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Reihe der schwerer Betheiligten köpfen. Die Stadt zahlte 40,000 Gulden Schatzung, lieferte alle Waffen und Pferde aus, verlor die Reichsfreiheit, wurde oben­drein noch geschleift und zu einer einfachen steuerbczah- lcnden Munizipalstadt erklärt. Alle Hauptleute der Bauern wurden ausgeliefert und hingerichtet. Zur Schande der Menschheit und der Aristokratie Thüringens, wurde MünzerS arme schwangere Frau ins Lager ge­schleppt und den geilsten Ausschweifungen einer bar­barischen Soldateska preisgcgebcn. Vergebens verlangte sie einen Dolch, um sich zu todten; zur Antwort warf sie ein Lanzknecht zur Erde und entehrte sie im Ange­sichte der fürstlichen Armee. AlS er sie aufhob, war'S eine Leiche. Solche Thaten werden früh oder spät tau­sendfältig gerächt! Die Fürsten und Herren trieben es so arg, daß selbst Luther ausries:Ich habe Beides gesagt, würden die Bauern Herr, so würde der Teufel Abt werden; würden aber solche Tyrannen Herren, so würde seine Mutter Aebtissin werden!" Pfeifer wurde von einer Abtheilung Reiterei im Amte Eisenach ciiigc- bolt und leistete mit seiner Schaar tapferen Widerstand. Ein Theil fiel fechtend, ein anderer entkam in den Wald/ Pfeifer wurde mit 92 seiner Gefährten lebendig gefan­gen und im Lager vor Mühlhausen mit ihnen alsbald hiugerichtet. Er verschmähte Beichte und Sakrament und starb ohne einen Seufzer auszustoßcn.

Endlich kam die Reibe an Münzer. Er wurde aus dem Tburme von Heldrvngcn geholt, und an einen Wägen geschmiedet, nack Müblhausen gebracht, um dort hingerichtet zu werden. Die Fürsten traten vor ihn hin und Herzog Georg sagte:Laß Dir Leid sein, Thomas, daß Du Deinen Orden verlassen hast und die Kappen ausgezogen und ein Weib genommen hast."Mün- zcr, laß Dir dieß nicht Leid sein," fiel der junge Land­graf ein,sondern daß Du die Leute aufrührerisch ge- macht hast. Vertraue auf Gott, er ist gnädig." Mün­zer antwortete ihnen darauf nicht; aber er erhob sich zum letzten Male mit der ganzen Kraft seines Geistes und, obschon körverlick gebrochen und deuu-Tode ... ins Angesicht schauend, sprach er laut unb klar in aufrech- ter Stellung:An mir ist cs, euch zu rathen. Ich rathe euch, gut, gerecht für die Armen und Schwachen zu sein. Leset oft die Bibel, namentlich das Buch der Könige und Samuclis. Glaubet nicht, daß dies ewig so dauern werde. Es wird ein Tag der Rache über euch kommen, wenn ihr nicht unterdeß dem Evangelium gemäß lebt. Ich habe Großes, zu Großes ver­langt. Geduld nur! Ein Mann, wie ich, stirbt nicht. Ihr Alle und eure Kindeskinder werden verfault sein und Thomas Münzer wird noch leben!" Fünf Minu­ten später war er nicht mehr. Als er sein Haupt auf den Block legte, knieten die Fürsten instinktmäßig nieder und beteten. ° Das verhinderte sie jedoch nicht, Mün­zers Kopf mit dem Pfeifers auf einer Stange auszu- steckcu.

So war Münzers Leib gctbbtet," bemerkt Zimmer­mann in seiner trefflichen Geschichte des Bauernkrieges, gewaltsam gebrochen das noch jugendliche Gehäus eines der kühnsten Geister, ehe dieser in sich die läu- lernde Krisis durchgcmacht, ehe er ins Mannesalter ge­reift war. Ein größerer Verlust für das deutsche Volk als für ihn! Luther, der Münzers Benehmen richtig faßte und keine Spur von Reue an ihm entdeckte, konnte seine Schadenfreude über seinen Ausgang durchs Hen­kerschwert nicht verhehlen. Er vergaß, daß der Geist durch Henkers Hand weder geadelt, noch gebrandmarkt wird, daß die Geschichte bald die Edelsten, bald die Ver­worfensten auf dem Schafotte zeigt, und daß der Lebens- strom der neuen Zeit Blut war, auf einer Schädelstätte vergossen."

