fruteit, die in Köln ausgebildet werden. Koblenz, Cöln und Jülich werden armirt und so gewinnt Alles plötzlich ein kriegerisches Ansehen. Wir sind nun neugierig, waS die Cölner Reservisten in Folge iher Eingaben an das StaatSministerium machen werden. Etwa erst eine beruhigende Erklärung desselben abwarten, daß ihr Marsch nicht über die Kohl- und Gemüsegärten ihrer Vaterstadt hinausgehen soll? Wir glauben dies nicht; wir sind vielmehr der Meinung, daß die wackern Cölner diesmal o h n e P r o t e st sich zu ihrem Regimente begeben und es für eine Ehrenpflicht halten werden, Angesichts ganz Deutschland die Marken ihres schönen Landes zu bewachen. — Der hiesige auS etwa 100 Mitglieder bestehende liberale Bürgerverein hat eine Adresse an die Berliner und an die Frankfurter Versammlung beschlossen. (F. I.)
Altona, 25. Mai. Gestern Abend und heute Morgen war unsere Stadt sowie Rendsburg in der größten Bewegung, eS hatte sich daS Gerücht verbreitet, daß Dänen im Anzuge seien und auf Rendsburg unb hier loSrückten. Es waren wirklich 4 Korvetten und ein Schoner in der Eckernförder Bucht gelandet und hatten gestern Nacht ihre Mannschaft bei Eckernförde ans Land gesetzt. In der Nacht noch halte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer über das Land verbreitet, die Dorfgemeinden waren überall aufgeboten worden, und die Dänen gingen nach Tagesanbruch, nachdem sie Lebensmittel und Wasser requirirt hatten, wieder an Bord, so daß die ganze Landung und die Angst sich in Nichts auslöste. Aengstlich ist eS sehr, da die Dänen von den Schiffen auS überall ans Land können und der ganze südliche Theil von Holstein und fast ganz Schleswig unbesetzt ist, also bei jeder Okkupation dem Feinde widerstandslos Preis gegeben ist. Gestern Abend kam der erste Trupp der dänischen Gefangenen, Offiziere und Unteroffiziere, hier an, unter ihnen befand sich auch der berüchtigte Pirat Dirking-Holmfeld. Heute Mittag werden noch 500 Gemeine nachfolgen. Die Gefangenen sollen alle nach Stade gebracht werden, doch sind sie vorläufig hier in eine Kaserne- gebrachr, bis Die Nachricht von Hannover eintrifft, daß sie in Stade ausgenommen werden können. (D. Z.)
Luxemburg. Nach einem Berichte in der „Rot- terdam'schen Courant" waren bei der Regierung Nachrichten eingelaufen von einem Konflikte zwischen den Bun- deStruppen und den holländischen Offizieren, welchen Letztere jenen nicht mehr gehorchen wollten. Die Insubordination soll sich vorzüglich unter den in Luxemburg gebornen Offizieren und Unteroffizieren gezeigt haben. Die Rädelsführer wurden verhaftet und vor einen KriegS- rath gestellt. In Echternach, Dietirch und Ettelbrück aber nahm daS Volk Partei für dieselben, so daß eS zu Kollissionen kam, welche jedoch bald unterdrückt wurden.
Ungarn.
Pesth, 21. Mai. ES ist an unser Ministerium daS Gerücht gelangt, daß daS Wiener Ministerium die gejammte Monarchie unter den Schutz Rußlands gestellt habe. Sogleich fertigte unser Ministerium einen Courier an den König nach Innsbruck ab, um an- zufragen, ob der König selbst seine Einwilligung zu solchem Schritte gegeben, welcher die augenblickliche Auflösung der pragmatischen Sanktion zur Folge haben müßte. In dem Radikal-Kör wurde gestern Nacht sehr ernstlich darüber verhandelt. Man machte den Vorschlag, Frankreich um Hülfe anzugehen, was aber der Präsident, Graf Ladislaus Teleky und Andere nicht billigten, indem Ungarn in sich selbst Kraft genug habe, seinen inneren und äußeren Feinden zu widerstehen und auch erst nach der äußersten Anstrengung auf die Sympathien Euro- pa'S rechnen könne Man bereitet sich aber auf einen Kampf auf Tod und Leben vor. Der Radikal-Kör eröffnete eine Subscription freiwilliger Beiträge zur Ausrüstung von Freiwilligen. 10,000 Gulden kamen bald zusammen. — Die Liste ist jedoch noch nicht geschlossen. ( BreSl. Z.)
Auch ein Wort über Sprachreinheit.
