Die Lahnbotin.
Mr0- le Weilburg, den 12. Juli. 1848.
Dieses Blatt erscheint wöchentlich einmal und zwar Mittwochs einen kalben Bogen stark als Beiblatt zum „Lahnboten"; der Preis ist in Weilburg für beide Blätter vierteljährlich 30 fr. Dasselbe ist durch alle Postämter mit einer kleinen Erhöhung zu beziehen. — Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile in Petitschnfl 3 fr. Größere Schrift wird nach Verhältniß deè Raums berechnet.
Leitende Grundsätze.
Das deutsche Volk will und soll glücklich werden; aber weder die republikanische noch die konstitutionelle Regierungsform bilden das Glück selbst, vielmehr sind es nur verschiedene Wege, die zu ein und demselben Ziele uns führen sollen. Auf dem letzter» glauben wir schneller und sicherer anzulangen, weil dadurch ein gewaltsamer Umsturz des Bestehenden vermieden, und nicht erst die besten Kräfte der Zeit in dem Kampfe um die Form aufgerieben werden.
Die Reformation hatte einen dreißigjährigen Krieg zur Folge. Der Streitpunkt war: Ich will gleiches Recht mit Dir am Himmel. Jetzt aber heißt es: Ich will gleiches Recht mit Dir an der Erde. Das würde ein langer mörderischer Kampf werden, und, wenn er geendet, "die Besten weggerafft, die Erde ein großer Sarg der Freiheit und der Kraft", dann wüßten wir immer noch nicht, ob den blutgedüngten Feldern die Saat des Heils entkeimen würde. Die blutige Katastrophe in Paris bildet ein schwarzes Blatt in dem Buch der Weltgeschichte, das wir mit thränenschwerem Auge überschlagen. Aber wenn erst in unserm deutschen Vaterlande ein solcher Kampf beginnt; dann wird die Sonne am Himmel selbst ihr Antlitz verhüllen; und — wer weiß, wie er endet. Lasset daher mit allen Kräften uns danach streben, daß die Humanität nicht roher Gewalt unterliege. Unser Wahlspruch sei "Freiheit, Gesetz und Ordnung."
Die "Lahnbotin", die geschwätzige Hälfte ihres ernstem Gemahls, ist keine ephemere Ausgeburt der ungewohnten Preßfreiheit, sie ist Bedürfniß für alle, welche die größern Zeitungen nicht lesen oder nicht verstehen können. Sie wird einzelne interessante Ereignisse in populärer Darstellungsweise ihren Lesern vorführen, die Gebrechen der Zeit mit der Geisel des Humors züchtigen, und besonders die Zustände unsers Landes freimüthig kritisiren.
Die Aufstellung unhaltbarer Glückseligkeitstheorien wird sie den politisch-socialen Phantasten und Glücksrittern überlassen, »nid nur selten ihre Leser auf das Gebiet trockener Belehrung begleiten. Ihre Farbe ist die deutsche. Sie wird nicht weniger den Stillstand oder die Reaction als die unter der Flagge der Demokratie sich geltend machenden anarchischen Gelüste bekämpfen. Sic erkennt in der konstitutionell- monarchischen Negierungsform die beste, und in dem Reichsparlament das absolute Organ des Volkswillcus.
Sie gehört nicht zu den "Fanatikern der Ruhe", aber auch nicht zu Denen, die nur den Fortschritt in ihren Beutel befördern wollen.
Für Katzenmusiken wird nichts gutgethan; aber auch andere Demonstrationen, die die Freiheit der Presse beeinträchtigen, werden entschieden zurückgewiesen.
W e l t h â n d e l.
Meine verehrten Gönner und Gönnerinnen werden eö mir wohl nachsehen, wenn ich ihnen für heute nur das Allerwichtigste von den Ereignissen berichte, die sich jetzt zutragen. Es gehet mir eben wie allen jungen Frauen, die in den Flitter- wochen leben. Man kommt, so eigentlich zu sagen, gar nicht recht zu sich, zu einer neuen Haushaltung ist Vieles, sehr Vieles erforderlich und waö soll man am Ende beginnen, wenn die Hauptsache des eigenen Heerdes, der Kochapparat, noch fehlt! Mein Kochheerd ist nämlich erst heute aufgesetzt worden. Darum Eftduld ein wenig, das nächste Mal bringe ich mehr.
Was die ganze Welt — die republikanische Partei, die jetzt in ihren Idealen schwelgt, nicht mitgerechnet — in Jubel und Entzücken versetzt, ist die Wahl des Erzherzogs Johann zum deutschen Reichsverweser. Die von Frankfurt nach Wien entsendete Deputation der Nationalversammlung berichtet in einem an ihren Präsidenten Heinrich Gagern gerichteten Schreiben, daß ihnen in den Städten, welche sie durchreist habe, ein Empfang geworden sei, wie man ihn ehedem nur Fürsten bereitet hätte. Der Mann ihrer Wahl ist aber auch ein Mann von echtem Schrot und Korn, ein Volksfreund im edelsten Sinne des Worts und außerdem von ausgezeichneter wissenschaftlicher Bildung. Wie viel wir insbesondere von ihm für die Hebung der Industrie, des HandelS, der Gewerbe und