Luchern an Einsicht in politischen und manchen reli­giösen Dingen voraus, weniger Schreckcnsmanu, weniger despotisch als Calvin, ist Münzer den Umständen und

seinem Irrthume erlegen. Den Fürsten gegenüber, war co über alle Jllusstoncn erhoben. Luther mußte später bekennen, daß er in den Fürsten schmerzlich sich getäuscht habe. Aber Münzer hatte sich im Volke geirrt und verrechnet. Wie mit seinen Gedanken seiner Zeit, war er mit seinem Wagen und Thun seinem Volke voraus- geflogen. Die Verfassung des öffentlichen Lebens, wie er sie vorfand und die er dem Geiste des Christenthums als zuwider erkannte, war noch so gut befestigt, daß nur dauernde Begeisterung des Volkes sie umzuwerfen ver­mocht hätte. Aber der Geist deS Christenthums war noch lange nicht im Volke erstarkt genug, um eine solche Erhebung des VolkögeisteS zu bewirken und die Klam- mern der bestehenden Verhältnisse zu sprengen."

Der Geist der Zukunft drängte ihn vorwärts. Die Zukunft allein kann ihn richten. Wenn der Same, den er eingesenkt und mit seinem Blute gefeuchtet, aus dem Boden des LebenS in goldenen Aehren steht, dann wer­den wohl auch viele seiner Worte und Gedanken, die als Irrthum und Fluch bezeichnet wurden, wenn auch als unreif und vorzeitig, doch als eine Wahrheit und als ein Segen, er selbst als ein Werkzeug der höheren Macht erkannt werden. Noch muß der Geschichtschrei­ber einen heftigen Widerspruch von Vielen fürchten, wenn er auf Thomas Münzers Grab bic Krone deS Märty­rers heftet. Und doch, wie nach der Christuslehre daS Weltgericht Gottes, wägt die Geschichte nicht blos daS Gewordene und Vollbrachte, sondern auch das Denken und das Gedachte, daS Wollen und das Gewollte."

Unter den Disteln und Dornen, womit die Ver­leumdung das Grab Münzers überflocht, sind derselben auch große, frische Lorbeerblätter entfallen. Diese sam­melt die Geschichte und flicht sie zuni Kranz."

Noch geht sein Geist um in Europas Gauen, läßt sich manchmal noch hören auS den Hütten des Land- mannes, haucht über die heiße Stirn des Denkers bei mitternächtlicher Lampe, hallt nach in manchem Vortrag, mancher Forderung redlicher Volksvertreter! Wann kommst Du zur Ruhe, großer, irrender, rachekuckender Schatten?!"

* *

Münzer, die Seele der Bewegung war nicht mehr; jetzt war der Adel siegreich überall. In den südlichen Landen zerstreuten der Truchseß und andere Fürsten einen Haufen. nach dem anderen, weil die Bauern nicht e iuig zusammenhielten. Blut und Leichen bezeichneten die Schritte deS Siegers; viele Tausende wurden in den Schlachten hingewürgt, viele Hunderte wurden hinge­richtet, geblendet oder sonst verstümmelt von Henkers Hand. (Fortsetzung folgt.)__________________*_______

Oeffentliche Bekanntmachung

Mit Beziehung auf die unterm kl. Mai ergangene Bekannt­machung über die Anschaffung von Gewehren zur Volksbewaffnung, wird weiter zur Kenntniß gebracht, daß zur Anschaffung von Lan­zen 2000 ft vom Staat disponibel gestellt worden sind.

Die Kommission erachtete es für zweckdienlich, diesen Betrag zur Anfertigung von Musterlanzen zu verwenden und jeder Gemeinde, so weit die Zahl ausreicht, eine derselben gratis zu verabreichen, wornach es sodann den Gemeinden überlassen bleibt, sich nach diesem Muster selbst Lanzen unfertigen zu lassen, um dem augen­blicklichen Mangel an Waffen theilweise abzuhclfen.

Die Gemeinden, welche eine.Musterlanze wünschen, können die­selbe am Zeughaus in Empfang nehmen.

Der Empfänger muß sich bei der genannten Stelle schriftlich als Beauftragter der betreffenden Gemeinde legitimiren.

Die zur Volksbewaffnung bestellte Kommission.

( 21) In verletzten Versammlung des Arbeiter-Vereins hielt ich einer Bortrag über die zukünftige Stellung der Maschinen in unseren Staarsgedäude. Böswillige Individuen sprengen das Gerücht aus, ich hätte von der Zerstörung der.Maschinen geprocbtn. Ein Fab­rikant war in der Sitzung zugegen, welcher, weuu er nicht ge­schlafen hat, am besten Auskunft darüber wir^ geben können^ welche Ansicht ich in dieser Beziehung entwickelt habe Damit kein Mißverständniß möglich sei, lade ich Alle, die sich für die Sache intcressrren, ein, unserer Wertsammlung Dienstag den 30. Mai beizuwohnen, da ich den Gegenstand noch einmal zur Sachr bringe.

Wiesbaden, den 27. Mai ig48. Fr. Gräfe.

Verantwortlicher Redacteur: Fr. Emminghaus. Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckern zu Wiesbaden.