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durch und durch kennen, seine Ansichten, seine Wünsche und Hoffnungen; er muß im Volke gelebt haben, und diese Ansichten, diese Wünsche und Hoffnungen theilen, und sie mit hingebender Aufopferung zu verwirklichen streben. Er selbst muß frei sein von Ehrgeiz und Eigennutz und jenem selbstgefälligen Alles belehrenden Dünkel, der mitunter unserm Beamtenstande, den Geistlichen rc. so eigen ist. — Volksmänner dieser Art sind sehr selten, und darum grenzt es oft an's Lächerliche, wenn Personen sich jetzt als solche präsentiren, die es früher kaum der Mühe werth hielten, einem Mann aus dem Volke in's Auge zu sehen. Kein Wunder ist cs aber auch, wenn diese Leute in ihrer neuen Jakobinermütze oder dem Thcatercostüme eines Masaniello seltsam sich ausnehmen; wum sie jeden, der einen blauen Kittel trägt, einen Bauer, und jeden faulen Brandweinlümmel einen Arbeiter nennen; an diese Classe ihre Pamphlete (Flugblätter) richten, und obendrein noch in einem Styl schreiben, der solchen Personen ganz unverständlich ist; dabei ihnen Glückseligkeitsprojecte vormachen, deren Haltbarkeit an dem gesunden Menschenverstände, selbst des Ungebildeten, scheitert.
Zu dieser Classe von Volksmännern rechnen wir unter andern auch die Herren Vayrhoffer, Ronge und Metternich. Ihrer persönlichen Bekanntschaft erfreuen wir uns nicht; aber aus ihren Schreibereien sicht man, daß sie das Volk früher gar nicht, und seit kurzem erst mit verkehrten Augen sich angesehen haben. Sie sagen: wer nicht glaubt, was wir glauben, und wer nicht will, was wir wollen, mit einem Wort, wer nicht die demokratische Republik einführen helfen und uns einzig unfehlbare Verkünder des Heils an die Spitze der Gewalt stellen will, der ist ein Anhänger des alten schlechten Regiments, ein Reactionsmann, ein Zopfträger. Von diesem Gelichter aber, wie die drei Genannten, gibt es noch tausend andere. Aber glücklicher Weise ßüden sie in unserm Nassau für ihre Pläne keinen fruchtbaren Boden; denn hier bildet der besitzende Bauern- und Gewerbsstand die Mehrzahl, die von einer demokratischen Umwälzung, wobei das unterste zu obcrst gekehrt wird, nichts wissen will. Sic ist aber deswegen doch kein Anhänger des alten schlechten Regiments, sie will ein einiges starkes Deutschland, sie will Freiheit des Eigenthums und der Person, Rechtsgleichheit und Rechtsschutz für alle Staatsbürger, und eine vollständige Verbesserung der bisherigen Zustände auf den weltgeschichtlichen Grundlagen und dem Wege des Gesetzes. Wir verzweifle» auch nicht an der Möglichkeit einer solchen Verbesserung, sowie wir andrerseits die Ueberzeugung hegen, daß die Umgestaltung der Regierungs- forme» einzelner deutschen Bundesstaaten von dem vorgesteckten Ziele uns entfernen, uns keineswegs die Früchte unsrer Bemühungen uns werde genießen lassen.
Euch aber, die Ihr unentschieden seid, und erst sehen wollt, wo die Sache hinaus läuft, Euch wollen wir sagen: Auch wir sind Demokraten in anderem Sinne, wir haben die Ueberzeugung, daß in allen Gegenständen der Staatsverfassung und Verwaltung, sei es nach innen oder außen, das Privatinteresse des Regenten oder einzelner Classen der Staatsbürger dem in gesetzlicher Weise kund gegebenen Volkswillen sich unterordnen müsse; aber nicht in der äußeren Form der Verfassung, sondern in unsrer eignen moralischen Kraft erblicken wir die Garantiern für Freiheit, Gesetz und Ordnung, eingedenk des Ausspruchs eines Weltweiseu des griechischen Alterthums: Wo keine Sclaven sind, gibts keine Tyrannen.
In den Märztagen steckten wir die deutsche Cocarde auf, um zu zeigen, daß wir der Parthei angehörten, die in der
Reform eine weltgeschichtliche Nothwendigkeit erkannte. Jetzt hat die Sache sich anders gestaltet. Die radical- demokratische Parthei zieht ihre blutrothe Flagge auf, und bildet einen Sonderbund, gegenüber der großen deutschen Nationalsache. Es ist also nicht mehr hinreichend, die schwarz-roth-goldne Cocarde zu tragen, es müssen die Deutschgesinnten sich vereinen, und der Sonderbündelei einen moralisch kräftigen Damm entgegen setzen. Die tägliche Erfahrung weist uns hin auf die Nothwendigkeit solcher engern Verbrüderungen, damit wir in der Gefahr den Freund vom Feinde unterscheiden. Allein stehen kann und darf Niemand in einer Zeit wie die jetzige, daher wir den Vorwurf der Partheisucht entschieden zurückweisen. Ihr aber habt entweder die Zeit nicht begriffen, oder wollt so lange auf beiden Schultern tragen, bis es sich entschieden hat, welche Parthei die stärkere ist. Eine solche Grundsatzlosigkeit verdient unsre Mißachtung.
Eingesandt.
Anzeige der Vorlesungen auf der Universität Rennerod für das Winterhalbjahr 1848/49.
I Theologische Facultät.
Kirchenrath Reuß t: Vorlesungen über das Schicksal des Schächers zur Linken.
Derselbe: Privatissimum über Pastoralklugheit.
Caplan Fritz: Privatissimum über die Nachtheile des Religionsunterrichtes auf Gelehrtenschulcu.
II. Juristische u. staats Wissenschaft!. Facultät.
Staatsrath Frech: Vorlesungen über positives Recht, vom Boden der Revolution aufgefaßt.
Derselbe: Practicum über Jagdrechc und Hazardspiele.
Derselbe: Disputatorium über Volkssouveränität, Unterthänig- keit und Einfachheit der GAetzgebung, mit besonderer Beziehung auf die zwei nass. Gesetze.
Polizeirath Myllius: Vorlesung über die neueste Art der Censurstriche.
Derselbe: Disputatorium über das Simpelwesen.
Außerordentlicher Profestor Altmann: Vorlesung über Hypothekenbank und Creditwesen.
111. Medicinische Facultät.
Sanitätsrath Deuwel: Ueber den medicinischen Einfluß des Geistigen auf Geist und Gemüth, mit specieller Berücksichtigung der neuesten Experimente.
Derselbe: (Privatissimum): Ueber die Perceptionsfähigkeit des Rückens und über den Sitz der Gehörorgane.
Privatdocent Rapar: Ueber den Medicin. Nutzen der Raubvögel. IV. Philosophische Facultät.
Magister Justinianus: Ueber den Hegel'schen Weltschmerz.
Derselbe: Disputatorium über den Umschlag des Begriffs.
Derselbe: Privatissimum über die Umgestaltung der Schulreferate, nach dem Princip der Revolution.
Privatdocent Rapar: Ueber die Geschmacksbildung der freien Indianer.
Caplan Fritz: Schönwissenschaftliche Vorträge über Ooids ars amandi.
Derselbe: Privatissimum über das Komische und Erhabene im Thierreich.
Sanitätsrath Deuwel: Ueber Landwirthschaft, besonders über die neueste Construction der Dreschflegel.
Derselbe: Practicum über das Aesthetische in dem Gedichte: Wanke nicht, mein Vaterland.