Truppen ziehen sich an der Rheingränze zurück. Was auf unserer (badischen) Seite an neueren militärischen Anordnungen bekannt wurde, beschränkt sich darauf, daß Vas Regiment, welches früher in Freiburg lag, dahin zurückkehrt. Eben so befindet sich das Regiment, welches früher in Mannheim garnisonirtc, bereits auf dem Rückmärsche dahin. Eine Entlassung der Mannschaft findet nicht statt, indeni der kurze Zeitraum, der uns vielleicht noch gegeben ist, benutzt werden muß, um die Truppen schlagfähiger zu machen, und namentlich um die Scharfschützen zu der nöthigen Vollkommenheit zu bringen. Auch Eonstanz soll mit einer Garnison bedacht werden, und man spricht davon, daß das dritte Infanterie-Regiment, seither in Rastatt, dahin kommen soll, sobald in Rastatt Ocsterreicher eingerückt sein werden. (Mannh. I.)
Breslau, 24. Mai. In diesen Tagen ist hier eine reale Verschwörung entdeckt worden. Unter einem unschuldigen Vorwände sind 3 Ctr. Handgranaten bestellt worden, auch theilweise schon angefertigt gewesen; eine Bekanntmachung sagt, in einer hiesigen Maschinensabrik, Andere bepaupten, an drei verschiedenen Orten. Ein Schlossermeister soll dem General Safft die erste Anzeige darüber gemacht haben. Auch 400 Lanzen sind in einer Werkstätte vor dem Ohlauer Thore vorgefunden worden. (D. A. Z.)
Dänemark.
Kopenhagen, 20. Mai. Die Fortdauer der Occupation von Jütland scheint die bittere Stimmung der dänischen Presse gegen „die gewaltsamen Anmaßungen von Preußen und ganz Deutschland" zu steigern. „Fädrelandct" läßt sich aus Veile vom 8. schreiben: „aber die Rache kommt, der Prinz von Roer und die Glücksburger werden schwerlich von hier zurückkommen."
Die schwedische Hülse hat den gesunkenen Muth wieder aufgerichtet. Nach der „Oeresundpost" soll das Hülsskorps aus 26 Eskadronen und 22 Bataillonen, außer 3 Batterien reitender Artillerie, bestehen.
.Wch fädrelandet" hat König Oskar dem dänischen außerordentlichen Botschafter, General Orholm, erklärt, daß es seine Absicht sei, ein schwedisches Armeekorps nach Dänemark zu senden, damit es mit der dänischen Armee operire, und daß er seine Kriegsschisse, sobald sic vollständig ausgerüstet wären, auölaufen lassen werde, Damit sie ihre Flagge an der Seite des DannebrogS zeigten. Demselben Berichte zufolge soll, nachdem die schwedischen Reichsstände die begehrten zwei Millionen bewilligt haben, ein Traktat zwischen Schweden und Dänemark abgeschlossen sein. Das gedachte Blatt macht aber zugleich auf die starke Friedenspartei in Schweden aufmerksam, der es sehr unlieb wäre, sich in Krieg verwickelt zu sehen. — Auf die Uneinigkeit in Deutschland wird stark gerechnet.
Frankreich.
Paris, 24. Mai. Die französische Regierung hat beschlossen, der provisorischen Regierung der Lombardei 50,000 Flinten verabfolgen zu lassen. Schon am 19. wurden zu Toulon 6000 Flinten an Bord deS sardinischen Handels- und DampfbooteS „Virgil" gebracht, welches alsbald nach Genua abging.
Volksfest auf dem Feldberg.
Es war Beschluß des im vorigen Jahre am 8. August auf dem Feldberge zum viertenmale versammelten Bölkes, daß fortan alljährlich am ersten Sonntage des Juli Wettkämpfe im Steinstoßen, Laufen, Ringen u. s. w. daselbst abgehalten werden sollten. Mit Bollziehung jenes Beschlusses ward unmittelbar Niemand beauf- lraat. Man schien dem guten Geist des Volkes und dem guten Willen der bisherigen Festordner das fernere Gelingen jener erhebenden Kampfspicle anheim stellen zu können. Dennoch aber ist es nothwendig, daß ein bestimmter Anstoß zu erneuerter That gegeben werde, um so mehr, als vielleicht Mancher denken könnte, man habe derzeit wichtigeres zu thun, als Feste zu veranstalten, was in gewisser Hinsicht und in Anwendung auf gewisse Feste auch ganz richtig sein mag Da jedoch das Volksfest auf dem Feldberg eine ganz andere Stellung einnimmt, so erlauben sich die Unterzeichneten, dazu den ersten Anstoß in so fern zu geben, als sie allen Männern aus Stadt und Land der Umgegend, welche daran
einen näheren Antheil nehmen und welche dabei mit rathm und thaten wollen, zuvorderst einladen, sich
Sonntag am 4. Juni, Vormittags 10 Uhr, in Ober-Reifenberg
einzufinden. Von dem Erfolg dieser Einladung und von dem Beschluß der erscheinenden Männer wird es abhängen, ob und wie das Feldbergfest auch in diesem Jahre werde abgehalten werden. Daß es als der Ausdruck ächt volkstümlicher Thatkraft in seiner von Ueppigkeit und Prunk entfernten Einfachheit unter allen Umständen und gerade jetzt, wo es gilt, durch Förderung der Mehrbarkeit und sittlicher Tüchtigkeit der Freiheit einen festen Boden zu bereiten, an seinem Platze sei, daran glauben die Unterzeichneten nicht zweifeln zu dürfen. Daß dabei nicht allein die bereits eingesührlcn Wettkämpfe wieder stattsinden, sondern daß außerdem noch Sonntags zuvor von sämmtlichen Schützengesellschaften der Umgegend Scheibenschießen veranstaltet und "die daraus H«r- vorgchenden -Sieger auf dem Feldberge mit den bestimmten Ehrenpreisen begabt werden möchten. Dieß sind Vorschläge, welche die Unterzeichneten am 4. Juni in Reifenberg machen werden, wozu sie der Mitwirkung von Vertretern der betreffenden Schützen- gesellschaften bedürfen, die demnach ganz besonders dringend und freundlich cingeladen werden, zu erscheinen.
