grunde genommen heißen? Es geht doch noch bunt genug durcheinander. Diejenige Partei des Wiener Reichstages, welche eine» innigen Anschluß an Deutschland will, ist verhältnißmäßig noch gar schwach und dabei machen sich die Vollbluts-Demokraten in der Kaiscrstadt gewaltig breit. So erschien die ganze Zeit daselbst ein Journal mit dem unver­schämten Titel "der Ohuchose«, dessen Verkauf auf offener Straße mit einem wandernden Bureau betrieben wurde, das ein mit einer blutrothen Schabracke geschmücktes Pferd in Bewegung setzte, wobei ein Mann mit rother Jakobinermütze den Ausrufer machte. Der Sicherheitsausschuß, der die Sache endlich müde geworden war, gibt dem Journale auf, seinen Namen zu ändern. Was geschieht? Das Blatt hat sich in einen "Proletarier« umgetauft und verfolgt nach wie vor repu­blikanische Tendenzen. Unterdessen wird es wohl dem Erzherzog

Johann möglich geworden sein, zur Beilegung der ungarisch- kroatischen Angelegenheit zu wirken; wenigstens hatte er zu diesem Zwecke den Banus (Statthalter) von Kroatien, Jellachich und den ungarischen Minister Grafen Batthyanyi auf den 26. Juli nach Wien beschieden. Man glaubt, daß die Ausgleichung zum Nachtheil Ungarns ansfallen werde, und hält das für ganz gut, da Ungarn in der letztern Zeit Oestreich gegenüber sein Streben nach vollkommener Unabhängigkeit gar zu sehr an den Tag gelegt habe. Uebrigens soll den neuesten Nach­richten aus Pesth zufolge das Repräsentantenhaus dem Ver­langen des Ministers Kossuth, die östreichische Regierung im italienischen Kriege kräftig zu unterstützen, damit sie einen ehren­vollen Frieden erlange, am 20. Juli bereitwillig entsprochen haben, nachdem es darauf aufmerksam gemacht worden sei, daß, wenn man die 12,000 Ungarn aus Italien zurück ziehe, mit ihnen auch 35,000 Kroaten zurückkchren würden. Las würde für die Ungarn sehr bedenklich und Niemandem angenehmer sein, als den braven Schweizern, die ohnlängst bei einem Scheibenschießen auf dem Lido drei Bilder zum Ergötzen der Venetianer wacker durchlöchert haben sollen, von denen das eine den Teufel, das andere Radetzky, das dritte einen Kroaten vorgestellt habe. Auch das Verhältniß zu Rußland wird unserm Reichsverweser zu schaffen gemacht haben, da, wie man hört, die österreichische Regierung jetzt ein starkes Beobachtungs- Heer längs der russischen Grenze, besonders in Polen und Galizien, aufstellen will. Da hatte man's freilich in der alten guten Zeit besser; da marschirtcn alle Jahre 75,000 Männer von Gold aus Petersburg nach Wien, wurden sämmtlich bei dem Fürsten Metternich einquartirt und dann war das ganze Jahr Ruhe, bis neue Recruten kamen. Damit ist's aber am Ende, d'rum haben die guten Wiener wiederholt ihren Kaiser gebeten, bald zu ihnen zurück zu kehren, man sage ihm ja nach, er sei in Innsbruck schulkrank und stehe unter dem Pantoffel- regiment intriguanter Weiber. Der Kaiser hat versprochen, am 26. Juli in Wien einzulreffen, und hat er Wort gehalten, so wird wohl auch unser Erzherzog Johann sein Vorhaben, am 28. Juli von dort abzureisen, ausgeführt haben. Während dieser Zeit hat die Frankfurter N. V. rüstig fortgearbeitet. Sie fleht jetzt bei den Grundrechten des Volkes und geht dabei so umsichtig zu Werke, daß, wenn es so fortginge, nach der Berechnung des Abgeordneten Giskra, die Beendigung dieses Kapitels erst am 1. Mai 1850 zu erwarten stünde; dafür gibt es aber auch gründliche, gute Arbeit. Auch geht es zuweilen so stürmisch her, daß die englischen Zeitschriften behaupten, in einem kosakischen oder walachischen Parlamente könne es nicht schlimmer sein; allein das thun sie nur, um ihre Nation desto mehr heraus zu streichen. Man höre nur, wie sie sich uns zum