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Söldnerseâ begrüßt, war der Pistolenschuß, welcher die Flocke aus ihrer Ruhe knallte. Die Lawine ist im Sturz. Wir schauen von ferne ihre Bewegung und hören schon im Geiste den Donner, mit dem sie sich entladen wird auf die Häupter der emsigen Geschöpfe, welche unter ihr in blinder Sorglosigkeit dahinlcbcn. Herr Campbausen und Genossen empfinden keine Vor­ahnung dieser drohenden Gefahr!

Die Lawine, welche daS preußische Ministerium bin­nen Kurzem über'n Haufen werfen wird, muß auch den Thron, vielleicht bald, vielleicht später, unter ihrer Wucht begraben, und fände sie in der Richtung ihres Falles keine andere Nahrung, die vor der Sonne der Ver­nunft zusammen schmelzenden Dummheiten des Verfassungs- gesetzes müssen sie zum furchtbar wachsenden Kolosse ge­stalten.

Wenn wir diesen Verfassungsentwurf von Friedrich Wilhelm von GotteS Gnaden lesen, können wir unS eines mitleidigen Lächelns nicht erwehren, denn die Zeit, sich über den Unsinn zu ärgern, ist Gottlob vorüber. Wo sollte man auch all den Aerger hernehmen! Aerger verdirbt auch den Appetit, und wir wollen diesen für das große Bankett bewahren, zu welchem das deutsche Volk von seinem Parlamente gerufen wird, sobald die herrlichen Früchte, welche die Freiheit gereist, zum Ge­nusse laden, und der Ehrenwein, zum Lohn der vollen­deten That, im glänzenden Römer blinkt.

WaS den preußischen Verfassungsentwurf betrifft, so könnte man einen Band schreiben, wollte man jeden Paragraphen, der einen Unsinn, eine Dummheit, einen Widerspruch, eine Bosheit oder eine Niederträchtigkeit enthält, mit der Fackel der Vernunft beleuchten.

Wir überlassen dies undankbare Geschäft den Leuten im weißen Saale. Sie mögen die unzähligen Gesetze schaffen, welche von dieser Verfassung selbst noch aus­drücklich verlangt werden, damit diese Verfassung erst eine Verfassung werde! d. h. für Preußen, denn Gott bewahre das übrige Deutschland vor einer ähnlichen Bescheerung!

Wer den erwähnten Entwurf einer nur oberflächlichen Prüfung unterzieht, (wer ihn genau prüft, möchte vor Entrüstung auS der Haut fahren) muß sich mit Erstau­nen fragen: Ist es die Erbärmlichkeit, welche man von Berlin her gewohnt ist, oder die Unverschämtheit, mit der der König dem deutschen Volke und seinem Parla­mente gegenüber zu treten wagl, über die man am mei­sten indignirt wird?

Wäre je ein Vcrrraucn in die Aufrichtigkeit, in die Ehrlichkeit des preußischen Kabinets und seines Beherr­schers, sowohl gegenüber seinem Volke, wie gegenüber der deulschcn Diarien, möglich gewesen: dieses Machwerk allein (wär- der Entwurf nicht so verwünscht gescheidt, man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen",) welches das Königreich Preußen für ewige Zeiten als Sonderbund vom deutschen Reiche losreißen will, und diese Verräthe- rci an der Nation mit deutlichen Worten dokumentirt, müßte jeden Deutschen nicht weniger in Erstaunen als in Entrüstung seyen.

Nach dem neuerdings mit Rußland geschlossenen Se- paralbündnisse Preußens war übrigens nichts Anderes mehr von Berlin zu erwarten. Wir wollen nun sehen, was das deutsche Parlament dazu sagen wird.

Eins aber liegt klar vor dem Blick jedes Hellsehenden: Preußen wird nicht deutsch werden, so lange nicht Deutschland preußisch ge­worden, oder aber!

Merkt Euch das, Ihr Herren, im Parlament!

Deutschland und Preußen!

Zuruf an die Preußischen Abgeordneten am 18. Mai 1848. Von Dr. Joh. Jacoby aus Königsberg.

(Fortsetzung.)

Kaum hat irgend ein konstitutionelles Ministerium bei dem Antritte seiner Regierung daS Zutrauen und die

Unterstützung aller Gutgesinnten in so hohem Grade be« seffen, als das Preußische. Und wie hat es die Gunst der Umstände benutzt, wie hat eS seine Macht ge­braucht?!

