durch Schanzgraben, von der anderen durch eine Wa- gcnburg schützte. Seine Bauern aber, wenigstens eine gute Hälfte davon, waren eher zum Frieden, als zum Kriege geneigt. Die Fürsten hatten ihnen diesen ange- boten, wenn sie Münzern auSlieferu wollten. Diese schickten ihnen Wolfgang von Stolberg, Kaspar von Nurleben und Hans von Wertern zum Parlamentiren. Man kam über einen Waffenstillstand von zwei Stunden überein. Aber die Fürsten beharrten vor Allem auf der Auslieferung Münzers. Die drei Parlamentirer kehrten aufs Neue iu das Lager der Fürsten zurück; diese aber hielten zwei davon, wahrscheinlich auf ihr Verlangen zurück und schickten nur Wertern mit dem Ultimatum zu den Bauern. Münzer sah, daß er jetzt nur noch durch den Schrecken sein Ansehen bei seinen schwankenden Leuten behaupten konnte; er ließ deshalb einen Evel- mann und einen Priester, die gegen ihn sprachen, durch die Gemeinde zum Tode verurtheilen und im Ringe enthaupten. Zugleich wandte er seine ganze Beredsamkeit an, um die Unschlüssigen und Zaghaften zum verzweifelten Kampfe zu begeistern. Er sprach von seiner göttlichen Sendung und wie sic das Werk auf Gottes Befehl begonnen hatten; er schalt gegen die Tyrannei und Gottlosigkeit der Fürsten. „Alle Büchsenkugeln, soll cr gesagt haben, nach dem von Melanchthon fabrizirten Bericht, wollte er in seinem Rockärmel auffangen." Einen eben sich zeigenden Regenbogen deutete er um so mehr als ein besonderes Gnadenzeichen Gottes, als er einen solchen in seiner Fahne führte. „Ihr seht, schloß er, Gott will uns helfen und droht den mörderischen Fürsten mit Gericht und Strafe. Er will nicht, daß ihr Frieden mit den Gottlosen macht. Fechtet unerschrocken und tröstet euch göttlicher Hülfe."
Seine Rede wirkte. Die Bauern liefen zu den Waffen, indem sie den Psalm: „Komm heiliger Geist, o Herre Gott" laut anstimmtcn. Da, als sie noch zur Berathung zusammenstanden, als sic sich noch „in guten Stillstand und Frieden wähnten" weil die Bedenkzeit no* «icht-M Hälfte vriflvichen mw, dmnMtrn plötzlich die Geschütze der Fürsten in sie hinein, rückte das ganze Fürstenheer zum Angriffe vor. Die Verwirrung welche durch die mörderischen Geschütze der Fürsten unter den Bauern entstand, trieb sie bald in wilder Flucht auseinander. Münzers 8 Geschütze wurden genommen; er selbst der kein Feldherr war, konnte die Flucht der Seinigen nicht aufhalten. Die Einen flohen aus die nahen Waldhöhcn, der große Haufe aus Frankenhausen zu, nicht ohne daß sich einzelne Abtheilungen unterwegs mit' wilder Wuth zur Wehre gefetzt hatten. Wen die Reisigen erreichten, der wurde ohne Erbarmen niedergemacht; bei 5000 Bauern wurden auf dem Felde nnd in der Stadt, welche die Reiter mit den Flüchtigen zugleich erreichten, erschlagen. 300 Gefangene wurden ohne weitere Untersuchung unter das Rathhaus geführt, um dort enthauptet zn werden; unter ihnen war ein alter Münzerischer Prediger mit seinem Kaplan. Als die Frankenhäuser Frauen um das Leben der Männer flehten, sagte ihnen ein Reisiger, nach der Erfurter Stadtchronik aber der Landgraf und Herzog Georg selbst, ihre Männer sollten am Leben bleiben, wenn sie diesen Pfaffen erschlügen. Und die zwei bis dreihundert Weiber, wie Hunde bellend und gellend, schlugen den Priester und den Kaplan mit Knitteln todt, „daß ihnen die Köpfe sind gewest wie ein gesottenes Krauthaupt und das Gehirn an den Knitteln gehangen hat."
Münzer, auf dessen Haupt die Fürsten einen Preiß gesetzt hatten, hatte sich nach Frankenhausen in ein HauS nahe an der Stadtmauer gepflüchtet, wo er sich auf dem Boden versteckt hielt In demselben Hause wohnte ein Edelmann Namens Otto von Ebbe. Sein Knecht, der das Haus durchstöberte, um es auszuplündern, traf Münzer'n auf dem Boden, wo er sich mit verbundenem Kopfe wie ein schwer Kranker ins Bett gelegt hatte.
