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Offener Brief an die Turner zu Fürstenberg nnd RepMikbanscn.

Wenn Ihr mit Euerm alten Wahlspruch -frisch, fromm, fröhlich und frei» nach vollbrachter Tagesarbeit und unter dem Klange froher Lieder auf Euern Turnplatz zieht; wenn Ihr dort in Heitern Gesprächen Eure Uebungen macht, und gestärkt an Körper und Geist hcimkehret; wenn Ihr darauf noch bei einem Glase Gerstensaft in nützlichen Unterredungen über die Tagesbegebenheiten Euch belehrt; dann werdet Ihr den Zweck der Turnerei erreichen, Ihr werdet nämlich stark den Gefahren trotzen, die das deutsche Volk von innen und außen bedrohen; Ihr werdet dem Feinde kühn in's Auge sehen, der das Vater­land seiner Einheit, seiner Freiheit, seiner Kraft berauben will. Ihr werdet mit Wort und That deutsche Männer sein. Wenn Ihr Euch aber weis machen laßt, daß die turnende deutsche Jugend, auch wenn sie nichts gelernt als Aepfelwein trinken und Cigarren rauchen, vorzugsweise berufen sei, über die Geschicke Deutschlands zu gebieten; wenn Ihr Euch einbildet, daß nur unter der Turnjacke ein Herz für die große deutsche Sache schlagen könne, oder gar, daß die Turnerei zum Aus- Hängschild für wühlerische Umtriebe könne gebraucht werden, oder endlich, daß jeder Schuft zum ehrlichen Mann gestempelt wurde, wenn er behend an dem Reck sich schwingen könne; dann seid Ihr auf dem Holzweg.

Wir schreiben diese Zeilen nicht, um Euch die Turnerei zu verleiden, und für Viele unter Euch mögen sie wohl ganz überflüssig sein; aber wer darin eine Belehrung findet, mag es lmnierhin uns danken, daß wir in dieser Weise der Turnerei hier gedacht, der wir stets mit Liebe zugethan waren.

Zum Schlüsse ein frohes Gutheil!

Politische Gewürzschachtel.

H?rr H. sagte ohnlängst in der Ständekammer, die Jagd würde als herrenlos betrachtet und von Jedem nach Belieben occupirt.

In dieser und andern Aeußerungen des Herrn Deputirten erkennen wir die verbrauchten Amtsstubenscbwänke und Schlag­wörter, womit die rechtsuchenden Partheien nicht selten fort­geschwätzt werden. Angenommen aber, es verhalte sich so mit der Jagd, wie Herr H. meint, so werden die Bewohner von Republikhausen sich durch das übereilte Jagdgesetz nicht abhalten laffen, ihr Brätchen im Walde zu holen und nöthigen- falls auch den Spickspeck dazu in dem Saustall eines Müllers.

Der deutsche Michel als Forstcandidat im Eramen.

Frage: Wie wirb die Forstcuktur gehoben und die Wald­nutzung vermehrt?

Antwort: Wenn man alle Forststrafgesetze aushebt, das Forstpersvnal cassirt, die Waldungen nach Belieben vor, den Gemeindm bewirthschaften läßt, wie in der guten alten Zeit, und bei Holzverstcigerungm jedem, der uus abbictet, auf den Kopf schlägt.

Frage: Welche Hunde werden in Zukunft zur Jagd gebraucht? Antwort: Die Windhunde, die Lumpenhunde und die Schweilthunde.

Frage: Welche Thiere wechseln im März die Farbe?

Antwort: Die Füchse und sonstige Schlauköpfc.

Wenn es unsern s. g. demokratischen Vereinen gelingt, Deutschland in eine oder mehre Republiken oder viele Republikchen zu verwandeln, dann, o weh, Ihr Frauen und Jungfrauen! Auch Ihr werdet dann alle drei Jahre neu gewählt; denn jede langweilige Ehe ist ja ein historisches Unrecht.

In einer demokratischen Versammlung sprach jüngst Einer vom Herzogthum Nassau. Da erhoben sich mehrere Donnerstimmen; und bald wäre der Mann aus dem souve­ränen Volke zum Fenster hinausgeflogen, weil er eines unde­mokratisch-heuchlerisch-reactionären Ausdrucks sich bedient hatte.

In Diez hat cs am 8. und 9. Juli einen kleinen Putsch abgesetzt. Einige blondhaarige radikal-demokratisch-republika­nische Turner sollen dabei übel weggekommen sein. Die "Freie Zeitung" beklagt in diesem Acte der Volksjustiz eine ruchlose Störung der natürlichen Freiheit. Wir erwarten die Mit­theilung eines Unparteiischen.

Ein Correspondent der «Freien Zeitung« aus Frankfurt zählt in der Nationalversammlung 346 Anhänger des «alten Regiments" und klagt über diese «fabelhafte Weise der Volksvertretung.« Er rechnet hierunter 86 Pro­fessoren , 131 Richter und Anwälte und 13 Minister und ruft aus: «Deutsches Volk! heißt das Volksver­tretung?« Die Lahnbotin sagt: Allerdings, das Volk hat sic im Geiste der Reform frei gewählt, cs sind Männer von Bildung und Verstand, und das Herz werden sie auch auf der rechten Stelle haben. Wenn Du Pflastertreter aber nicht damit zufrieden bist, so mache, daß Dein deutsches Volk Dich selbst wählt und deinesgleichen; dann wollen wir sehen, ob Ihr vom alten oder neuen Regiment seid, und ob Ihr das Volk in der Wirklichkeit oder blos auf dem Theater gesehn habt.

Die «Freie Zeitung« enthielt in einer ihrer letztem Num­mern eine sehr seichte und einseitige Charakteristik unsrer Lan- desdeputirten, entnommen dem «Deutschen Zuschauer.« Wir bedauern, daß die «Freie« ein auswärtiges Parteiorgan als Quelle der Belehrung über innere Zustände benutzt, und wünschten, daß sie selbst auf den hohem Standpunkt der par- theilosen Kritik sich stellen, oder solche Blätter benutzen möge, von denen dieß gesagt werden kann. Der «Deutsche Zu­schauer" hat, wie viele Andere, das Gesicht verloren, seine Brille ist angelaufen durch die plötzliche Luftveränderung. Er ist nur noch Zuhörer, und läßt sich allerlei dummes Zeug aufhängen. Wer heut zu Tage ein Zuschauer sein will, muß Augen und Ohren zugleich aufthun.

Wer war denn eigentlich der Brutus? fragte des deut­schen Michels langer Fritz seinen Alten beim Kaffeetrinken. Ha! das war ein Kerl, sagte Michel, das war auch so ein Republikaner zu den alten Römerzeiten; aber nicht so, wie sie jetzt sind, aus dem Marionettenkasten. Der alte Brutus, der hat sich iu's Schwert gestürzt, wie er sah, daß die Republik unterging, lind er sie nicht retten konnte. Aber jetzt wollen sie die Republik erst machen, und meinen das ging so, wenn sie dem Gagern ein Äatzenständchcn brächten, und »Vivat Hecker.» krischen.

Die Kennzeichen.

Das Recept gegen die Wassersucht in Nr. 15 des «Lahnboten« erprobt sich durch starke Schweiße und Stuhlgänge der Patienten.

Verantwortlicher Redacteur: C. v. St. George. Druck und Verlag von L. E. Lanz.