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Der Velksfreund.
Alles für das Volk, und Alles durch das Volk!
Wiesbaden. Mittwoch, den 31. Mai 1848,
Gedanken über das Grundgesetz der deutschen Nation von Dr. Zais.
(Fortsetzung.)
Die französische Revolution.
Wie nun in Deutschland seit Jahrhunderten die Tendenz zur Trennung vorherrschend war, so in Frankreich die Richtung in dem Könige die ganze Gewalt des Landes zu vereinigen. Diesem Einheitsprinzipe zu Folge wurden die Hugenotten mit dem Schwerte vertilgt, die Macht des hohen Adels gebrochen und der berüchtigte Ausspruch des Königs in Ausführung gebracht: der Staat, der bin ich. Hatte diese Politik allerdings dem einigen Frankreich einen überwiegenden Einfluß auf das Ausland, insbesondere auf das getheilte Deutschland verschafft, so hatte sie im Innern des LanveS durch die Berschwendung und den liederlichen Haushalt des HofeS und Mißbräuche aller Art eine völlige Zerrüttung der Finanzen zur Folge; das Feudalwesen und die Hierarchie bestanden noch in voller Krast, sie waren mit dem Hofe aufs engste verschwistert und saugten in seinem Namen daS Volk aus.
Inzwischen hatten sich auch hier die Ideen der unveräußerlichen Menschenrechte, die vorenthaltenen Rechte des Bürgerstandes der Adels-, und der Priesterkaste gegenüber , über das ganze Volk verbreitet. Da ihnen der religiöse Boden durch die Niederschlagung der Refor- mirten entzogen war, so warfen sie sich mit um so größerer Macht auf den Staat und seine Vertreter. DaS Parlament ein kümmerlicher Rest alt-fränkischer Freiheit, sollte dem absoluten Königthum aus der Klemme helfen; aber die zu diesem Behufe zusammengerufene Nationalversammlung stürzte mit einem Schlage den morschen Feudalstaat zusammen; das Bürgerthum erklärte die allgemeine Freiheit und Gleichheit, die Republik wurde auf den Trümmern der Königsburg ausgerufen. Nur durch die Gewalt deS Schreckens konnte eine solche alles Bestehende vernichtende Umwälzung durchgeführt werden. Gleichheit wurde geschaffen, alle Privilegien vernichtet, die bevorzugten Stände aufgehoben; aber unter der Herrschaft des Beils konnte keine Freiheit erblühen.
Die abstrakte StaatSeinheit blieb und mußte unter den vorwaltenden Umständen zur Selbstcrhaltung gegen äußere und innere Feinde im Prinzipe festgehalten werden. Die Tirannei der Mütze war so schrecklich wie die der Krone; die Rache der Jakobiner überbot noch wo möglich die Bartholomäusnacht und die Dragonaden der Könige.
Der alles gleichmachende Despotismus fand endlich den Mann, der ihn zu handhaben verstand. Die Repn- blik, eine solche blos dem Namen nach, ging an die
Soldateska über, deren General sich zum Diktator, zum Kaiser von Europa aufwarf.
Nach tapferer Gegenwehr fiel endlich auch das Reich im Jahr 1806, nachdem schon 5 Jahre zuvor das ganze linke Rheinuser an Frankreich abgetreten und die Fürsten mit den geistlichen Gütern diesseits entschädigt worden waren.
Der römische Kaiser deutscher Nation legte die Reichs- kröne nieder und vertauschte sie mit einer erblichen Kaiserkrone Oesterreichs.
Napoleon band die deutschen Fürsten an seinen Siegeswagen, er machte sie souverain und überhäufte sie mit Land und Gütern.
Von dem Kontinent war nun die Freiheit und die Selbstständigkeit der Völker gewichen; in England allein fanden sie noch eine Stütze, das in Folge seiner zur Reformationszeit durchgemachten Revolution groß und mächtig anstand.
Deutschlands E r m a u n u n g und E n t t ä u - s ch u n g.
Dentschland hingegen hatte aus der Reformation nichts, als seine religiöse Ueberzeugung gerettet. Während nun seit jener Zeit seine politischen Zustände in stetem Rückgänge begriffen waren, bildete sich in dem Gemüthe des Volks desto mehr entweder die rein menschliche oder die religiöse Seite aus; ein kosmopolitischer, weltbürgerlicher Sinn oder eine religiöse Anschauungsweise wurden vorherrschend ; auf der einen Seite Toleranz gegen Andersgläubige, aus der andern Pietismus. Das Aufgeben religiöser Vorurtheile und daS Studium der griechischen und römischen Klassiker erweckte eine neue deutsche Bildung, deren Höhepunkt die deutsche Philosophie, deren Stifter der große Kant war. Die Philosophen Deutschlands werden ewig neben denen Griechenlands als eine Leuchte der Menschheit dastehen.
Inzwischen schien der Nationalsinn unter diesen religiösen und humanistischen Bestrebungen ganz aus der Nation weichen zu wollen. Die unaufhörlichen Kriege mit Frankreich hatten wohl einen tiefen Nationalhaß zurückgelassen, aber an eine feste Vereinigung gegen den gemeinschaftlichen Feind war vor der Hand nicht zu denken , indem jeder deutsche Staat nur seinen Vortheil im Ange hatte. Die Napoleonische Soldatenherrschast, der schmähliche, auf der Nation lastende Geistesdruck, die fortwährenden Opfer an Menschen und Geld brachten endlich Fürst und Volk zur Besinnung. Beide waren bis jetzt zwei besondere ganz verschiedene Dinge gewesen, die sich gegenseitig nichts auzugehen schienen; ersterer brauchte nur Geld und Soldaten, letzteres hatte nur zu gehorchen. Unter der Fremdherrschaft fühlten sie aber, daß es mehr als des Befehls und des blinden Gehorsams bedurfte um das fremde Joch abzuschütteln. Von Seite deS Volks war man zu patriotischen Opsern be-