Unglücklicherweise aber fand der Soldat Münzers Brieftasche vor; dies verrieth ihn und er wurde den Fürsten ausgeliefert. Sobald Münzer gefangen war, kam sein Geist wieder über ihn. Die Fürsten empfingen ihn mit der Frage: Warum er das arme Volk verführt habe? Dies Wort schien ihm blutiger Hohn in dem Munde der Fürsten. „Um die Fürsten zu strafen," versetzte er kühn und begeistert, „die dem Evangelium und der Freiheit zuwider sind. Man muß den Fürsten Zaum und Gebiß anlegen." Daß die Bauern geschlagen, dafür könne er nicht, sie hatten eS nicht anders haben wollen. Dem jungen diöputirfüchtigen Landgrafen, der ihm auf lutherische Weise die Bibel über Aufruhr und Obrigkeit auslegen wollte, setzte er ein stolzes Schweigen entgegen, worauf dieser sich schmeichelte, den Reformator niederdisputirt zu haben. Die Fürsten ließen ihn auf die Folter spannen und weideten sich an seinen Qualen; als er einen SchmerzenSrus ausstieß, sagte Herzog Georg: „Ja, Thomas, thut Dir dieses wehe, so bedenke auch, daß eS den armen Leuten nicht wohl gethan hat, die heute Deinetwegen niedergemacht sind." „Ha, stieß Münzer hervor, dessen Gesicht unter den Schmerzen der Folter, wie so häufig, den Ausdruck deS Lachens annahm, sie haben es nicht anders haben wollen." Die Fürsten vermochten ihm keine Bekenntnisse ausjupressen. Sie ließen ihn auf einen Wagen schmieden und dem grausamen Grafen Ernst von Mansfeld auSlieferu, an den er geschrieben hatte: Ich fahre daher. Dort im Thurm zu Heldrungen wurde „gräulich mit ihm umgegangen," er wurde fast alle zwei Tage in Gegenwart deS Grafen gefoltert, so daß er in der Wundfieberhitze 12 Kannen Wasser getrunken haben soll. Zuletzt an Geist und Körper gebrochen und gerädert entschloß er sich an die Einwohner von Mühlhausen zu schreiben, um sie zu ermahnen, sich auf Gnade zu ergeben. Sie sollten die Gnade der fürsten nachsuchen." (Fortsetzung folgt.)
Neueste Nachrichten.
Frankfurt, 26. Mai. 7te öffentliche Sitzung der Nationalversammlung.) Neue Anträge: Von Marek die Garantie der nichtdeutschen Nationalitäten [im deutschen Bunde, die Stellung der Monarchen jin den einzelnen Staaten, die Habeas-Corpus-Slfte, die Einziehung der Kirchengüter und Besoldung der Geistlichen durch den Staat betreffend; von Keim: ein Manifest an das deutsche Volk wegen Ausrechthaltung der Ordnung und Ruhe betreffend; von Schulz und Reh: Maßregeln gegen Entwer- thung des Eigenthums u. s. W. betreffend; Dahn: neue politische Einteilung Deutschlands; Zitz: Zurücknahme der Ausweisung von Pelz, Löwenstein und Essellen aus Frankfurt betreffend; Schlöffel: Sicherstellung der Freizügigkeit, und daß keine Ausweisung ohne vorgängigen Richterspruch erfolge; von Fr. Schulz aus Nassau dahin, daß die Gesandten der einzelnen Staaten durch allgemein deutsche Gesandte ersetzt und chie deutschen Interessen im Osten, besonders in den Donauländern, durch einen innigen Bund mit Ungarn gesichert werden; von Möhring: auf Erleichterung deö Ausschlusses der nicht zum deutschen Bunde gehörenden österreichischen Staaten, besonders Ungarns. — Der politische Verein in Oeh- ringen und der Volksverein in Rauschenberg beantragen, daß die Nationalversammlung ohne Einsprache von irgend einer Seite das Vezffassungswcrk beschließe. Julius Fröbel überreicht Grundzüge einer republikanischen Verfassung für Deutschland. Heckscher und Roß beantragen, daß die Nationalversammlung einen Marincausschuß ernenne, welcher sich mit den Marinekomites in den Seehäfen in Verbindung zu setzen, und im In- und Auslande Materialien in Betreff der Errichtung einer Kriegsflotte zu sammeln bätte.
Verantwortlicher Redacteur: Fr. Emminghaus. — Druck der J. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.