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Vie Lahnbolin.

Bf10- 3» Weilburg, den 19. Juli. 1848.

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Der IG. Juli 1848

war für Weilburg ein Festtag, der allen Bewohnern unsrer Stadt unvergeßlich sein wird. Es fand nämlich an demselben die Weihe der von Weilburgs Frauen und Jungfrauen für die hiesige Bürgerwehr bestimmten Fahne statt. War nun gleich diese Feier schon an und für sich eine wichtige und belangreiche , so erhielt sie doch für Weilburgs Bürger ihre höchste Bedeutung erst durch die Anwesenheit ihres geliebten Herzogs, den sie ;inn ersten Male in diesem ereignißvollen Jahre mit den Gcsiniinngen einer unwandelbaren Treue und Anhänglichkeit in ihrer Mitte begrüßen durften. Nachdem am Abende zuvor der Liederkranz den auf dem Rathhause ver­sammelten an der Fertigung der Fahne beteiligten Frauen und Jungfrauen eine Serenade gebracht hatte und der Mor­gen des Festtages selbst durch Kanonenschüsse begrüßt worden war, begann Vormittags um 10*2 Uhr nach Beendigung des Gottesdienstes die Festlichkeit auf dem zu diesem Zwecke sehr geschmackvoll verzierten Marklplatze unter Geschützsalvcn und musikalischen 8 ortragen der hiesigen Herzoglichen Regi­mentsmusik. Zuvörderst geruhten Seine Hoheit die Wehr- mannschaft zu iuspiciren, worauf Fräulein Franziska Giese folgende Anrede hielt:

Deutsche Wehrmänner, Bürger von Weilburg!

Mit freudiger Empfindung begrüße ich Euch im Namen der Frauen und Jungfrauen unserer Stadt. Es ist ein stolzes Gefühl, mit welchem wir jetzt freie Männer vor uns sehen im Schmuck altdeutscher Waffenehre. Es ist der Wendepunkt einer großen Zett. Die Finsterniß ist entschwunden, ein freund­liches Morgenroth angebrochen und schon erleuchten die goldnen Strahlen des Tages die Gauen unsres Vaterlandes. Wie durch Zauberkraft ist die alte Ordnung einer neuen gewichen, gelegt ist das feste Fundament, auf welchem sich der Neubau unsrer Freiheit erheben soll. Und dieses Kleinod, deutsche Wehrmänner, ist in Euren Schutz gegeben, Ihr habt das herrliche Gut zu sichern und zu wahren, Ihr sollt die kaum erschlossene Blüthe der Freiheit schützen gegen den Gifthauch der Zerstörung. Für- wahr ein schöner, ein heiliger Beruf, einzustehen für die höchsten Güter des Lebens zum Heil der Mit- und Nachwelt. Und wir Frauen und Jungfrauen, denen eS versagt ist, mit kräftiger Hand die Waffen zu ergreifen gegen die Anmaßungen der Gewalt, wir hätten an diesem Eurem Feste nicht zeigen sollen, daß wir, wenn auch nicht kämpfen, doch mit Euch fühlen und streben für die schönere Zukunft, daß gleiche Begeisterung und Vaterlandsliebe auch unsre Herzen erfüllt? Nein, die Ehren­tage deutscher Männer sind auch den Frauen hehr und heilig.

Darum reiche ich Eurem Führer das schwarz- roth -goldne Banner, um das Ihr Euch schaaren sollt, wenn es gilt, den heimischen Heerd zu schirmen, wenn die Pflicht gebeut, mit Mannermuth Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten, wenn die Ehre ruft, das Vaterland mit Gut und Blut vor inneren und äußeren Gefahren zu vertheidigen. Nehmet diese Gabe von uns freundlich auf! Möge sie fortan Euch dienen als Sinnbild der großen Errungenschaft der jetzigen Zeit und möge sic stetS Euch mit Dank und Liebe gedenken lassen unsres edlen Herzogs Adolph, der so vertrauensvoll den Schutz für Freiheit, Recht und Ordnung in Eure Hände gelegt hätt Es ist Vieles vergangen und Vieles neu geworden, aber Eins soll bleiben und sertbestehen, der alte Biedersinn, den Weilburgs Bürgerschaft bisher in allen Lagen und Verhältnissen zum Ruhme seines Namens bewährt hat!

Ter Comüiändant'der DürgerwH', Herr Georg Wimpf entgegnete hierauf Folgendes:

Verehrte Frauen und Jungfrauen!

Im Namen der gejammten Wehrmannschaft danke ich Ihnen auf das Herzlichste für die schöne Gabe, mit der Sic uns beehrt haben. In sinnreicher Weise und mit ausdauernder Sorgfalt haben Sie sich an diesem werthvollen Geschenke beteiligt. Wir erkennen es mit dem wärmsten Danke an. Was uns jedoch vor Allem erhebt und mit Freude erfüllt, ist der edle Sinn einer begeisterten Vaterlandsliebe, die hiermit alle Stände, Reiche und Arme, Hohe und Niedere zu erkennen geben. ES ist die Uebereinstimmung mit unsern innigsten und heiligsten Gefühlen.

Die hohe Bedeutung des heutigen Tages hat die verehrte Festrednerin so beredt und eindringlich geschildert, daß ich in dieser Beziehung nichts mehr hinzuzufügen habe. Nur EinS erlaube ich mir noch hervorzuheben, es ist das Losungswort, das Sie uns gegeben, das Losungswort »für Freiheit, Recht und Vaterland."

In diesem Wahlspruche werden sich alle Vaterlandsfreunde willig vereinigen und darum wollen wir dieses Banner als das Sinnbild brüderlicher Eintracht betrachten, in der wir streben lind kämpfen für das Wohl unseres Vaterlandes.

Somit übergebe ich Ihnen, Herr Decan, diese Fahne zur Weihe.

Herr Decan Manger, zu dessen Seiten Herr Stadtpfarrer Dörr, Herr Pfarrer Müller und der israelitische Geistliche Herr Treuenfels standen, sprach hierauf:

Deutsche Wehrmäuner, geliebte Brüder! Was dem braven Manne seine Ehre ist, das war von jeher jeder bewaffneten