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Herrengut zusührten, auf Hciligenstadt. Hier siegte er und alle Bürger von Heiligenstadt und Duverstadt mach­ten einen Bund mit ihm. Nachdem er überall die Gü­terBaal'S und Nimrod's," der geistlichen und welt­lichen Herren eingezogen hatte, kehrte er beutebeladen nach Mühlhausen zurück. Pfeifer war unterdessen nach der andern Seite gezogen, hatte manchen Edlen vertrie­ben und die Schlösser Schlotthcim, Bissingen, Almen- Hausen, Seebach, Arnsberg zerstört. An einzelnen Roh­heiten und Greuelthaten fehlte es natürlich nicht. Vom 30. April bis 12. Mai wurden sämmtliche Klöster vom Fuße des HarzeS bis zur Einmündung der Unstrut in die Saale, in der sogenannten güldenen Aue, eingenom­men und ihre Vorräthe und Gelder für den heiligen Krieg verwandt. Diese Erfolge vermehrte» natürlich den Muth der Bauern,daß sie Glück hatten, das machte sic beißig." Die Hoffnungen der Vaterlands­freunde flammten hell auf; schon sahen sie im Geiste die demokratische Reichsform eingeführt und lauter Freie und Gleiche auf deutscher Erde. Aber schon zogen die Fürsten gewappnet daher und sorgten dafür, daß diese kühnen Hoffnungen nicht zu früh erfüllt würden.

Der Landgraf von Hessen, Philipp, ein 21jährioer Jüngling war zuerst in den Waffen, nachdem er sich der Treue seiner Vasallen versichert hatte, brach er aus und nahm zuerst die Stadt Hersfeld. Die Bauer» zogen sich nach Fulda zurück und schickten Abgeordnete an den Landgrafen. Er antwortete, sic hätten keine Gnade zu hoffen, wofern sic nicht von ihrem Aufruhr abließen und Gehorsam gelobten. Der Landgraf zog weiter über Raßdorf nach Hünfeld, wo er mit dem Koadjutor Jo­hannes zusammentraf. Dieser war auf eigene Hand von Fulda hcrgcritten, um sich zu entschuldigen und Fürsprache für die Bauern einzulegen. Als die Bauern seine Abwesenheit merkten, glaubten sie sich von ihm verrathen, plünderten sein Schloß zu Fulda und hätten seinen 12jährigen Bruder, den Grafen Poppo sicher um­gebracht, wenn ihn nicht ein treuer Kellner unter den Fässern versteckt hätte. Der Landgraf zog näher und als er das Baucrnlager bei Fulda auf dem eilig wieder befestigten Fraucnbcrge erblickte, brach er sogleich alle Unterhandlungen ab. Die Bauern hatten Schloß und Stadt inne, aber wenig Geschütze. Der Landgraf ver­trieb sie durch sein Geschütz und sein Stürmen bald vom Berge in die Stadt hinab. Hier vertheidigten sie sich muthig; die Bürger aber, die der Zerstörung ihrer Häuser durch daS hessische Geschütz vom Berge herab nicht länger zuschen mochten, öffneten dem Landgrafen die Thore. Die meisten Bauern retteten sich durch die Flucht, 1500 jedoch wurden in die Schanzgräben der Zitadelle gestoßen und eingeschlossen, wo sie der Land­graf fast alle des Hungers sterben ließ. Einige Haupt­leute wurden ergriffen und hingerichtet.

Der Koadjutor seinerseits verlor alle seine Rechte und wurde zum Vasallen des Landgrafen erklärt. Die Stadt bezahlte ihm 19,000 Goldgulden Schatzung, mit denen der Graf neue Knechte warb. Die Bauern wichen überall vor ihm zurück und siegreich stand er zwischen Thüringen und Franken. (Forts, folgt.)

Verschiedenes.

Ein Zopf. Einer unserer ärgsten Zöpfe, worüber auch be­reits schon viele Stimmen laut wurden, ist unstreitig das Unwe­sen der Titulaturen. Einsender dieses batte erst heute wieder Ge­legenheit, diesen Zopf seiner ganzen Länge nach zu beobachten. Da kommt der Briefträger mit einem Briefe mit der einfachen AdresseHerrn N. N. in W." Um die Neugierde ein bischen zu befriedigen, durchsieht man sich, während der Briefträger sein Porto in Empfang nimmt, die vielen (Überschriften der Briefe; aber weich' ein Bild entwickelt sich da unsern Augen. Nichts als Hochwohlgeboren, Wohlgeboren, Excellenz" und dergleichen Schnick Schnack mehr.

Hier hat man die ganze Fülle des Kastengeistes vor sich. Börne hatte einmal einen deutschen Zeitungsartikel ins franzö-

V erantwortlicher Redacteur : Fr. Emminghaus.

zösischs zu übersetzen, und sagt darüber in seinen Briefen, daß ihn dies' Übersetzung in Verlegenheit gebracht hätte; er konnte näm­lich über den Ausdruckdie Hohen und Höchste» Herrschaften" nid): mit sich ins Reine kommen.