Von jedem Hauche der Parteien, dem wankenden Schilfe gleich, in Bewegung gesetzt, hat daS Ministerium trotz mehrfacher Aufforderung nicht den Muth gehabt, seine Ansichten über die Fragen der Zeit, über die Stel­lung Preußens zu Deutschland und über die auswärti­gen Angelegenheiten offen dem Volke darzulegen.

In seiner Haltlosigkeit wagte eS weder dem anarchi­schen Treiben eineS arbeitunlustigen PöbelS, noch den re- actionären Gelüsten einer eigennützigen Geldaristokratie, noch dem Polizeikitzel eineS durch die gerechten Ansprüche der arbeitenden Klaffe eingeschüchterten PfahlbürgerthumS entgegenjutreten.

Obgleich ihm die völlige Unbrauchbarkeit deS alten büreaukratischen Systems einleuchtete, zögerte eS doch, durch Absetzung untauglicher Beamten ein neue- möglich zu machen.

Von privilegirten Ständen ließen die Minister dâS neue Wahlgesetz berathen : durch eine Kammer, die längst daS Vertrauen des Landes verloren, glaubten sie einem Gesetze die RechtSweihe zu geben, dessen Grundbestim­mungen schon durch einmüthigen Volkswillen feftgestell' waren.

Von diesen selben unberechtigten Ständen ließen fu sich Anleihen bewilligen, statt selbst auf eigne Gefahr Hw zu handeln und den künftigen wahren Vertretern deS Volkes verantwortlich zu bleiben.

Sie haben sich nicht gescheut, denselben bevorzugter Ständen die Wahlen zur deutschen Nationalversammlung zu übertragen; erst der Schrei deS allgemeinen Un­willens mußte fie_ über ihren Mißgriff belehren, und auch da wagten sie nicht selbst zu entscheiden, sondern bestimmten die Stände wiederum zur Annullirung der Wahlen.

Nicht minder schwächlich war daS Auftreten der Minister dem Auslande gegenüber." Den Polen hatten sie von vorn herein Versprechungen gemacht, die sie nicht zu halten im Stande waren. AuS leerer Furcht vor Ruß­land griffen sie zu unseligen halben Maßregeln. Durch die Unentschiedenheit ihrer Politik brachten sie die deut­schen und polnischen Bewohner deS GroßherzogthumS Posen zur Verzweiflung und veranlaßten so jene bekla genSwerthen Metzeleien, die nur dem russischen Czarer zum Vortheil gereichen.

Gleiche Ratlosigkeit zeigten sie, als daS Dänenvolt Schleswig mit Krieg überzog, als die Ehre der deut schen Waffen aus dem Spiele stand; sie unterhandelter statt zu handeln, zauderten, wo eS schneller Thaten be­durfte.^ EineS jämmerlichen Personenstreites wegen ver­nachlässigte man die allgemeinen Interessen, ließ man im Angesichte deutscher Heere die Dänen auf deutschem Bo­den schalten und walten.

Endlich sind die Minister in ihrer Schwäche, in ih­rer Nachgiebigkeit gegen die Hofpartei so weit gegangen, den Prinzen von Preußen von seinerdiplomatischen Mission" (!) zurückzuberufen; sie haben eS unter dem Vergeben gethan, daß des Prinzen persönliche Gegen­wart^ zurfeierlichen Anerkennung der Abgeordneten- versammlung in Berlin und der von ihr zu gründen­den StaatSverfassung unumgänglich nöthig sei." Kaum ist es geschehen, und schon regt sich in ihnen die Furch! vor ihrem eignen Muthe; wenige Tage noch und wir werden sie denunumgänglich nöthigen Beschluß" wi­derrufen hören.

Doch genug! wir wollen die Fehler der Minister nicht alle aufzählen; zum Urtheil reicht daS Vorliegende auS. An gutem Willen fehlt eS den Männern nicht, wohl aber an dem richtigen Verständniß der Zeit, vor allem an männlich rascher Entschlußfähigkeit. Sie lieben daS Vaterland, haben aber weder die Kraft noch den Muth eS zu retten. Es find brave Männer, aber schlechte Minister!