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Der Volksfreund.

Alles für das Volk, und Alles durch das Volk!

Wiesbaden. «Sonntag, den 28. Mai 1848,

0 Ein Wort über die zu erwartende Verfassung der evangelischen Kirche. (Fortsetzung.)

Es schlossen sich hierdurch viele kleinere Bischöfe je länger je mehr an die in diesen Städten wohnende Bischöfe an, es bildete sich ein sogenanntes Patriar­chat oder wie man cs später nannte Erzbischofthum aus. Im vierten Jahrhundert gab es deren fünf, zu Alerandria, Jerusalem, Antiochien, Kon­st a n t i n o p e l und R o m. Die ersteren drei ver­schwanden bald aus der Geschichte, Jerusalem und An­tiochien, weil sie zu entfernt lagen und zu unbedeutende Städte waren, Alerandria, weil durch den Halbmond vernichtet. Konstantinopel und Rom blieben nur übrig; beide stritten sich um den Vorrang; lange dauerte der «Streit? bis endlich die Trennung der römischen Kirche von der griechischen, 16. Juli 1054 ihm ein Ende machte. Der Bischof zu Rom war schon lange als sogenannter Papst aufgetreten; eine ungeheure Länderstrecke ge­horchte seinem Willen. Hier nun tritt uns das Epis- topalesystem in seiner höchsten Spitze entgegen, in dem Papstthum, dem sogenannten Papalsystem. Durch Besitz weltlicher Macht, dadurch, daß Rom als aposto­lischer Stuhl betrachtet werde, sich deßhalb immer mehr Bischöfe an Rom anschlossen, durch Missionäre in heid­nischen Gegenden, deren erstes Geschäft sein mußte, Gehorsam gegen Rom zu predigen, konnte sich dieses System in diesem Maaße ausbilden. Ich beschreibe nun die Verfassung etwas näher. Man denke sich Spanien, Frankreich, England, Deutschland, Dänemark, Schweden, Polen, Böhmen, Ungarn, Kroatien, Italien unter der Herrschaft Eines Mannes. Zunächst unter ihm stehen die sogenannten Erzbisch öfe, die ein aus vielen Spren­geln bestehendes Erzbischofthum bilden. Die einzelnen Bisthümer, eine gewisse Anzahl von Gemeinden zu Einer vereinigt, sind wieder in 6 bis 7 ArchipreSbyteriate, später Dekanate genannt, getheilt , diese dann wieder in die einzelne Pfarreien. Alle Mitglieder der Kirche muß­ten unbedingten Gehorsam dem Einen geloben, im Nicht- achtungsfalle drohen weltliche und geistliche Strafe. Man sicht die Sache ist sehr klug angelegt; um dieselbe noch fester zu machen, legte man allenthalben Mönchsklöster in, deren erstes Gebot Gehorsam gegen den Einen in Rom war, und als Hauptstützen des Papstthums sich beciserten, das Volk zu bearbeiten, um cs schon dem Willen jenes Einen geschmeidig zu machen. So konnte oder mußte es vielmehr kommen, daß ein Papst, Gre­gor VII, sich nicht übel mit der Sonne und den deut­schen Kaiser mit dem M o n d e verglich, der von jener sein Licht erst erhalten müsse, um leuchten zu können, o konnte es geschehen, daß ein deutscher Kaiser .on demselben Manne die Erniedrigung erfahren mußte,

drei Tage und drei Nächte im Schloßhofe zu Canossa 1076 im Büßerhemde Buße und Abbitte zu thun.

Gegen den geistlichen Willen konnte kein Fürst etwas in seinem Lande thun, Alles hing von dem Einen in Rom ab. Was die Folge davon war, läßt sich leicht einsehen. Nachdem die Geistlichkeit sich die Herrschaft errungen hatte, glaubte sie sich auf die faule Haut legen zu dürfen, Ueppigkeit riß unter derselben ein, sie besuchten Jagden und Gelage mehr als die Kirchen selbst, ja in den Feldschlachten sah man nicht selten Bischöfe sich tapfer mit dem Feinde schlagen; die Wissenschaft fing an zn stocken, das Volk sich an einen Formel- und Ceremoniendienst zu gewöhnen, der Geist und Herz einschläferte. Dazu wurden alle himmlischen und irdischen Mittel in Bewegung gesetzt, und durch Aengstigungen deS Gewissens, sowie deS Leibes die Gläubigen der Kirche zu erhalten. Daö scheußliche Institut der Inquisition (beiläufig gesagt, in Spanien erst 1806 abgeschafft) wurde eingeführt, um Jeder, der irgend wie der Ketzerei anrüchig war, zuerst den gräßlichsten Qualen der Tor­tur, dann nach langer, elender Gefangenschaft, dadie Kirche nicht nach Blut dürstete", durch die ergebene Die­nerin der Geistlichkeit, die weltliche Behörde, durch das Feuer vom Leben zum Tode gebracht zu werden. Männer, wie Huß, Hironymus von Prag, Savona­rola und noch viele Andere wurden dem Scheiterhaufen überliefert. Dabei ging es jedoch dem so klug angeleg­ten Priesterwerk, wie es dem T.....gewöhnlich zu gehen pflegt bei seinen Streichen , daß er zuletzt doch als ein rechtbummer" T.....erfunden wird. Fast die ganze Kirche war einem von der Pest ergriffe­nen Körper zu vergleichen. Schon brachen die Beulen auf, daS unsittlichste Leben riß überall ein, Sekten mit den schwärmerischsten Ansichten traten aus, und verbrei­teten ihre Schwärmereien unter daS abergläubische Volk, das denn dochdeS immer währenden Einerlei des Kultus müde, diese Ideen mit Eifer ergriff, und inö Leben rief.

(Fortsetzung folgt.)

*0* Der königlich preußische Sonverbun-

Der Sturz einer Regierung, einer Dynastie gleicht in seinem Ursprung der Flocke der Lawine. Der Un­tergang deö preußischen Königthums ward nicht Noth­wendigkeit aus den Ereignissen der letzten Monate. Diese Nothwendigkeit dadirt von früher. Der Zeitpunkt ihrer Erfüllung läßt sich nicht vorhersagen, aber der Untergang mit Gewißheit behaupten. Das Ministerium Camphausen jedoch wird den Saamen nicht über­leben. Es überstürzt sich mit Riesenschritten. Motus in fine velocior.

Die Rückberufung des Prinzen von Preußen, wie freudig auch von angestammt königlich preußischen