Ist es denn nicht lächerlich, wenn wir uns in Briefen oder in sonstige» Aufsätzen solcher aus dem alten Zopfregiment herstam- mende Ausdrücke bedienen. Wahrlich, dieser Schlendrian ist eines freien Volkes unwürdig, und muß abgeschafft werden. In Frank­reich weiß man davon nichts; da ist der Hohe wie der Niedere nichts weiter, als ein Monsieur, und für ein Hochwohlgeboren oder für ein Wohlgeboren hat die französische Sprache keinen Ausdruck.

Machen wir cs uns daher zur Aufgabe, solchen alten Plunder zu beseitigen, ja suchen wir mit aller Kraft dahin zu wirken, daß dieses Litelunwesen überall verschwinde, damit wir fernerhin durch solche Fratzen nicht lächerlich gemacht werden können. Sic.

Der Kommandant des Regiments, bei welchem der nach­herige berühmte Erzbischof von Posen, Dombrowsky, Feldpre- diger war, hatte eine besondere Freude daran, seine Soldaten auf Fehltritte» zu ertappen, um dieselben hernach exemplarisch bestrafen zu können. Jedesmal war er bei der Exekution zugegen und ge- ricth dabei nicht selten in eine solche Wuth, daß er dem Profo den Stab aus der Hand riß, und den Soldaten derbe Schläge ver setzte. Spät Abends ritt er gewöhnlich umher, um irgend einen Soldaten zuerwischen," wie er sich ausdrückte. Eines Abends kam er von solchem Strcifzugc zurück an dem Hause des Feld- predigers vorbei. Um diesem, der gedankenvoll in seinem Fenster lag, nochEins anzuhängen," rief er ihm hinauf:Guten Abend, Herr Feldprediger, waS macht denn in diesem Augenblick der Teu­fel?" Ganz ruhig, mit einem bedeutungsvollen Blicke, versetzte Donrbrowèky:Er reitet umher, wie ein brüllend»: Löwe und suchet, welchen er verschlinge!"

Bei der neulichen Spannung zwischen dem Militär uni den Bürgern in Mainz ging ein Oesterreicher mit einem der letz leren über die Straße und sagte in seinem lieblichen Dialekte, in- dem er dem Bürger traulich auf die Schulter klopfte: -,Sci'ns ganz ruhig, wir schießen nicht es müßt denn holt koinman- dirt werden.

In einem nassauischen Dorfe bekam einst ein Jude einen jungen Sohn von seiner Frau. Der Ortspsarrer, dcr die Civil standèregister zu führen hatte, trug das Kind ein und schrieb gan- gelassen unter die RubrikBemerkungen" ein:die Taufe (!) geschah durch den Amtsbeschneider N. N. Buchstäb- iich wahr!

Neueste Nachrichten.

Frankfurt, 25. Mai. (6te öffentliche Sitzung der Nationalversammlung.) Unter den Einläusen: Antrag von Schlöffel auf Geichbeit vor dem Gesetz und Abschas fung aller Vorrechte; Nauwerk: Abschaffung aller Rest: des Feudalwesens; Zitz: Freisprechung der sogenannten politischen Verbrecher in ganz Deutschland; von demsel­ben über Abhülse der Noth der arbeitenden Klasse Schlöffel: Anerkennung der Freizügigkeit aller deutsche? Angehörigen und Mißbilligung des Verfahrens der Frank furter Polizeibehörde; Nauwerk: Innere Kolonisirung Hildebrand von Marburg: Verbot der Spielbanken und Lotterien; v. Puttlitz: Verhältniß zu Rußland; Hoffmam von Darmstadt: Aufhebung aller Fideicommisse und Ma­jorate; Zitzt die Vertretung der als nicht einheimisch in einzelnen Wahlbezirken von den Wahlen Ausgeschlos­senen betreffend.

Paris, 23. Mai. (Bevorstehender Krieg gegen Deutschland.) Wir müssen alle bedauern, welche daran zwei fein, daß wir Deutsche nicht bald einen gewaltigen Krieg mit Frankreich und Rußland zu bestehen haben. Wer hierüber noch im Unklaren ist, der lese die Rede Na­poleon Buonapartes in der französischen Natio­nalversammlung, welche so großen Bcisall fand. Nur ein furchtbarer Krieg kann unseren Preu­ßen, Hannoveranern und Baiern ihre schau- derhafte Sonderbündelei aus dem Kops treiben. Jedenfalls wird die von Außen jeden Tag näher kommende Gefahr die Frechheit und den Vater- landsverrath eines Stüve ?e. jedem begreiflich machen, denn leider muß man in Deutschland immer mit dem Scheuerthor winken, da der Druck des früheren Höllen­systems allen politischen Verstand der Massen abgetödtet hat. Minister wie Stüve, die es wagen zu behaup­ten, Deutschland habe nicht nöthig einig zu sein, find in Frankreich, England, Amerika gar nicht denkbar.

Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.