Wollten endlich edle Frauen und Jungfrauen, die die Erscheinungen einer großartigen Volkserhebung zu würdigen wissen, einstweilen Gaben für die Sieger in den Wettkämpfen vorbereiten, so möcht« dieß nicht unzweckmäßig sein. Denn wenn wir auch zur Stunde noch nicht wissen können, ob und welchen Erfolg dieser unser Aufruf haben werden, so hoffen und glauben wir doch, daß er nicht ungehört und unbeachtet verhallen wird. Den Männern des frischen turnerischen Volkslebens Brudergruß und Handschlag.
Frankfurt a. M. Butzbach in der Wetterau.
August Ravenstein. Kuhl. Braubach.
Wiesbaden.
Am 28. Mai 1848. Emminghaus.
Geschichte des deutschen Bauernkrieges.
Von Dr. Julius. (Fortsetzung.)
„Ihre Sache sei durch Eigennutz und Unverstand untergegangen; sie sollten deshalb keine weitere Empörung machen. Daß er von hinnen scheiden müsse, gleichsam als Opfer für die Thorheit und Sünde Anderer, sei er herzlich zufrieden, da es Gott also gefalle. Sein Tod werde zur Besserung der Unverständigen dienen. Wiederholt bittet er, seinem Weibe Nichts entgelten zu lassen und ihr kleines Gut zu erhalten."
Dieser Brief beweist die Ergebung MünzerS, keinesfalls aber seinen Widerruf, wie eS selbst Melanchthon fälschlich behauptet. Er ist von bitterem Schmerze durchdrungen, daß alle die Pläne durch welche er sein Volk zu retten und zu beglücken hoffte, scheitern mußten; aber doch zeigt er sich ungebeugt und läßt die Hoffnung auf den künftigen Sieg seiner, des Volkes Sache deutlich durchblicken. Und doch logen seine Henker in die Welt hinaus, Münzer habe seine Irrthümer widerrufen und sei reuig als armer Sünder in den Schooß der katholischen Kirche zurückgekehrt. Der Eigennutz und die Zersplitterung der Bauern, über die Münzer so bitter klagte, verdarb Alles. 15,000 Bauern standen noch unter den Waffen; aber statt sich zu vereinigen und dem Feinde die Spitze zu bieten, zogen sie es vor zu plündern, sich zu besaufen und dann gefangen oder frei nach Hause zu gehen.
Das Erz ketzer ne st, wie es die Fürsten nannten, die Stadt Mühlhausen, war immer noch in Pfeifers Macht. Sobald aber das Heer der Fürsten sich näherte, waren auch die Mühlhäuser geneigt sich zu ergeben. Pfeifer vertheidigte sich anfangs tapfer; seine Geschütze streckten manchen im Fürstenlager nieder. Als aber kein Ersatz sich zeigte, als Bresche geschossen und der Sturm vorbereitet wurde, gewann die Partei, die für die Ueber- gabe der Stadt stimmte immer mehr die Oberhand und Pseifer enrwich mit 400 seiner Anhänger am 24. Mai bei nächtlicher Weile aus der Stadt, um sich zu den Oberfranken durchzuschlagen. Die Bürger die nun die Anführer nicht mehr ausliefern konnten, zogen mit ihren Frauen und Mädchen mit Wermuthkränzen, barfuß und barhaupt mit weißen Stäben in den Händen in daS Lager der Fürsten, beugten um Gnade flehend dreimal ihre Arme und überlieferten die Schlüssel gegen die Zusage, daß nur die Aufrührer bestraft werden sollten. Als sie aber in dem „Erzketzer ne st" erst waren, ließen die Fürsten den Bürgermeister Kühnemund und eine