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No. 61»

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Der Volksfreunh

Alles für das Volk, und Alles durch das Volk!

Wiesbaden.

Dienstag, den 30. Mai

1848.

Gedanken über das Grundgesetz der deutschen Nation von Dr. Zaiö.

(Fortsetzung.)

Auflösung des Reichs.

Die Resormirung deS Reichs,' nach den neuen Zeit­ideen dem Kaiser seiner Stellung gemäß zukommend, schien nun nach Mißkennung dieser Stellung an einen Helden auS germanischein Stamme überzugehen. Gustav Adolph eilte den besiegten protestantischen Fürsten zu Hülfe, er schlug des Kaisers Heere, er war der Mann an dem das Volk sich aufrichten, dessen Gerechtigkeits­sinn und FrciheitSlicbe ein freies deutsches Königreich herzustellcn im Stande waren. Aber die Vorsehung hatte anders beschlossen; er starb den Tod eines Helden.

Der dreißigjährige Krieg vernichtete den Reichthum und den Kunstfleiß der Städte, deren Rührigkeit seit Jahrhunderten große Schätze aufgehänst hatte. Aucb der niedere Adel ging zu Grunde. Zwei Dritthcilc der Bevölkerung waren durch Schwert und Seuchen gefal­len. Deutschland war der Tummelplatz von Söldlingen aller Nationen, welche gegenseitig an Mord- und Raub­lust sich zu überbieten suchten. Der Soldat diente jedem um Sold. Der Krieg zum Handwerk herabgewürdigt, ernährte sich selbst durch Kontributionen, Tod und Ver­wüstung. Das Land ward zur Einöde

Diesen Reichszwiespalt und dieß Elend auSzubeuten, war für Frankreich nur die erwünschte Gelegenheit ge­kommen. Eifersüchtig auf Oesterreich ergriff es die Par­tei der Protestanten, welche cS zu Hause selbst vertilgt hatte. DaS allgemeine Jammergeschrei und die Nieder­lagen deS Kaisers durch die tapfern Schweden zwangen ihn endlich unter Vermittlung Frankreichs zum Frieden mit den Reichsständcn. Dieser westphälische Friede ist die VernichtungSakte deS ReichSverbandeS; durch ihn wurde die Auflösung des Reichs beschleunigt und legiti- mirt. Daß das herabgekommcne Reich die sremde Hülfe mit einigen Gränzprovinzen bezahlen mußte, versteht sich von selbst; auch wurden die Schweiz und die Nieder­lande aus dem Reichsverband entlassen; daS wichtigste war aber, daß die Reichsfürsten selbst volle Landeshoheit und daS Recht erhielten, Krieg und Frieden sowohl unter sich als mit dem Ausland abzuschließen. Hiermit wurde der Todesstoß dem Reiche selbst versetzt; der Ver­rath zog ein; die Fürsten, insbesondere die geistlichen, wurden von Frankreich bestochen und in Sold genom­men ; aller Sinn für das Gemeinwohl erstarb, eine völlige Entwürdigung und Trostlosigkeit trat ein, und die eigene Selbsterhaltung zwang jeden Fürsten nur auf die Vergrößerung seines Hauses bedacht zu sein.

Während aber daS Reich in Ohnmacht verfiel, ge­

wannen in demselben Maaße seine Nachbarn an Macht und Stärke; sein europäisches Hebergewicht vertheilte sich auf Frankreich, England, Holland und Schweden; seinen Handel zogen England und Holland, seinen poli­tischen Einfluß Frankreich an sich.

Dieses nach einer europäischen Diktatur strebend, war ein unversöhnlicher Feind von Oesterreich und dem Reiche geworden, dessen Rheinprovinzen cs mit wiederholter, grausamer Verwüstung heimsuchte. Seine nothdürftige Erhaltung verdankte das Reich nur dem Bündniß Eng­lands , Oesterreichs und Hollands gegen ehrgeizige Ab­sichten Ludwigs XIV., aber der spanische Erbsolgekrieg hatte wieder einen LaudeSverlust zur Folge.

Jedoch die Völker wurden schon lange nicht mehr alS solche gezählt; sic wurden verhandelt, vertauscht nach Kriegsglück und Fürstenlaunc. Die Fürstenhöse waren der èchwelgerei ergeben, oder verwandle» alle Einkünfte zur Erhaltung großer stehender Heere. Von einer Einig­keit in Deutschland konnte so wenig die Rede sein, daß Wiemani) etwas unrechtes darin sand, wenn ein deut­scher Fürst den andern mitten im Frieden überfiel, ihm Provinzen wegnahm, und siebenjährige Kriege deßhalb geführt wurden; im Gegentheil, solche Tbaten wurden Heldenthaten genannt. Das Reich ward zum Spott, und die Fürsten selbst harrten nur aus die Gelegenheit, sich als souverän zu erklären. (Fortsetzung folgt.)

O Ein Wort

über die zu erwartende Verfassung der evangelischen Kirche. (Fortsetzung.)

Mil Feuer und Schwert wurden sie vertilgt, nicht weniger auch Sekten, wie die Waldenser und Albigenser, welche auf rein biblischen Grundlagen ihre theologischen Systeme bauten und ins Leben zu rufen suchten. DaS waren die Früchte des PapalsystemS, es mußte eine neue Zeit beginnen; sie kam mit der Reformation in Deutschland und der Schweiz. Wir glauben sicher­lich, der Hauptbeweggrund, von dem Luther getrieben wurde, sich vom Papalsystemc loszureißen, war der, daß er Aergerniß nahm an der Verfassung der Römischen Kirche, einer Verfassung, die am Ende darauf hinaus lief, Geist und Leben der Menschheit zu unterdrücken und dieselbe zur gefälligen Dienerin deS heiligen VarerS zu Rom zu machen. Er begann und vollendete auch den Vernichtungskamps gegen daS herrschende System mit gewaltiger Kraft; seine Worte redeten wie die Don­ner des Gerichts in die schnarchenden Wächter der Kirche; sein Wort stellte jeden Christen wieder an den Ort, der ihnen gehörte, ein Jeder sollte, wie eS Haupt- grundsatz des Christenthumes ist, Priester sein; die zwi­schen Gott und Menschen vermittelnde Priesterkaste sollte aufgehoben sein. Mit Freuden ward das lebendig