Wie wir vernommen, sollen die lange genug in öffentlichen Sitzungen gang und gebe gewesenen Fremdausdrücke: Präsident, Sekretär und Deputirter in unserer Ständekammer verbannt und durch deutsche Benennungen ersetzt werden. In der That, da« wäre vernünftig und erwünscht und namentlich deutschen Volksabgeordneten geboten. Es wäre überhaupt dem Geiste der Zeit entsprechend, wenn wir nun, da so manche« gereinigt, geläutert und erneut werden soll, auch das Gold unserer Sprache von den Schlacken der „Fremdwörter" trennten. Unsere liebe Muttersprache, unter den lebenden Sprachen eine der wortreichsten und biegsamsten, die „bei inannigsacher Utan läge an immer neuer und doch deutscher Wendung reich" ist, muß endlich gleich dem einen deutschen Volke „gesondert, ungemischt und nur sich selber gleich" sein. Unsere bisherige Sprache, namenlich die in Zeitungen und Flugschriften, glich bisher öfters mehr einem Kauderwelsch und Gemengsel, als einer in sich reichen und genügsamen, eines großen Volkes würdigen Sprache. Es erscheinen noch täglich Aufsätze und Zeitungsberichte überfüllt mit verunstaltenden Fremdwörtern und selber der sprachlich gebildetere und bewanderte Deutschen ist oftmals genöthigt, beim Lesen deutscher Blätter zum vollkommen richtigen Verständniß das Fremdwörterbuch zur Hand zu nehmen. Wie mag es erst dem schlichten Landmann oder dem armen Ausländer gehen, welcher deutsch lesen und verstehen gelernt hat, aber statt auf eine reine deutsche Sprache, aus einen Schwulst von griechischen, lateinischen und französischen Wörtern stößt, denen man die deutsche Endung anhängte; wie soll der Fremde sich zurecht finden, wenn der Deutsche selbst mit seiner Muttersprache zum richtigen Verständnisse seine liebe oder richtiger gesagt, schwere Noth damit hat.
Dieser Gegenstand ist nicht« weniger als geringfügig, benn so viel auch schon über Sprachreinheit gesprochen und geschrieben worden ist, so ist es bisher doch blos Wunsch, Vorsatz und „guter Wille" geblieben, und das schöne Ziel dieser Reinheit ist gleich dem der Einheit leider bei uns noch nicht erreicht.
Unsere Muttersprache ist so reich, so schön und wird von unS mit Gewalt so verundeutscht und verunstaltet, ■ Welche Sprache dürfte mit der unseren wetteifern, wenn wir ihren Wohllaut und vor allen Dingen ihre Reinheit zu erhöhen gesucht haben? Der Gebrauch der Fremdwörter ist unstreitig etwas Undeutsches.
Möchte man daher im bürgerlichen Leben sowohl, wie im Felde der Kunst und Wissenschaft, in dem Nähr -, Lehr - und Wehrstand sich durchweg des guten Mutteelauteâ bedienen, und dieses Sprüchlein ausdrücklich beherzigen-
„Willst du ein ächter Deutscher sein, So sprich auch deine Sprache rein — Latein und deutsch, französisch bunt und kraus, Das sieht wie eine Narrenjacke aus "
G. K.
Geschichte des Veutschen Bauernkrieges.
Von Dr. Julius. (Fortsetzung.)
Die Hinrichtungen waren so zahlreich, daß, wie ein Geschichtsschreiber jener Zeit sagt, man ordentlich mit den Köpfen kegeln konnte. — Nur Florian Geyer starb mit seiner schwarzen Schaar einen schönen Tod, tapfer kämpfend für die Sache des Volkes, für die er bis zum letzten Athemzuge sein Schwert schwang. Nachdem er sich heldenmüthig auf dem Ingolstädter Schlosse vertheidigt und mit wahrem Löwenmuthe mehrere Angriffe glücklich zurückgeschlagen hatte, bahnte er sich einen Weg mitten durch den Feind, um mit einigen Getreuen ein nahegelegenes Gehölz zu erreichen. Florian verlor den Muth nicht, so lange ihm Arm und Kopf blieb. Er beschloß einen neuen Haufen zu bilden und in der Gegend von RieS, Rottenberg und Bärengrilnd sich zu halten. ES gelang ihm dies auch, aber seine Stunde hatte geschlagen. Den 9. Juni wurde er aus dem Speltich, einem waldreichen Hügel von seinem eigenen Schwager, Wilhelm von Grumbach, erreicht und erschlagen. AlS er fiel, bedeckte er sich daS Gesicht. —
Nachdem nun ganz Deutschland mit Leichen und Tlmm- mern bedeckt war, wurde die Ordnung wieder hergestellt, dem Gesetz und der Obrigkeit wieder Achtung verschafft. Der augenblickliche Erfolg war eher nachtheilig, als günstig. Den Besiegten ging es schlimm; die armen Bauern hatten auf keine Erleichterung ihrer Lage zu rechnen; straffer als je zuvor, wurden die Zügel von den Machthabern wieder angezogen und erdrückender, als je zuvor, dem armen Manne Lasten aufgewälzt. — Man bedauert und verurtheilt die Blutscenen, welche die französische Revolution von 1789 befleckt haben. Wo aber energische Ausdrücke genug finden, um die unmenschlichen Grausamkeiten zu brandmarken, die im Jahre